Bürgerinitiative

In Denzlingen hat sich eine Gegenbewegung zur AfD gegründet

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Di, 25. Juli 2017 um 11:07 Uhr

Denzlingen

In Denzlingen haben rund 15 politisch Aktive die überparteiliche "Bürgerinitiative für Toleranz und Demokratie" gegründet – als Gegenbewegung zur AfD.

Den Menschen verdeutlichen, was sie wählen, wenn sie ihr Kreuzchen bei der AfD machen: Das haben sich rund 15 politisch Aktive rund um den in Denzlingen wohnenden früheren Europa- und kurzzeitigen SPD-Bundestagsabgeordneten Dietrich Elchlepp vorgenommen. Gegründet haben sie deshalb nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg die "Bürgerinitiative für Toleranz und Demokratie", als "Gegengewicht zur einer Politik der Angstmacherei".

"Wir wollen nicht belehren, geschweige denn missionieren." Dietrich Elchlepp
"Wir wollen nicht belehren, geschweige denn missionieren", erklärt der 1938 in Freiburg geborene Elchlepp. Letzteres sei auch gar nicht möglich, weil die Initiative ein überparteiliches Bündnis ist. Allen gemeinsam ist der Grundgedanke, dass Angst ein schlechter Ratgeber und es deshalb notwendig ist, zum Nachdenken über die AfD-Positionen anzuregen. Sich argumentativ mit den Positionen der Rechtsaußen-Partei auseinanderzusetzen ist für die Initiatoren "die glaubwürdigste, wenn auch sehr mühsame Art, diesen entgegen zu treten".

Nicht "auf die Nazi-Geschichte reduzieren"

Es sei falsch, die AfD auf "die Nazi-Geschichte zu reduzieren", so Elchlepp. Vielmehr müsse den Wählern vermittelt werden, was die Umsetzung der AfD-Ziele für Auswirkungen auf ihren Alltag habe.

So beispielsweise, dass im Entwurf des Grundsatzprogramms der Partei die Abschaffung der Unfallversicherung und Berufsgenossenschaften gefordert werde. "Damit verlieren Arbeitnehmer einen wesentlichen Baustein ihres Schutzes", so Elchlepp. Potenziellen Wählern müsse dies klar gemacht werden, so wie auch Frauen klar sein müsse, dass die AfD ein Frauenbild pflege, das sie verstärkt auf die Rolle der Mutter reduziere.

Der Bürgerinitiative gehe es um die Aufklärung der Unentschlossenen und solcher Wähler, die versucht sind, aus Protest ihr Kreuz bei der "vermeintlichen Alternative" zu machen. "Was wir machen ist Aufklärung, ist Volksbildung", so Elchlepp.

Damit diese ans Volk kommt, wollen die Initiatoren nicht nur selbst auf die Straße gehen, sondern sie stellen ihr Material allen Interessierten auf der Website www.toleranz-und-demokratie.de zur Verfügung. Wer möchte, kann sich dort Texte kopieren und Plakatvorlagen herunterladen.



Wie oft das schon passiert ist, das können die Initiatoren nicht sagen. "Wir verifizieren nicht, wo unsere Flugblätter ausgelegt, unsere Plakate aufgehängt werden", so Elchlepp. Jedoch gebe es schon sehr viele positive Rückmeldungen aus der gesamten Bundesrepublik. Dass die Initiative sich nach der Bundestagswahl auflösen könnte, sieht Elchlepp heute noch nicht. "Mit der Wahl verschwinden die Ideen, denen sie sich entgegenstellt, sicher nicht", ist er sicher. Ganz entscheidend sei im Kampf für den Erhalt einer toleranten und demokratischen Gesellschaft, souverän zu agieren und nicht in Panik zu verfallen.