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14. September 2012

Von Kirche zu Kirche

Ortshistoriker Ohmberger führt zur Josefs- und Georgskirche.

  1. Einblicke in die katholische Josefskirche (links) gab es in Denzlingen ebenso wie in die evangelische Georgskirche (rechts), deren Turmhelm laut Dieter Ohmberger (Mitte) einzigartig ist. Foto: Jacqueline Grundig (2)/Frank Kiefer

  2. Foto: Jacqueline Grundig

  3. Foto: Frank Kiefer

DENZLINGEN. Die Geschichte von historischen Gebäuden im eigenen Dorf erfahren – das ist die Idee des bundesweiten Tages des offenen Denkmals. Denzlinger Bürger nutzten die Gelegenheit, sich von Ortshistoriker Dieter Ohmberger über Geschichte, Bauweise und Inneneinrichtung informieren zu lassen.

"Versetzten Sie sich zurück und stellen Sie sich vor, es sei September 1912. An dieser Stelle befindet sich eine Baustelle. Das Material wurde mit Fuhrwerken hertransportiert", beginnt Dieter Ohmberger seine Führung an der katholischen St. Josefskirche. Diese sei ein Stück Denzlinger Geschichte und ein Zeugnis von wachsender katholischer Gemeinschaft. Etwa 20 Personen lauschten neugierig dem engagiert sprechenden Ortshistoriker. Die Kirche St. Josef stand ursprünglich als St. Bonifatiuskirche in Emmendingen und wurde Stein für Stein nach Denzlingen abgetragen. "Ohne Dr. Friedrich Justus Knecht, Vorsitzender des Bonifatiusvereins und strenger Katholik, wäre das nicht möglich gewesen", erläuterte hierzu der Heimatforscher und Kulturpreisträger. Knecht habe Mitleid mit den wenigen Katholiken in Denzlingen gehabt. Der Grundstein der St. Josefskirche wurde am 21. Juli gelegt. Dies sei nur durch den Zusammenhalt der wenigen Katholiken damals zustande gekommen: "Man bedenke wie viel Herzblut und Schweiß da dahinter steckt. Hier war Eigenleistung gefordert", betont Ohmberger, dessen eigener Urgroßvater beim Aufbau vor rund 100 Jahren beteiligt war. Als Maurer hat er umsonst mitgeholfen. "Mein Herz ist deswegen mit der Kirche verbunden", klärt Ohmberger. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war Denzlingen rein evangelisch . "Eine Hochzeit von Denzlingern mit Glottertälern war damals nicht üblich. Mittel besaßen die Katholiken bei der Errichtung der Kirche wenig. Viele Gegenstände der Inneneinrichtung wurden gespendet so wie das Kreuz.Die Gründung der `Pflegschaft St. Josef` 1983 und schließlich der Stiftung 2006 brachte die Rettung: "Ohne die wäre das nicht möglich gewesen".

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Seit 14 Jahren schon trägt der gelernte Maschinenbauer mit Professor Dieter Geuenich aus Freiburg die Ortschronik von Denzlingen zusammen. Nur einige hunderte Meter weiter steht die evangelische Georgskirche. "Hier ist die Geschichte wieder eine ganz andere". Diese wurde bereits im Jahr 1302 erstmals erwähnt. Zu dieser Zeit soll sie aber schon 200 Jahre gestanden haben. "Wo wir jetzt stehen, sind Jahrhunderte alte Gräber", eröffnet der Ohmberger auf dem Hof die Führung. Auch im Inneren der Kirche, im Chor, dem ältesten Teil der Kirche, befand sich ein Friedhof. Vor allem Freiherren und Gutsherren seien hier begraben. Die Gruppe bemängelte, dass keinerlei Namen auf den Steinen vermerkt sind. Ohmberger zeigt den 500 Jahre alten Grabstein eines Pfarrers und die alten Fenster und Türen, von denen noch deutlich die Umrisse zu sehen sind. "Es war früher ein sehr kleines Kirchle mit einem massiven Turm". Das Langhaus war ursprünglich nur neun Meter lang und wurde 1756 auf seine heutige Größe erweitert. Weiter geht es viele schmale Treppenstufen hinauf zum nebenstehenden Turm, dessen Erwähnung erstmalig im Jahr 1302 stattfand und der immerhin das höchste Gebäude in Denzlingen darstellt. "Das hab ich mir schon immer mal gewünscht hier oben zu stehen", verrät eine Teilnehmerin bei der Besteigung des Turms, der nicht öffentlich zugänglich ist. Auf einer Höhe von 40 Metern reichte der Blick über ganz Denzlingen bis nach Freiburg und in Richtung Frankreich sogar bis zu den Vogesen: "Es ist eine Anstrengung, die sich lohnt", meint Ohmberger.

Autor: jag