Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. Oktober 2012

Idee: Spenden für das Gaus’sche Haus

Erhaltenswertes Gebäude: Der Keller des alten Fachwerkanwesens beim Dorfplatz im Unterdorf datiert wohl aus der Zeit um 1500.

  1. Bauforscher Burghard Lohrum erläuterte die Geschichte des Gaus-Hauses und die sich daraus ergebenden Indizien für das Leben der Menschen darin den Teilnehmern an der Führung im Rahmen der Bürgerwoche Foto: Markus Zimmermann, Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Nach rund zwei Stunden gibt es für die zwei Dutzend Teilnehmer an der Exkursion durch das Gaus’sche Haus keine Zweifel mehr. "Dieses Gebäude muss erhalten werden", sind sie sich quer die Altersgruppen alle einig. Fast schon haben sie es lieb gewonnen, das historische Häuschen beim Festplatz am Heimethues. So begeisternd hat Bauforscher Bernhard Lohrum ihnen das Kleinod nahgebracht.

Der Kenzinger Ingenieur hat, beauftragt von der Gemeinde, das Fachwerkhaus mit der Jahreszahl 1728 sehr detailliert untersucht und dabei vor allem auf die Geschichten geachtet, die es erzählt. Aufgefallen ist ihm dabei, "dass es im Kern viel älter ist." Zu dieser Erkenntnis kommt er bei der Untersuchung des Kellers und des Sandsteinfundaments. Das muss vor 1728 höher aufgeragt haben, denn die Kellerfenster sind offensichtlich gekappt. Ebenso weist der Sandsteinbogen über dem Kellereingang einen Knick auf. Der Schlussstein schließt den Bogen deutlich flacher, als es ein früherer an seiner Stelle tat. Die Natursteine, aus denen die Kellerwände gemauert sind, belegen für Lohrum, "dass der Keller gut 200 Jahre früher gemauert wurde".

Werbung


Riesige Eichenbalken tragen das darüber errichtete Fachwerkhaus. Balken, an denen Lohrum "keine Schäden erkennen kann, die bedenklich sind". Dass die Kellerdecke, die ehemals schmuck verputzt war, Verfallsspuren zeigt, ist für ihn selbstverständlich. Auch feuchte Stellen beunruhigen Lohrum nicht: "Denn wir haben keinen Schimmelbefall". Was soll mit dem Keller passieren? Er würde ihn überwiegend so belassen, wenn eine historisch- und kostenverträgliche Lösung angestrebt wird.

Vor dem Haus dann die nächsten Überraschungen. Dort, wo heute durch Fenster Licht ins Innere fällt, waren nicht immer Fenster gewesen. "Die Stube hatte viel größere Fenster", belegt er anhand von Brüchen in der ursprünglichen Fachwerkkonstruktion. Derweil hatten Nebenräume viel kleinere Öffnungen. Wie groß diese waren, orientierte sich früher an den unterschiedlichen Nutzungen im s Hause. "Erst später spielten optische Gesichtspunkte – wie das symmetrische Erscheinungsbild – eine Rolle", so der Bauforscher, der an der östlichen Stirnseite auch Spuren einer ehemals vorhandenen Galerie offenbart.

"Hier erinnert nichts mehr daran, wie es einmal war", ist das Gebäudeinnere ein wahrer Sündenfall. Einzig der Herrgottswinkel im großen Eckständer ist noch ein kleines historisches Detail in der Stube. "Ich bin mir aber sicher, dass wir historische Substanz finden, wenn wir die nachträglichen Verkleidungen entfernen", wiederholt sich Lohrum in Stube und Küche. Die Schlafkammer gibt ihm Anlass, wieder einmal auf das Leben der Menschen im Haus hinzuweisen. Diese hatte nämlich nur einen Zugang, war eine "gefangene Kammer" und schützte so die von den Eheleuten gewünschte Intimsphäre. Küche und der rußgeschwärzte Dachbalken darüber geben Anstoß zu einem Rückblick. "Die Frau des Hauses stand permanent in Rauch und Ruß, dass sie nicht alt geworden ist, ist folgerichtig", so Lohrum. Dagegen hat der Rauch die Balken eher konserviert, "das Dach ist, was die Konstruktion betrifft, in einem 1 A Zustand", so der Sachkundige.

"Das Haus hat Geschichte, es erzählt viele Geschichten", befürwortet Lohrum eine Sanierung. Auch sieht er gute Chancen, wenn frühzeitig ein mit der Denkmalpflege abgestimmtes Konzept vorliegt, Mittel aus diesem Topf zu bekommen. Doch dämpft er zugleich die Erwartungen: "Es gibt maximal 50 Prozent des durch Denkmalschutz bedingten Mehraufwandes". Aus den Reihen der Besucher kommt, in Erinnerung an das Bürgerengagement zur Rettung des Inselhäuschens, die Anregungen, "Spenden für den Erhalt des Gaushauses zu sammeln".

Autor: Markus Zimmermann