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25. August 2011

Knochenfunde auf Mauracher Berg

Neue Erkenntnisse über die frühe Geschichte von Denzlingen und Maurach / Denzlinger Chronik erscheint später als geplant.

  1. Sehr gut erhalten ist dieser Schädel, den die Studenten der Archäologie bei der St. Severin Kapelle gefunden haben Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Nicht mit heißer Nadel stricken wollen die Autoren den ersten Band der Denzlinger Chronik, nur um den ursprünglich anvisierten Veröffentlichungstermin zu halten. "Wir sind es uns, den Interessierten und auch der Nachwelt schuldig, dass wir sorgfältig statt schnell arbeiten und aktuelle Erkenntnisse möglichst noch mit einfließen lassen", erklärt Dieter Ohmberger. Tagesaktuell ist der Fund von menschlichen Knochen und Schädeln bei den Ausgrabungen auf dem Mauracher Berg.

"Wir können nicht umhin, diese Funde mit in die Chronik aufzunehmen", so Dieter Geuenich. Doch das bedeutet auch, dass der vorgesehene Veröffentlichungstermin des ersten Bandes nicht eingehalten werden kann. "Zur Kulturwoche im Oktober werden wir das nicht mehr schaffen", ist Geuenich sicher. Selbst wenn das Autorenduo von morgens bis abends tätig sein sollte. So wird der erste Teil der Chronik, nachdem der zweite Teil, der die Geschichte der Storchenturmgemeinde von 1648 bis 1948 dokumentiert, im März 2010 vorgelegt worden war, noch etwas auf sich warten lassen.

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"Wir hatten uns mit Bürgermeister Lothar Fischer geeinigt, erst die Epochen, die in der Jubiläumsschrift zur 1000-Jahr-Feier im Jahr 1984 weniger berücksichtigt worden waren, zu behandeln", erklärt Geuenich die auf den Kopf gestellte Reihenfolge. Der mittlerweile emeritierte Professor für Geschichte des Mittelalters hatte damals die Gesamtredaktion der Festschrift übernommen.

Deren Inhalt muss nun durch neue Erkenntnisse ergänzt und korrigiert werden. "Gegenüber 1984 ergibt sich manch neue Sicht auf die Dinge", so Geuenich. So gebe es auch dank neuester Technologie weiterführende Erkenntnisse. Zwar waren damals schon Funde aus dem 2. Jahrhundert nach Christus bekannt, die den Römern zugeordnet werden konnten. Dass am Fuß des Mauracher Berges zu dieser Zeit jedoch ein ummauertes Gehöft gestanden hat, das der größte bisher bekannte römische Gutshof im Landkreis Emmendingen ist, ergaben erst Georadaruntersuchungen.

Aufgrund solcher Messungen sind zudem Studenten der Archäologie damit befasst, der St. Severins-Kapelle auf dem Berg durch Grabungen so manches Geheimnis zu entlocken. "Es wurden Knochen zahlreicher Menschen gefunden, die jedoch nicht bestattet wurden", so Geuenich.

Für Grabungsleiter Benjamin Hamm sieht es nach einer Umbettung aus. Für ihn ist jedoch viel bedeutender, dass nach ersten Enttäuschungen jetzt unter den Mauern der St. Severin-Kapelle doch noch Mauern eines früheren Baus gefunden wurden.

Bis Anfang September laufen die Grabungen noch und die endgültigen Ergebnisse sollen am 31. August um 16 Uhr der interessierten Bevölkerung vorgestellt werden.

Entgegen früherer Erkenntnisse sei mittlerweile auch klar, dass es neben der Denzlinger Historie auch einen parallelen, aber getrennten Geschichtsstrang zu Maurach gebe, betont Historiker Geuenich. Bei der intensiven Suche nach historischen Quellen, die immer schwieriger werde, je weiter in der Zeit rückwärts gesucht wird, wurde eine Urkunde gefunden, die schon 962, also 22 Jahre vor der Ersterwähnung Denzlingens, die Existenz von Maurach belegt. Auch zur Michaelskirche und zum Storchenturm gebe es zudem neue Erkenntnisse. Der Chronik erster Teil werde für Geschichtsinteressierte sicher eine ebenso spannende Lektüre, wie der zweite Band, sind sich die Autoren heute schon sicher: "Bis zum Jahreswechsel hoffen wir, dass er vorliegen wird".

Autor: Markus Zimmermann