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14. September 2015

Im Schritttempo, stolz und farbenfroh

Auf Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Denzlingen sind am Samstag 50 historische Schlepper und Traktoren unterwegs.

  1. Teils in kleinen, aber auch in größeren Gruppen, säumten Zuschauer den Weg des Bulldog Korso durch Denzlingenund grüßten nicht nur Roland Jund und seinen grünen Dutz des Jahrgangs 1960 Foto: Markus Zimmermann

  2. Gemächlich zog der Bulldog Korso, an dem mehr als 50 historische Schlepper teilnahmen, teils festlich geschmückt seine Runde durch Denzlingens Straßen Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. "Die Entdeckung der Langsamkeit" titelt der 1983 erschienene Roman des deutschen Schriftstellers Sten Nadolny. Eine Überschrift, unter der auch der Bulldogkorso hätte stehen können, an dem auf Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins am Samstag über 50 historische Schlepper und Traktoren teilnahmen. Bei ihrer großen Schleife durch die Straßen Denzlingens liefen die Treckerfahrer selbst in Spielstraßen nicht Gefahr, die zulässige Geschwindigkeit zu überschreiten.

Pünktlich 16.30 Uhr gibt der Vorsitzende Joachim Müller-Bremberger das Zeichen, die Motoren der alten Landmaschinen, die sich in der Straße "Im Brühl" beim Recyclinghof aufgestellt haben, zu starten. In den folgenden eineinhalb Stunden wird das hämmernde Stakkato der Zylinder den Fahrzeuglindwurm schon ankündigen, bevor das Führungsfahrzeug, ein Fendt F 12 GH, Jahrgang 1953, den die Mitglieder des organisierenden Vereins restauriert haben, zu sehen sein wird, und es wird noch lange nachklingen.

Müller-Bremberger selbst schwingt sich, als der Zug sich gemächlich in Bewegung setzt, in den Fahrradsattel und ist fortan immer ein bisschen voraus, um an wichtigen Kontenpunkten, mit leuchtender Warnweste bekleidet, den Verkehr zu regeln. Die meisten der ausgebremsten Verkehrsteilnehmer bringen die Geduld mit, das Defilee der bunten Fahrzeuge abzuwarten. Manche scheinen die unerwartet geschenkten Ruheminuten sogar zu genießen. Anderen ist die Ungeduld förmlich anzusehen und einen Motorradfahrer hält es nicht. Die Entdeckung der Langsamkeit ist ihm zuwider und kurzerhand braust er mit heulendem Motor über den Gehsteig.

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Die Teilnehmer lassen sich dadurch und von Fahrzeugen, die sich für kurze Passagen einreihen, nicht aus der Ruhe bringen. Wie denn auch, klingt doch der ruhige Takt ihrer Fahrzeuge fast schon meditativ und über weite Strecken ganz unaufgeregt. Da passt, dass der Tacho Betriebsstunden und nicht Kilometer zählt. Selten muss geschaltet werden, wird die Drehzahl erhöht. Nur selten kommt der Zug zum Stoppen. Zumeist bremst ihn der Verkehr aus, den Müller-Bremberger noch schnell durchwinkt. Nur einmal versagt kurzfristig, bis Hilfe von einem der hinteren Traktoren kommt, die Schaltung am Führungsfahrzeug.

Zuschauer freuen sich an dem bunten Zug

Im Schritttempo geht es durch die Straßen, und die sind gesäumt von Zuschauern, die sich an dem bunten Zug freuen. Manche haben Campingstühle auf den Gehsteig gestellt, stellenweise gibt es kleinere und größere Gruppen. Dafür, dass der Fahrzeuglindwurm farbenfroh ist, sorgt schon die große Zahl der herausgeputzten Fahrzeuge. Viele sind liebevoll restauriert und erwecken in ihrem leuchtenden Lackkleid den Eindruck, frisch aus dem Werk zu rollen. Andere dagegen tragen stolz die Spuren eines intensiven Arbeitslebens und stellenweise Rostrot. In bedecktem Farbkleid kommt auch der Oldie daher, schwarz ist der wuchtige Hanomag R 40 von Bernhard Stratz des Jahrgangs 1949.

Darüber hinaus sind manche Fahrzeuge von ihren Besitzern geschmückt. Sonnenblumen, an den Streben der Überrollbügel festgebunden, leuchten gelb wie auch so manche Badnerfahne, Ladeflächen zieren Kürbisse und von einem Hänger grüßt aus dem Mais der Welschkorngeist – die Narrenfigur der örtlichen Zunft.

Die Teilnehmer selbst tragen Arbeitsmontur, vielfach aber auch Lederhosen, Dirndl und Strohhüte. Auf den Arbeitsmaschinen fahren viele Passagiere mit, auf Anhängern haben es sich Kinder und Erwachsene bequem eingerichtet.

Bequem, das muss es schon sein, denn der hämmernde Takt der Kolben setzt sich in einem permanenten Vibrieren des ganzen Fahrzeugs fort. Die Fahrer haben mehr oder wenig gut gefederte Sitze – dennoch: Traktorfahren, das ist auch Dauermassage, die am Tag drauf noch zu spüren ist.

Autor: Markus Zimmermann