Vitale Musik mit vielen Soli

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Di, 01. März 2016

Denzlingen

Der Denzlinger Kulturkreis beschreitet neue Wege mit einer temporeichen "Rhapsody in Jazz" im Kultur- und Bürgerhaus.

DENZLINGEN. Es war ein Novum am Samstagabend, innerhalb des 24. Konzertzyklus’ des Denzlinger Kulturkreises ein Jazzkonzert anzubieten. Die erfreulich hohe Besucherzahl und das ungewöhnlich lebhafte Pausengespräch machten deutlich, wie gut es angenommen wurde. Eingeladen waren Axel Kühn (Saxophon), Helmut Lörscher (Klavier), Bernd Heitzler (Bass), wie Gabriele Kniesel an der Musikhochschule Freiburg tätig, und Daniel Schay (Drums).

"Jazz bedeutet grenzenlos an verschiedene Musikrichtungen heranzugehen – wir sind breit aufgestellt" so Saxophonist Axel Kühn in seiner Moderation. Abwechselnd mit dem Pianisten Helmut Lörscher gab er zu den einzelnen Nummern interessante Hinweise zum Hören, Wiedererkennen und Verstehen des Programms: ein "Crossover", in das dann auch Johann Sebastian Bach, Béla Bartok und Oscar Peterson einbezogen waren und immer wieder George Gershwin, dessen "Rapsody in Blue" mehrfach Bezugspunkte hergab.

Aufhorchen ließen die jeweiligen Intros, in denen verkürzte Akkorde, Rhythmen oder Motive aus den Stücken vorweggenommen oder gänzlich unabhängige Motive vorgeschaltet waren. In der Komposition Axl Roses "For A Blue Lady" nahm das Klavier-Intro ein Motiv vorweg, das während des Stückes lange den Gesang des Saxophons untermalte, quasi als basso continuo präsent bleibt, um dann zum Schluss darin verweilend zu verklingen.

Im Drums-Intro zu "The Man I Love" von George Gershwin wies Daniel Schay, zunächst lediglich mit dem Schlagzeugbesen hantierend, auf die weiche lyrische Stimmung des Songs hin. Dann mit hartem Beat bereitete er den grandiosen Schluss vor, den das Saxophon, Gänsehaut erzeugend, geradezu herausschrie. Wie eng beieinander und aufeinander bezogen die vier Musiker spielten, zeigte sich im gemeinsamen Improvisieren.

Das Prinzip, einzeln oder alle zur gleichen Zeit eine Melodie, einen Rhythmus zu variieren oder gegeneinander zu setzen, war konzentriert umgesetzt. Sie horchten aufeinander, griffen Wendungen voneinander auf, unterhielten sich lebhaft mit Augen, Fingerzeigen, Gesten und immer wieder mit musikalischen oder rhythmischen Einwürfen. Die Zuhörer konnten nachvollziehen, dass Jazz eher eine äußerst vitale Kunstform des Musikers ist als die des Komponisten, dass der Musiker die fixierte oder überlieferte Vorlage zum Arrangement seiner eigenen musikalischen Vorstellung im Moment des Spiels nimmt.

Konsequent war, für die kunstvollen wie freien, spieltechnisch ausgereizten oder energiegeladenen Soli viel Raum zu geben, entsprechend begeisterter Beifall. Faszinierend Bernd Heitzlers virtuoses und klangopulentes Agieren am Kontrabass. Die parallele Melodieführung zu Anfang des von Jaco Pastorius instrumental komponierten "Teen Towns" war von Saxophon und Kontrabass ausdrucksstark und optimal übereinstimmend gespielt. Ein fast klassisches, inspiriertes Miteinander, das im Alleingang des Bassisten, unterstützt akkordisch am Klavier, ruhig weiterlief.

Zum Ende des ersten Sets waren Béla Bartok und der Jazzstandard "Cherokee" zusammengebracht, ein furioses, erregtes Tempo herrschte, das Klavier schien ein weiteres Percussioninstrument zu sein.

An den Anfang des zweiten Sets war ein Arrangement von Helmut Lörscher gesetzt; die gestrichenen Klänge des Kontrabasses ließen aufhorchen ebenso wie die fugenähnlichen Verweise auf Bach. Melancholisch und ruhig eine Ballade nach ausgedehntem Klavier-Intro mit lyrischer Melodie, die vom Saxophon aufgenommen und mit ruhigem Bass und zarten Drums unterlegt wurde. Mit dem Programm wurde ein breites Spektrum an phantasievollem "Crossover" zu Gehör gebracht, eine stimmige, energie- und gefühlsbeladene "Rhapsody in Jazz".

"Wir brauchen Verstärkung auf den letzten Metern ..." damit kündigte Helmut Lörscher die Zugabe an: mit einem sinnlichen "Summertime" von Gershwin (Gesang Gabriele Kniesel) wurden die Zuhörer in die kalte Februarluft verabschiedet.