BZ-Serie Altes Handwerk (3)

Wie die Korbflechterin Gaby Witt aus Freiburg arbeitet

Petra Völzing

Von Petra Völzing

So, 15. März 2015 um 15:28 Uhr

Wirtschaft (regional)

Im Bezirk der Handwerkskammer Freiburg sind fünf Korbflechter gemeldet. Gaby Witt aus Freiburg ist eine davon – sie stellt Produkte vom Brotkorb bis zum Katzenkratzbaum her.

Kürschner, Schmiede, Bürstenmacher – viele Berufe, die vor 50 Jahren noch alltäglich waren, gelten mittlerweile als ausgestorben. Oft zu Unrecht, denn das traditionelle Handwerk lebt. Aber die Arbeit hat sich verändert, am Ende überleben nur Betriebe, die für sich eine Nische gefunden haben. In unserer Serie stellen wir verschiedene Handwerker im Südwesten vor, die das geschafft haben. Heute: Die Korbflechterin Gaby Witt aus Freiburg.

Das Handwerk des Korbflechtens ist uralt – doch heute ist es selten geworden. Im Bezirk der Handwerkskammer Freiburg sind fünf Korbflechterbetriebe gemeldet. Die Korbmacherinnung Baden-Württemberg weist noch 19 Vollmitglieder auf.

Eines von ihnen ist die Korbflechterei Witt in Freiburg Herdern. Dort geht es beschaulich zu. Gaby Witt stellt am Morgen die dekorativen Korbwaren vor den Laden. Das Angebot ist breit gefächert. Es gibt vom kleinen Brotkörbchen über geflochtene Taschen bis hin zum Korbsessel eine Vielzahl an ganz unterschiedlichen Artikeln. Gaby Witt betreibt den Laden mit der angeschlossenen Werkstatt zusammen mit ihrem Bruder Roland Witt und der Schwägerin Marion Lerner. Sie haben den Betrieb von ihren Eltern übernommen, die ihn 1961 gegründet hatten.

An der Herstellung der Körbe hat sich seit Tausenden von Jahren nicht viel geändert. In einem Natursteinbassin im Hof der Werkstatt liegen Weiden zum Einweichen im Wasser. Daraus wird Gaby Witt später Papierkorbhüllen flechten, die der Europa-Park bestellt hat. "Die Möglichkeit, Körbe industriell herzustellen gibt es bis heute nicht", sagt sie. Es ist mit ein Grund dafür, dass sich das Handwerk bis heute halten konnte.

"Von dem, was wir in dem Laden verkaufen, könnten wir nicht leben" Gaby Witt
Roland Witt sitzt gerade am Großauftrag einer Bäckereikette, die 80 geflochtene Gebäckablagen bestellt hat. "Von dem, was wir in dem Laden verkaufen, könnten wir nicht leben", sagt Gaby Witt. Sie sind auf die größeren Aufträge angewiesen. "Wenn wir für einen Auftraggeber etwas Interessantes herstellen, dann fertigen wir ein paar Stücke mehr für den Laden", bemerkt Bruder Roland. Manche Aufträge sind auch recht ungewöhnlich. Für die Patienten eines Orthopäden fertigen die Witts seit drei Jahrzehnten nach dessen Vorgaben regelmäßig Korbstühle, die eine ganz bestimmte, rückenfreundliche Sitzlinie haben. Kostenpunkt: 480 Euro. Um ihn herzustellen, braucht die Flechterin insgesamt 16 Stunden.

Das Sitzmöbel wird aus Rattan gefertigt. Die Fasern der aus Asien stammenden Kletterpalme sind neben den heimischen Weiden bei den Korbflechtern ein sehr gängiges Material. Die Witts bestellen es in unterschiedlichen Stärken bei einem Großhändler. Für die Weiden hat die Familie bis heute bei Mahlberg ein eigenes Feld. Dort wächst eine dunkle Sorte, aus der man große Körbe flechten kann. Das reicht aber nicht – Weiden und auch Binsen kommen ebenfalls vom Großhändler.

"Je nachdem, was man machen will, gibt es Sorten in unterschiedlichen Farben", erklärt Gaby Witt, außerdem würden für manche Korbprodukte auch geschälte Weiden verwendet. Die Flechterin liebt zudem einen kleinen Farbtupfer in ihren Korbwaren, deshalb flicht sie hie und da auch mal ein buntes Kunststoffband ein.

Früher waren die Korbflechter sehr spezialisiert und stellten beispielsweise nur Wäschekörbe oder die sogenannten Weißkorbwaren aus geschälten Weiden her. Da wurde dann auch in Großbetrieben im Akkord geflochten. "Heute müssen wir vielseitiger sein", sagt Gaby Witt. In der Korbflechterei Witt hat jeder sein Spezialgebiet und Steckenpferd. Marion Lerner sitzt gerade an der Sitzfläche eines Stuhls, die mit Rattan neu ausgeflochten werden muss. Reparaturarbeiten gehören ebenfalls zum Aufgabenbereich der Familie Witt. Wenn Roland Witt Zeit hat, dann fertigt er besonders gerne Katzenkratzbäume, an denen er höhlenförmige Körbe befestigt. Ein gemütlicher Aufenthaltsort für die beliebten Hausgenossen. Marion Werner hat sich auf kreative Skulpturen aus Naturweiden verlegt. Sie gibt auch Kurse für Hobbyflechter.

Einen Auszubildenden haben die Witts schon länger nicht mehr. "Dafür haben wir nicht die Kapazitäten", sagt Gaby Witt. Die meisten Korbflechter machen heute ihre Ausbildung an der staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung im oberfränkischen Lichtenfels. In Deutschland die einzige Schule dieser Art. Dort ist auch einmal im Jahr das große Innungstreffen der deutschen Korbmacher, das mit einem großen Korbmarkt verbunden ist. "Wir gehen jedes Jahr dorthin", sagt Gaby Witt, denn dort könne man den Kollegen begegnen und auf dem Markt schauen, was die anderen machen. Es kommt auch vor, dass sich mehrere Korbflechter für einen Großauftrag zusammenschließen. Deshalb sei es wichtig, sein Netzwerk zu pflegen, so Gaby Witt.

Jetzt läutet die Glocke im Laden. Eine Kundin wünscht Beratung und Gaby Witt steht parat. Die Papierkorbhüllen für den Europa-Park müssen noch ein wenig warten, aber der Tag ist ja noch lang. Auch wenn die Arbeit beschaulich ist – wenig ist sie nicht.

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