Kultur

Trio Vivente zeigt beim Konzert in Denzlingen Virtuosität und Spielbegeisterung

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Mo, 26. Februar 2018

Denzlingen

Raum für Gefühle, die Spielbegeisterung der Musikerinnen und gewollt sperrige Klänge hat den Konzertabend am Samstag im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus zu etwas Besonderem gemacht. Das Trio Vivente mit Jutta Ernst (Klavier), Anne Katharina Schreiber (Violine) und Kristin von der Goltz (Violoncello) trat innerhalb der Reihe der Denzlinger Konzerte 2017/18 des Denzlinger Kulturkreises auf.

DENZLINGEN. Raum für Gefühle, die Spielbegeisterung der Musikerinnen und gewollt sperrige Klänge hat den Konzertabend am Samstag im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus zu etwas Besonderem gemacht. Das Trio Vivente mit Jutta Ernst (Klavier), Anne Katharina Schreiber (Violine) und Kristin von der Goltz (Violoncello) trat innerhalb der Reihe der Denzlinger Konzerte 2017/18 des Denzlinger Kulturkreises auf.

2015 gastierte das Trio bereits mit einem rein französischen Programm in Denzlingen, 2017 mit einem Programm von Komponistinnen aus der Romantik in Emmendingen und jetzt mit Haydn, Schubert, Schönberg wieder im Kultur- und Bürgerhaus.

Das ungemein harmonische Miteinander, die Virtuosität, Klangschönheit, Verve und Spielbegeisterung dieses Trios, die einerseits musikantisch robuste, andererseits fein nuancierende Herangehensweise an die Werke haben die jeweilige Zuhörerschaft bereits bei früheren Auftritten begeistert. Und dieses Mal mit der programmatischen Idee "Haydn, Schönberg, Schubert" und der Wiedergabe des Herzstücks des Programms "Verklärte Nacht", op.4 von Arnold Schönberg, in der Bearbeitung für Klaviertrio von Eduard Steuermann.

"Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain" und "zwei Menschen gehn durch hohe, helle Nacht": Was sich zwischen dieser ersten und letzten Zeile des Gedichts von Richard Dehmel abspielt, umfasst ein weites Spektrum an menschlichem Geschick, an Schuld, Verzweiflung, vergebender Liebe, glücklicher Fügung und flankierender romantischer Naturschilderung. Schönbergs programmatische Vertonung lässt eine Beziehung zu den einzelnen Strophen des Gedichtes heraushören.

Die Interpretation durch das Trio Vivente gab den vielfältigen Gefühlen Raum, nuancierte vom fahlen, tonlosen Anfang über die orchestral lauten und sperrigen Klänge für die Schrecken durch Schuldgefühle und Verzweiflung der Frau bis zur glückseligen Verklärung beider im stillen Verklingen.

Die Ausdrucksfähigkeit und Intensität im Spiel von Jutta Ernst, Anne Katharina Schreiber und Kristin von der Goltz nahmen die Zuhörer mit hinein in die Dramatik des musikalischen Geschehens und die ausbrechenden und bewegenden Momente klanglicher Schönheit. Mit dieser Wiedergabe im Ohr und gute hundert Jahre später ist es schwer nachzuvollziehen, dass 1902 nach der Uraufführung im Feuilleton der Wiener Neuen Presse zu lesen war: "Die Aufnahme der Novität war eine geteilte. Viele verhielten sich ruhig, einige zischten, andere applaudierten, im Stehparterre brüllten ein paar junge Leute wie die Löwen."

Die Spielbegeisterung der Musikerinnen teilte sich beim Denzlinger Konzert gleich zu Beginn mit dem Trio von Haydn und nicht streng klassisch mit. Die Herangehensweise verwies schon auf die Romantik – alle Vorhalte, jedwede mögliche Agogik waren ausgereizt. Das Cello spielte seinen Part, der nur wenig von der Bassstimme des Klaviers abgesetzt und eigenständig verläuft, demonstrativ aus.

Mit Schuberts Trio op.99 war dann üppiges, weniger transparentes Spiel gegeben: gleichberechtigt, sich gegenseitig in Klangschönheit und Ausdruckskraft stimulierend, eine "Schubertiade" im besten Sinne, neben melancholischer Stimmung voller optimistischer Klangpower. Das Scherzo lebte von der Leichtigkeit des Spiels, die Unisono-Passagen waren beispielhaft in der klanglichen Homogenität.

Mit einem weiteren Satz aus einer Haydn-Sonate wurden die Zuhörer meisterhaft-klassisch verabschiedet.