Obstanbauer in Südbaden

Wer günstige Erntehelfer will, muss den richtigen Ton treffen

Hannah Fedricks Zelaya

Von Hannah Fedricks Zelaya

Mo, 11. Juni 2018 um 14:43 Uhr

Wirtschaft (regional)

Das erfahren viele Anbauer, die oft Jahr für Jahr mit denselben Helfern arbeiten. Doch wegen der guten wirtschaftlichen Lage könnten die Saisonarbeiter aus ärmeren EU-Ländern knapp werden.

Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer warnt davor, dass wegen der guten wirtschaftlichen Lage in Zukunft die Erntehelfer aus Rumänien und anderen EU-Ländern knapp werden. Betroffene Landwirte aus der Region reagieren größtenteils gelassen, sehen aber für die Zukunft auch die Notwendigkeit zu handeln.

Sascha Ingold aus Denzlingen beschäftigt rund ums Jahr vier Helfer aus Rumänien und Polen für die Ernte von Kernobst und in den Reben. Er sieht keinen Grund für eine Diskussion über fehlende Erntehelfer: "Ich sehe hier keinen Mangel, ich denke vielmehr, es liegt an der Qualität der Betriebe." Wie man in den Wald rufe, schalle es zurück, sagt er dazu, die Beziehung zu den Erntehelfern sei ein Geben und Nehmen.

"Natürlich kollabiert das System, wenn keine Erntehelfer mehr kommen. Es ist ja auf günstige Arbeiter aus dem Ausland angewiesen." Momentan liege der Lohn eines Facharbeiters in Rumänien aber bei rund 500 Euro im Monat bei vergleichbaren Lebensmittelpreisen wie in Deutschland. Falls sich die Reallöhne dort den deutschen irgendwann angleichen, werde die Problematik vielleicht aktuell, so Ingold, "aber momentan sind wir davon noch weit entfernt. Die Erntehelfer wollen kommen, viele rufen an und fragen nach Arbeit."

Harald Wochner, der rund um seinen Aussiedlerhof bei Merdingen Erdbeerkulturen bewirtschaftet sagt: "Wenn der Anbau von Sonderkulturen, die nicht maschinell geerntet werden können, wie Erdbeeren, Spargel, Obstbau allgemein, weitergeführt werden soll, dann brauchen wir Abkommen mit Ländern wie der Ukraine."

Viele Helfer kommen über Jahre immer wieder – noch

Seine rund 50 Erntehelfer kommen aus Rumänien. Die gute Wirtschaftslage dort mache die Arbeit in der Landwirtschaft, weit weg von zu Hause noch unattraktiver. "Klar, das ist schon ein Wort, zwei Monate weg zu sein von der Familie. Wenn ich da einen Job in Rumänien bekommen könnte, der zwar etwas weniger Verdienst bringt, aber bei der Familie ist, würde ich den auch vorziehen", sagt Wochner. Einige seiner besten Arbeiter habe er schon auf diese Weise verloren. "Es ist schwierig abzusehen, wie sich das Ganze entwickeln wird. Besonders wenn man einen Junior im Hintergrund hat, der das Ganze mal übernehmen soll, fragt man sich schon, was man ihm raten soll", äußert Wochner seine Bedenken.

Im Gegensatz dazu schätzt Kurt Sehringer vom Obsthof Sehringer in Schallstadt-Mengen das Problem von fehlenden Erntehelfern als nicht sehr groß ein. Er selbst beschäftigt für die Spargelernte nur zwei Helfer, für die Apfelernte im Herbst sieben bis acht Helfer.

Es sei ein Paar dabei, das als Erntehelfer angefangen habe und nun festangestellt sei. "Sie vermitteln uns immer wieder Kontakte, das läuft gut. Ich habe bis jetzt noch nie wirklich ein Problem gehabt", sagt Sehringer. Auch bei Kollegen, die ähnlich große Betriebe führen, hat Sehringer noch nichts Gegenteiliges gehört. "Bei uns läuft alles über persönliche Verbindungen, oft kommen die Helfer über Jahre hinweg immer wieder. In großen Betrieben, die hundert Leute brauchen, ist das aber etwas anderes. Die spüren die Problematik eher."

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