"Musikalisch immer besser werden"

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Sa, 12. November 2016

Denzlingen

Klavierabend mit Timur Gasratov im Kultur- und Bürgerhaus: Der Pianist hat eine besondere Beziehung zu Denzlingen.

DENZLINGEN. Der Pianist Timur Gasratov gastiert am Samstag im Kultur- und Bürgerhaus innerhalb der Konzertreihe des Denzlinger Kulturkreises, der sein 50-jähriges Bestehen und 25 Jahre dk-Konzerte feiert. So wie das Dreisam-Trio fraglos mit der Geschichte der Konzertzyklen zu verbinden ist, so gilt das etwas abgeschwächt auch für Gasratov.

Als Schüler von Professor Michael Leuschner war der junge Student mitbeteiligt an einem "Tastenfest" der Klavierklasse Leuschners. Eine Zuhörerin schlug dem Studenten daraufhin vor, dass er während des Studiums ganz umsonst bei ihr wohnen könne. "Dafür bin ich ihr absolut dankbar, ich konnte mich voll und ganz nur der Musik widmen", sagt Gasratov. Seitdem habe er auch eine Oma in Denzlingen – eine Oma im übertragenen Sinne, denn die Gastgeberin hatte sich so genannt. Aus dem Kontakt ist eine herzliche Beziehung geworden. Die Dame soll inzwischen 98 Jahre alt sein, angeblich komme sie auch zum Konzert, weil sie vor allem Schubert unglaublich liebe.

Nach dem Solistenstudium in Freiburg konnte Timur Gasratov ab Oktober 2006 ein Aufbaustudium Kammermusik in Saarbrücken bei "der fantastischen Professorin Tatevik Mokatsian" anschließen. Gasratov erwähnt gerne, dass sie selbst bei Professor Michael Leuschner in Freiburg studiert habe. Leuschner bleibt für ihn ein wichtiger erfahrener Mentor, zu dem eine vertrauensvolle, intensive Beziehung bestehe. Parallel zu diesem Werdegang sind die Auftritte in Denzlingen zu nennen: 2005 ein Klaviersolo-Abend, 2006 und 2008 Auftritte in verschiedenen Kammermusikensembles. Inzwischen spielt Timur Gasratov Kammermusik mit dem von ihm gegründeten Walter-Gieseking-Trio ausschließlich zum Spaß bei gelegentlichen Auftritten. Seit zwei Jahren lebt der Pianist in Stuttgart, beruflich steht die Verbindung in die Regio fest auf einem Bein durch einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik in Freiburg.

Daneben konzertiert er 2016 und 2017 innerhalb der Reihe "Weltklassik am Klavier". Gasratov beurteilt für sich die Reihe als die perfekte Möglichkeit für Pianisten, jedes Jahr ein neues Programm etwa 20 Mal in verschiedenen Städten Deutschlands und im Ausland vorzuspielen. 2016 ein reines Chopin-Programm, für 2017 ist schon ein anderes Programm geplant. Erfahrungen im Konzertieren, die er durch diese Reihe machen kann, beurteilt Gasratov als einmalig und unersetzlich. Und von der Geographie her sei es heute ziemlich egal, wo man spiele: In drei Tagen könne man auf den Kanaren, in Holland und in der Schweiz spielen.

Für das Denzlinger Konzert (er formuliert ein großes Dankeschön für die glänzende Organisation an Gabriele Kniesel) hat er sich richtig Zeit zur Vorbereitung genommen. Erstens, "weil ich praktisch zu Hause spiele und allein deswegen ist der Anspruch an mich selbst schon sehr hoch und voller Verantwortung". Er rechnet mit Zuhörern, die zum Teil seit 2003 schon immer da sind. Zweitens bereitet er für Denzlingen ein anderes Programm vor, das sich von dem laufenden "Weltklassik"- Konzertprogramm total unterscheidet. Da ist extra Zeit nötig. "Ich finde es allgemein gut, zwei bis drei Soloprogramme gleichzeitig im Repertoire zu haben, somit habe ich immer genug Abwechslung für jede Stimmung, Laune und Ambiente." Das entspricht auch seiner Antwort auf die Frage nach seiner beruflichen Perspektive: "Musikalisch immer besser werden durch Fleiß und tägliches Bemühen um klangliche Fantasie."

Neugierde und Vorfreude auf eine nächste Begegnung mit Timur Gasratov und Schubert, Rachmaninow und anderen beim Klavierabend sind geweckt.

Klavierabend am Samstag, 12. November, 20 Uhr, im Kultur- und Bürgerhaus in Denzlingen. Weitere Informationen unter http://www.denzlinger-kulturkreis.de