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25. März 2015

Saxophon und Violoncello zu Erdbeergratin

Sechstes musikalisch-kulinarisches Drei-Gänge-Menü im Denzlinger Storchenturm mit Christine Rall und Juris Teichmanis.

  1. Christine Rall Foto: Helena Kiefer

DENZLINGEN. Das "Musikalische Drei-Gänge-Menü: Nr. 6 – Saxophon trifft Erdbeergratin" war ein ganz besonderes Konzert, das Daniel Böhler vom Heimatverein kürzlich in Denzlingens Storchenturm organisierte. Als "eine Ausnahmesaxophonistin und ein gefragter Kammermusikpartner" wurden die Musiker des Abends – Christine Rall und Juris Teichmanis – angekündigt. Saxophon und Violoncello sind eine seltene Kombination, doch den beiden Musikern gelang es mit einem außergewöhnlichen Programmmix ein stimmiges Konzert zu zaubern.

Nach einem Willkommenssekt in der Rebstock-Stube luden Rall und Teichmanis zu einer musikalischen Vorspeise ein: "Melodies for Saxophone" von Philip Glass wechselten sich mit Johann Sebastian Bachs Duetto I, IV und III ab. Das Saxophon begrüßte aus der für das Publikum unsichtbaren Sakristei des Storchenturms. Eine leichte, wiegende Melodie tönte sanft in den Raum. Erstaunen über die weichen und leisen Töne machte sich breit, ist doch das Saxophon meist bekannt als tönendes Soloinstrument im Jazz oder als Orchesterinstrument einer Bigband.

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In den Melodies von Philipp Glas ist die Saxophonistin zu Hause, denn sie bildeten die Grundlage für ein Saxophonkonzert, welches ursprünglich von Glass für das Raschèr Saxophone Quartet komponiert wurde und von diesem weltweit über 300 Mal aufgeführt wurde. In diesem Quartett ist Christine Rall seit 2002 Mitglied und tritt mit ihm jährlich in den wichtigsten Konzertsälen Europas, Asiens und der USA auf. Ihren Konzertpartner lernte sie bei einem Konzert in Freiburg kennen: "Unabhängig dachten wir beide, hoppla, das klang aber toll", erzählte Juris Teichmanis. Der Freiburger Violoncellist ist ebenfalls weltweit unterwegs und außerdem künstlerischer Leiter des Freiburger Festivals "Bach pur".

Nach einer kulinarischen Vorspeise mit "Variationen vom Kalb" in der Rebstock-Stube ging es für die 58 Besucher wieder in den Storchentum, wo die musikalische Hauptspeise wartete: warme Cellotöne aus der Prélude aus der "Cellosuite Nr. 2" von Bach ertönten. Sie eröffneten den zweiten Konzertabschnitt, ganz nach dem Charakter der Prélude. Gemeinsam spielten Rall und Teichmanis eine Sonate von Edison Denisov.

Etwas schwer ging die Musik Denisovs ins Ohr, denn Vierteltöne ließen die Musik dissonant klingen. Aufgeregte Läufe wechselten sich ab mit kurzen Pausen, die auch dem Publikum einen kurzen Moment des Luftholens gewährten.

Es war keine leichte Kost, was die beiden Musiker im Hauptteil des Konzerts präsentierten. Doch erlaubte der besondere Konzertrahmen auch Experimentierfreude. Auch bei Denisovs Sonate klang das Saxophon fast fremd, eher wie seine Verwandten der Holzblasinstrumente. Dramatik entwickelte sich, als sich sowohl das Saxophon als auch das Violoncello musikalisch in die Höhe schraubten. "Als ich die Augen schloss, dachte ich, ich würde eine Geige hören", so ein Besucher beim Hinübergehen in die Rebstock-Stube.

Seeteufel mit grünem Spargel oder Lamm mit einer Bärlauchschmelze erwarteten die Besucher des Musikalischen Drei-Gänge-Menüs. Das Team um Adolf und Axel Frey übertraf sich dabei selbst. Der ungewöhnliche Konzertrahmen bot auch die Gelegenheit zu Gesprächen mit den Musikern. Den dritten und letzten Konzertteil griff Rall zu ihrem Sopransaxophon. Die "Tre pezzi" von Giacinto Scelsi sind vom Buddhismus inspiriert. Der Ton des Saxophons schien von überall herzukommen und durchdrang den ganzen Raum.

Begeisterung sprach nicht nur aus dem Applaus des Publikums im Storchenturm, sondern auch aus den Worten Christine Ralls: "Mir hat die Konzertidee von Herrn Böhler ausgesprochen gut gefallen. Die eingeschworene Zuhörergemeinde, das hervorragende Essen, der unglaublich stimmungsvolle Raum – wirklich gelungen."

Autor: Helena Kiefer