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09. August 2012

Schicht für Schicht in die Geschichte

Archäologen suchen auf dem Mauracher Berg nach historischen Geheimnissen – und informieren Interessierte über ihre Arbeit.

  1. Rund 30 Interessierte informierten sich gestern über den Stand der Ausgrabungen auf dem Mauracher Berg. Dabei wurden ihnen von den Grabungsleitern, hier Jens Reinecke (rechts), in Gruppen die einzelnen Grabungsflächen vorgestellt Foto: Markus Zimmermann, Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Die Hoffnung ist groß bei den Archäologiestudenten und ihrem Professor, die Ende Juli die Grabungen bei der St. Severin Kapelle auf dem Mauracher Berg wieder aufgenommen haben. Lassen doch eine 2011 schon gefundene Mauerstruktur nahe des erhaltenen Portals der Kapellenruine und spätmittelalterliche Gräber erwarten, dass hier bereits vor der kleinen, 1497 erbauten Wallfahrtskirche, größere Gebäude standen. Doch nach zehn Tagen ist noch nicht viel Überraschendes zu Tage gebracht worden.

An gleich mehreren Grabungsstellen konnten gestern Nachmittag rund 30 Besucher auf dem Mauracher Berg in Augenschein nehmen, wie die Archäologen nach den Zeugnissen der Vergangenheit suchen. Aufgegeben ist schon nach kurzer Zeit der Schnitt im nördlichen Hangbereich des Plateaus, denn dort wurden keine nennenswerten Strukturen gefunden. "Wir hatten aufgrund der Geländeform erwartet, hier auf ältere Bebauung zu stoßen", erklärt Jens Reinecke, warum ein etwa 1,5 Meter breiter Graben gut zehn Meter den Hang hinunter gezogen wurde. Die Form der Kuppe, auf der die Kapelle steht, sei typisch für eine künstliche Aufschüttung. "Steile Hänge und ein Absatz im nördlichen und westlichen Bereich ließen uns den Eingriff von menschlicher Hand in die Geländestruktur vermuten", so Reinecke, der gemeinsam mit Benjamin Hamm die Grabungen der Studenten von Sebastian Brather leitet. Erwartet wurden Reste einer Umfassungsmauer oder gar von Gebäuden, freigelegt wurde eine Grube, bei der es sich eindeutig um eine moderne Verfüllung handelt. Nach der Aufgabe dieser Grabungsstelle frei werdenden Kapazitäten konzentrieren sich nun auf die Arretierung inmitten der Kapellenruine. An der Stelle, wo ehemals ein Stützpfeiler in einem Sandsteinsockel stand, wird nun der Boden geöffnet. "Gefunden wurden Überreste einer moderne Feuerstelle", so Reinecke. Das sei jedoch typisch für die ersten Tage solcher Grabungen. "Am Anfang legen wir Schutt und Müll frei, denn die Menschen bis etwa vor 100 Jahren zurückgelassen haben", betont er.

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Nicht anders verhält es sich auch an den beiden anderen Grabungsstellen. Im Innern der Ruine wird dabei ebenso nach der die Fortführung des 2011 schon freigelegten Mauerzuges gesucht wie außerhalb der nördlichen Fassade. An beiden Stellen geht es, wie üblich, nur bedächtig voran, denn Schicht für Schicht müssen detailliert dokumentiert werden. Derweil sich dabei vor der ehemaligen Kirche noch nichts Außergewöhnliches aufgetan hat, wurde in der Kapelle, an der Südwand des Eingangsbereichs, ein Mörtelfundament mit Sandsteinplatte freigelegt. "Möglicherweise ist hier der ehemalige Standort des Steinreliefs, das den Heiligen Severin zeigt und sich heute in der modernen St. Jakobuskirche befindet", so Reinecke.

Ein erster Lichtblick und Motivation genug, um auch in den kommenden Tagen die Grabung fortzusetzen. Denn die Archäologen sind nach wie vor fest davon überzeugt, dass der Platz bei St. Severin, der bereits im 10. Jahrhundert urkundlich erwähnt worden war, noch manches Geheimnis freigegeben kann. "Wenn ein Ort vor mehr als 1000 Jahren schriftliche Erwähnung fand, ist zu erwarten, dass es dort damals mit großer Wahrscheinlichkeit eine feste Bebauung gab", so Reinecke. Dass erneut Gräber gefunden werden, hält Reinecke für ebenso wahrscheinlich aber weniger interessant. "Grabbeigaben werden wir auch dabei kaum finden und eine anthropologische Untersuchung ist zu teuer", erklärt er.

Eine zweite Gelegenheit, direkt vor Ort auf dem Mauracher Berg die Grabungen in Augenschein zu nehmen und die Ergebnisse von den Fachkundigen erläutert zu bekommen, bietet sich Interessierten am Mittwoch, 22. August, um 16.30 Uhr. Die Archäologen hoffen, bis dahin mehr Ergebnisse vorweisen zu können.

Hinweis für Ortsfremde: Der kürzeste Aufstieg zu den Grabungsstellen beginnt hinter dem Mauracher Hof, der östlich neben dem Familienbad "mach blau" liegt. Parkplätze gibt’s am Bad.

Autor: Markus Zimmermann