Närrische Annäherung der Kulturen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 24. Februar 2017

Denzlingen

Im Denzlinger Begegnungscafé werden Flüchtlinge mit Fasnachtsbräuchen konfrontiert.

DENZLINGEN (BZ). Im Advent war das Weihnachtsfest ein Thema im Denzlinger Begegnungscafé, in dem sich Einheimische und Flüchtlinge regelmäßig treffen, in diesen Tagen ging es nun darum, was es mit der Fasnet auf sich hat. Zum Chai-Tee aus dem Samowar gab es deshalb Berliner, Scherben und andere typische Köstlichkeiten. Ballons und Luftschlangen durften natürlich auch nicht fehlen. Als die Mitarbeiter den Raum fasnächtlich schmückten, machte schnell unter ihnen die Botschaft die Runde, dass auch die Welschkorngeister vorbeikommen würden.

Da die Flüchtlinge bei verschiedenen Vereinsfesten mitgeholfen haben, zum Beispiel bei Auf- und Abbau oder Geschirrtransport, war es den Welschkorngeistern ein Bedürfnis, bei der Fasnachtsfeier im Begegnungscafé vorbeizuschauen. Sie nutzten ihre guten Kontakte zu den Schneesturmhexen und konnten diese animieren, in kleiner Abordnung ebenfalls anzutreten. Eine "Hexe" war gar in Doppelfunktion da, weil der Hästräger gleichzeitig in der Denzlinger Guggemusik aktiv ist.

Hauptsache "Narri, Narro"

Anfangs noch zögerlich, aber dann immer begeisterter wurden die bereitgestellten Kostüme und Requisiten in der Kleiderkammer genutzt und zuletzt sogar im Fünf-Minuten-Rhythmus gewechselt. Auch das Polonaise-Tanzen war bestimmt etwas Neues im Leben der neuen Mitbürger. Als schließlich die Zünfte eintrafen, erklärte der Oberzunftmeister der Welschkorngeister, Michael Heizmann, die Tradition der Fasnacht und erzählte in alemannischem Dialekt von den verschiedenen närrischen Gruppierungen in Denzlingen. Auch wenn wahrscheinlich von den Flüchtlingen nicht jedes Wort verstanden wurde, hat doch jeder verstanden, dass zur Fasnet "Narri, Narro" gerufen werden muss.

Als dann arabische Tanzmusik erklang, mischten sich die Kulturen: Die hiesigen Narren tanzten zusammen mit den Flüchtlingen im Kreis. Dann wurde das Fliegerlied gespielt – und jeder im Raum war plötzlich "stark wie ein Tiger und groß wie eine Giraffe". Alles in allem sei es ein lustiges Annähern der Kulturen gewesen, wie man es sich während der Vorbereitungen nicht erträumt habe, berichtet das Team des Begegnungscafés.