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19. Januar 2011 19:55 Uhr

Industriedenkmal

Rocca-Turbine ist weg – Schrottdiebe am Werk?

Seit 1912 hat sie Strom erzeugt, zuletzt im Werk der Rocca KG. Nun ist die Turbine verschwunden. Der Verdacht. Statt eines würdigen Platzes auf dem Rocca-Areal droht dem Industriedenkmal nun die Schrottpresse.

  1. Die Turbine des Rocca-Werks ist verschwunden. Foto: Repro: Zimmermann

Eigentlich hätte die ehemalige Turbine, die bei der Rocca bis Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts für Strom sorgte, nach ihrer Restauration noch in diesem Jahr dort einen würdigenden Platz finden sollen. Doch als Manfred Wössner vom Heimatverein vergangene Woche das gute Stück auf dem Lagerplatz am Mattstein suchte, war es nicht mehr auffindbar. Mittlerweile geht der Heimatverein davon aus, dass Schrottdiebe sich für die Tonnen schwere Maschine interessierten und sie von dort gestohlen haben.

"Wir sind sehr enttäuscht", so Joachim Müller-Bremberger, der Vorsitzende des Heimatvereins. Auch wenn der Verein eine Belohnung, "die über dem Schrottwert liegt", für das Wiederauffinden aussetzen will, sei keineswegs sicher, dass es nicht schon zu spät und die Turbine längst im Schmelzofen gelandet ist. Dort hätten sie andere sicher schon länger hingebracht. Doch dem Heimatverein war es wichtig, dieses "bescheidene Relikt der Industriegeschichte Denzlingens" zu erhalten und zu präsentieren.

"Wir hatten ernsthaft vor, die Turbine witterungsbeständig herzurichten und vor der Rocca zu präsentieren, ergänzt durch eine Hinweistafel mit Erläuterungen", so Müller-Bremberger. Die Vereinsmitglieder hätten schon eifrig die Geschichte der Turbine recherchiert und dabei sei herausgekommen, dass sie von der Vorgängerfirma der Eisen- und Hammerwerke Teningen (EHT), also in der Region gebaut worden war. "Unter anderem, weil sie hier hergestellt wurde, war die Turbine vom der keineswegs seltenen Bauart Franzis auch für das Landesdenkmalamt interessant", erklärt Müller-Bremberger. Obwohl sie "sehr ramponiert gewesen ist".

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Im Haushalt des Heimatvereins sei eine Summe für die Restauration eingeplant gewesen, betont Müller-Bremberger, dass die Turbine 2011 auf einen Sockel bei der Rocca versetzt werden sollte. Das wäre passend zur Wasserthematik gewesen, denn in diesem Jahr feiert die Gemeinde 100 Jahre Wasserversorgung. Seit 1912 erzeugt die Turbine der Zigarrenfabrik Möllinger, die durch die Glotter angetrieben wird, den ersten elektrischen Strom im Ort.

Vor 99 Jahren lieferte Turbine ersten Strom im Ort

"Ausgebaut worden war die Turbine, die mit dem Ende der Zigarrenproduktion in der Rocca 1960 außer Dienst gestellt wurde, gut zehn Jahre später", erinnert sich Manfred Wössner. Der damalige Bauhofchef hatte früh den historischen Wert erahnt und das Stück im ehemaligen Klärwerk am Mattstein gelagert. Dort war es auch wieder abgelegt worden, nachdem es zwischenzeitlich auch schon im Heimethues abgestellt worden war. "Im eingezäunten Gelände lag sie aber wohl so nah am Zaun, dass sie die Aufmerksamkeit von Langfingern erweckte und diese das schwere Stück mit Lastwagen und Kran über den Zaun hinweg vom Gelände angelten", vermutet der ehemalige Bauhofleiter. Wann dies geschah, sei nicht definitiv klar. "Wir werden bei den regionalen Schrotthändlern nach dem Verbleib fragen und auch bei den badischen Stahlwerken", so Müller-Bremberger. Die Diebstahlsversion hält er für sehr realistisch, zumal es in der Region kein Einzelfall sei. Dennoch, fragt er sich, ob es nicht noch eine andere Erklärung dafür gibt, dass die Turbine offensichtlich unbemerkt verschwinden konnte. Wann sie mit Sicherheit zuletzt noch auf dem Gelände lag, sei jedenfalls offen. Die Hoffnung hat er aber noch nicht aufgegeben, dass das historische Stück doch noch an den Platz kommt, an dem es nach Ansicht des Heimatvereins die gebührende Aufmerksamkeit bekommt.

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Autor: Markus Zimmermann