Rust

Die Rettungshundestaffel des DRK Freiburg trainiert im Europa-Park den Ernstfall

Hannah Fedricks Zelaya

Von Hannah Fedricks Zelaya

Mo, 11. Februar 2019 um 08:08 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Großartige Verstecke, verschiedene Hindernisse und der Geruch vieler Menschen: Der Europa-Park ist auch ein ideales Trainingsgelände für Rettungshunde. Wir haben uns suchen lassen.

Schwärze umfängt mich. Ich kauere in einer Nische am Boden und lausche. Warte darauf, dass das entfernte Klingeln des Glöckchens näher kommt. Es kribbelt in den Füßen. Ich höre Schritte, verlagere mein Gewicht und fasse den Fellbeutel in meiner Hand fester. Dann durchbricht lautes Bellen die Stille.

Dicke Regenwolken hängen über Irland. Limerick Castle ist dunkel und leer. Wo sich sonst Menschenmassen schieben, ist kaum jemand unterwegs. Die Lautsprecher sind stumm, die Gondeln halten Winterschlaf. Nur hier und dort blitzt eine rote oder orangefarbene Gestalt auf.

Flächensuche, Trümmersuche und Man-Trailing

Die Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Freiburg und Offenburg sowie der Malteser treffen sich an diesem Samstagvormittag zum großen gemeinsamen Training im Europa-Park. 21 Hunde sind auf dem Gelände unterwegs, um Flächensuche, Trümmersuche und Man-Trailing zu üben.

"Es befinden sich noch drei Opfer in Irland", verkündet Regula Wolf, die Staffelleiterin der Rettungshunde Freiburg. In der Hand hält sie eine Dose gefüllt mit Käse- und Fleischwurststückchen. Die besonderen Leckerlis gibt es nur beim Training. Jeder Hund trainiert einzeln, damit sich die Tiere nicht in die Quere kommen.

Limerick Castle ist für die Trümmersuche besonders geeignet, da es in dem Kinderspielehaus viele verwinkelte Verstecke und unerwartete Wegführungen gibt. Die Hunde lernen hier, in Gebäuden und auf unwegsamen Gelände Menschen zu finden. Ihre Fähigkeiten setzten sie in der Region vor allem bei Personensuchen ein.

1000 Trainingsstunden pro Jahr und Hund

"Etwa 50 Einsatzstunden hatten wir im vergangenen Jahr. Das waren sehr wenige. Grund dafür waren einige Änderungen im Zuge der Polizeireform. Inzwischen werden es aber wieder mehr", erklärt Regula Wolf. Rund 1000 Trainingsstunden absolvieren Hund und Hundeführer dafür im Jahr. Und nur einmal die Rettungshundeprüfung zu bestehen, reicht nicht – alle zwei Jahre muss diese wiederholt werden.

Rund eine halbe Stunde kann ein Hund suchen, dann braucht er eine Pause. "Der Europa-Park eignet sich besonders gut, weil es überall großartige Verstecke und Hindernisse gibt. Außerdem riecht alles hier nach vielen verschiedenen Menschen und ist daher auch sehr anspruchsvoll für die Hunde", erklärt Wolf. Das Training findet immer an geschützten Orten statt. "Wir achten darauf, dass keine Straßen in der Nähe sind. Denn wenn sie mal auf der Suche sind, dann geht die Post ab", sagt Wolf mit einem Lachen.

Limerick Castle ist anspruchvolles Terrain

Golden Retriever Amber ist als nächstes an der Reihe und kann es kaum erwarten: Sie reißt sich von ihrer unaufmerksamen Hundeführerin los und will ins Schloss sprinten. "Halt", schreit Ausbilderin Claudia Heckle, doch erst auf ihr Pfeifen bleibt Amber stehen. Dabei ist Amber eine erfahrene Hündin. Seit fünf Jahren schon trainiert sie und ist sehr verlässlich. "Ich selbst bin schon seit 15 Jahren dabei", erzählt Heckle.

Sie weiß, dass Limerick Castle für Hunde anspruchsvolles Terrain ist, weil es keinen Luftzug gibt, die Gerüche sich also kaum verteilen. Die größte Schwierigkeit für sie als Hundeführerin sei es, im Ernstfall draußen zu bleiben. "Bei einem Einsatz dürfen wir nicht rein in die Gebäude. Wir müssen uns auf unseren Hund verlassen." Nicht nur auf den Hund. Sie habe schon viele Gesichter kommen und wieder gehen gesehen.

"Man muss sich aufeinander verlassen können."


"Die Idee, einen Rettungshund zu haben, finden viele spannend. Aber es steckt viel mehr Aufwand, Zeit und Geld darin als die meisten annehmen. Und es muss auch menschlich passen." Wolf bestätigt: "Du verbringst unheimlich viel Zeit mit den Menschen deiner Staffel. Bei einem Einsatz vertraust du ihnen dein Leben an. Man muss sich aufeinander verlassen können."

Wolf trainiert mit dem jungen Labrador Falko. "Labradoren wurden ursprünglich darauf abgerichtet, Vögel, die bei der Jagd angeschossen wurden, aus der Luft zu holen", sagt sie, "deshalb springen sie gerne und hoch. Sie haben einen starken Jagdtrieb." Das sei einer der Gründe gewesen, warum sie mit Falko die Ausbildung zum Rettungshund angefangen habe.

"Und er liebt es", sagt sie während er ungestüm neben ihr hochspringt. Sie braucht Kraft, um den über 30 Kilogramm schweren Hund zu bändigen. Keine Minute steht er still, aufgeregt verfolgt er, wie wir in Limerick Castle verschwinden.

An einem verlassenen Himmelbett vorbei und durch einen Pub

Zehn Minuten später. Ich höre das leise Glöckchen näher kommen und fasse hinter meinem Rücken den Beutel mit der Belohnung fester. Dann durchbricht ein Bellen die Stille: Falko hat mich gefunden. 20 Mal soll er bellen, bevor er an die Maultaschenstückchen darf, die sich im Beutel verbergen.

Gemeinsam machen wir uns dann auf die Suche nach den zwei weiteren "Opfern". Treppauf, treppab, an einem verlassenen Himmelbett vorbei und durch einen Pub. Die Lichtkegel der Taschenlampen huschen an den Wänden entlang. Dann bellt Falko zum letzten Mal. Er hat seinen Job heute gut gemacht.