Von Bulldogs und Barbieren

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mo, 11. September 2017

Denzlingen

Zwei Tage Programm des Heimat- und Geschichtsvereins rund um das Heimethues in Denzlingen.

DENZLINGEN. Knatternde Motoren, Hämmern und Sägen, das Knallen von Peitschen, aber auch konzentrierte Ruhe kennzeichneten die Geräuschkulisse des zweitägigen Programms, das der Heimat- und Geschichtsverein am Wochenende auf dem Platz rund um das Heimethues im Unterdorf veranstaltete. Kontrast pur zwischen Pferdestärken und feinfühliger Handhabung von scharfen Rasiermessern.

Bulldog-Parade am Samstag, das hat was von Langsamkeit, bedächtiger Fortbewegung. Dass es dabei dennoch ein "zu langsam" geben kann, war der Teilnehmerliste zu entnehmen. Mit acht Pferdestärken als zu langsam wurde darin der von den Organisatoren restaurierte Ladog des Baujahres 1960 kategorisiert und ausgeschlossen. So musste das einzige Fahrzeug mit einer Leistung im einstelligen Bereich beim Heimethues warten, bis sich der aus 55 Traktoren bestehende Lindwurm nach seiner Rundfahrt bei ihm einfand. Überwiegend Denzlinger hatten sich mit ihren Fahrzeugen (Baujahr des ältesten: 1941) gut eine Stunde vorher zur Tour durch den Ort aufgemacht, die auf elf Kilometern vom Unterdorf bis in die Neubaugebiete im Heidach und zurück zum Heimethues führte. Auch Teilnehmer aus Reute, Vörstetten, Buchholz und Freiamt präsentierten ihre knatternden und gelegentlich heftig rauchenden, rollenden Untersätze. Der Kraftprotz unter ihnen: ein 110 PS starker John Deere des Jahrgangs 1972. Fahrer und Fahrzeuge herausgeputzt, erregten reichlich Aufmerksamkeit. Stellenweise hatten es sich Zuschauer sogar mit Gartenstühlen bequem gemacht. Dass sie über diesen Regenschirme öffnen mussten, tat der Freude wenig Abbruch. Wer den Fahrzeugen einmal unter die Haube blicken oder auf dem Fahrersitz Platz nehmen wollte, konnte beim anschließenden Fahrerlager beim Heimethues tun, oder aber bei der Ausstellung der Fahrzeuge am Sonntag.

Im Mittelpunkt stand gestern das Handwerk der Barbiere. Vom späten Vormittag an hatten die Künstler im Umgang mit den scharfen Klingen alle Hände voll zu tun, zumal nach dem Lesen des Programms manch ein Festbesucher schon tagelang seinen Bart hatte stehen lassen. 40 bis 50 Bärte stutzte das Team rund um den Waldkircher Marco Holz. "Wellness für den Herrn", betonte er, und dass es längst nicht nur um Körperpflege gehe, sondern eine Rasur durchaus auch einen meditativen Aspekt habe. Dass dabei Neugierige zuschauten, ließ sich für die Männer auf den Sesseln bei einem Schluck Whisky leichter ertragen.

Scharf, aber gezackt, ging es beim Programm für die jungen Festbesucher zu, die aus Holzteilen kleine Schiffe basteln durften. Eifrig wurde gesägt und sichtlich erkannte auch manche Mutter das Bastlerherz in sich. Die Werktische waren dicht umlagert, ebenso die Drechselmaschinen, an denen kleine Kreisel, sogenannte Danzknöpfle hergestellt wurden. Beschaulicher ging es im alten Heimatmuseum zu, wo auch die neu gestaltete, historische Küche präsentiert wurde. Viele kleine Besucher waren besonders von der Schlafstube mit Kinderwiege begeistert. Die sechsjährige Talia war aber doch froh über ihr Zimmer zuhause. "Das ist viel bunter."