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14. März 2011

Wasser als Antrieb für das ganze Dorf

Fördermittel für ein neues Museum gibt es erst, wenn Denzlingens Gemeinderat "grünes Licht" für das Konzept gibt.

  1. Noch steht es mitten in der Baustell und beherbergt ein Immobilienbüro, doch das alte Fachwerkhaus könnte nach den Vorstellungen der Arbeitskreismitglieder des Heimatvereins zum Museum mit "alleinstellungsmerkmal" in der Region werden Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN/GLOTTERTAL. Ein fester Mosaikstein bei der Neugestaltung des Festplatzes im Unterdorf ist unumstritten das historische Fachwerkhaus, das allgemein als Gaus’sches Haus bezeichnet wird. Doch welche Funktion dem 1728 errichteten Kleinod zugedacht wird, das aktuell noch als Immobilienbüro vom Bauträger des Glotterparks genutzt wird, ist noch offen. Mitglieder einer Arbeitsgruppe des Heimat- und Geschichtsvereins haben jedoch schon klare Vorstellungen.

"Wir wollen dort ein Museum einrichten, das nachhaltiges Interesse findet", erklärt Dieter Ohmberger. Deshalb müsse es sich deutlich unterscheiden von den vielerorts eingerichteten Heimatmuseen, die sich in vielem ähneln. Ein Alleinstellungsmerkmal müsse das Museum haben, so Dieter Geuenich, der als gute Beispiele für ähnliche Konzepte das Zähringermuseum in St. Peter, das Orgelmuseum in Waldkirch und das Alemannenmuseum in Vörstetten aufzählt.

Bei der Suche nach dem "Einmaligen" sei die Arbeitsgruppe auf die Nutzung der Wasserkraft gestoßen. "In Denzlingen gab es mindestens sieben Mühlen, die längst nicht nur zum Mahlen von Getreide genutzt wurden", betont Dieter Ohmberger. Sägen, Ölmühlen, Schmiedehämmer und Dreschen seien mit der Kraft aus dem Dorfbach betrieben worden. Vor rund hundert Jahren wurde dann auch der erste elektrische Strom mittels Turbine erzeugt.

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Wasser trieb 1912 auch die erste Turbine

"Es steht fest, dass das Wasser im Dorfbach entscheidenden Anteil an der Entwicklung der Gemeinde hatte", ist sich Dieter Geuenich sicher. Ohne das Gewässer, gleich ob es Dorfbach oder Glotter genannt wird, hätte sich die Gemeinde nie in dieser Form und Größe entwickelt. Das Wasser habe zur ersten Industrialisierung der Gemeinde wesentlich und in einer Form beigetragen, wie es sich in anderen Gemeinden der Region kaum wieder finden lasse.

Doch das Museum soll keineswegs nur den ortsbezogenen Aspekt der Wasserkraftnutzung thematisieren. "Es gibt schon vielversprechende Kontakte mit historisch Interessierten im Glottertal", erklärt Ohmberger. Der Urgraben, die frühe Nutzung der Wasserkraft beim mittelalterlichen Bergbau, soll ebenso aufgegriffen werden.

Die Überlegungen der Arbeitsgruppe sind schon weit gediehen:"Mit Hilfe von modernen Medien soll die gesamte Thematik für Denzlingen und die Region anschaulich dargestellt und didaktisch aufbereitet werden" Die unterschiedlichen Techniken der Wassernutzung könnten auch gut mit Modellen, ähnlich wie im Deutschen Museum in München, veranschaulicht werden.

Parallel sieht das Konzept vor, dass ein Teilbereich der knapp bemessenen Fläche für Wechselausstellungen zur Ortsgeschichte reserviert wird. "Geschichte unter immer wieder neuen Aspekten zu betrachten ist viel interessanter als eine Dauerausstellung", so Ohmberger. Letztere bliebe es bei dem begrenzten Platz und der über 1000-jährigen Historie Denzlingens so oder so nur Stückwerk. Überzeugt ist der Arbeitskreis, dass die Einrichtung des Museums durch Sponsoren und Mittel der Museumsförderung finanziert werden kann.

"Grundvoraussetzung zur Umsetzung der Pläne und auch für Anträge auf Fördermittel ist jedoch ein klares Signal der Gemeinde, wie es überhaupt weiter gehen kann", erklärt Joachim Müller-Bremberger. Es sei keineswegs sicher, ob die Kommune weiter im Besitz des Hauses bleiben will, so der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins. "Das Dach ist am Kaputtgehen", mahnt er eine baldige Entscheidung an. Aus Sicht des Vereins ist die Instandhaltung des Gebäudes Aufgabe der Gemeinde. "Hilfreich für die Diskussion im Gemeinderat wäre ein Kostenvoranschlag für das komplette Projekt", hatte Gemeinderat Otto Frey in der Jahreshauptversammlung betont und zugleich versichert, dass 5000 Euro zweckgebunden für das Gaus’sche Haus im Gemeindehaushalt bereitstehen. "Das müsste doch für eine Grunduntersuchung ausreichen", so Müller-Bremberger, der ansonsten der Gemeindeverwaltung bescheinigt, dass sie im Rahmen der Festplatzgestaltung "sehr bemüht ist, die Bedürfnisse und Ideen der Vereine zu berücksichtigen". Mehrfach habe es Rückfragen bei ihm gegeben.

"Wir haben uns schon tief eingearbeitet in ein Museumskonzept, die Zusage von renommierten Fachleuten, die mitwirken wollen, liegt vor", erklärt Dieter Ohmberger. Auch seien Überlegungen, die keineswegs als Konkurrenz zu Heimathues, Raupp-Stube und Zellerbildern im Storchenturm, sondern als Ergänzung des Areals gesehen werden, den Fraktionen schon vorgestellt. Wichtig sei nun deren Entscheidung, ob das Gaus’sche Haus dafür zur Verfügung steht.

Autor: Markus Zimmermann