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12. März 2010 07:59 Uhr

Wahlkampf

Die unabhängigen Frauen der OB-Kandidaten

Zum Modell der Politikergattin taugen ihre Lebensentwürfe nicht: die Frauen der drei Freiburger OB-Kandidaten. Diese haben wir uns bei einer Wahlkampfveranstaltung der Unabhängigen Frauen einmal näher angeschaut.

  1. Cristina Gangotena, Ehefrau von Ulrich von Kirchbach. Foto: Thomas Kunz

  2. Stefanie Rausch, die Frau von Günter Rausch. Foto: Thomas Kunz

  3. Helen Hall-Salomon, Gattin des amtierenden Bürgermeisters Dieter Salomon. Foto: Thomas Kunz

Die Unabhängigen Frauen Freiburg hatten am Mittwoch zur Wahlkampfveranstaltung eingeladen, und auf der Bühne saßen nicht nur die drei Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters, sondern auch zwei Ehefrauen: Cristina Gangotena, verheiratet mit Ulrich von Kirchbach, und Stefanie Rausch, die Frau von Günter Rausch. Helen Hall-Salomon hatte aus Termingründen abgesagt, für ihren Mann Dieter Salomon überhaupt kein Problem: "Ich habe eben eine unabhängige Frau."

Möchte man als Wählerin oder Wähler wissen, welche Ideen die Kandidaten zu Themen haben, die besonders Frauen interessieren? Natürlich. Will man das von ihren Frauen wissen? "Ein bisschen befremdet mich das", gestand eine Dame aus dem Publikum. "Würden sich drei Frauen bewerben, hätte man ja auch nicht ihre Männer hergebeten." Andererseits: Darf man nicht neugierig sein, wer diese Frauen sind? Na klar doch. Unter anderem deshalb waren ja auch rund 300 Interessierte ins Jazzhaus gekommen.

Auf dem Podium kamen politisch dann doch vor allem die drei Männer zu Wort. Doch nicht nur dieser Abend hat in Bezug auf ihre Frauen gezeigt: Zum klassischen Modell – klagloser Verzicht zugunsten des politiktreibenden Gatten – taugen die Lebensentwürfe der Damen nicht. Im Gegenteil: Alle Drei machen den Eindruck, als ob sie mit beiden Beinen im Leben stehen und ihrem Mann zur Not auch mal ordentlich die Meinung geigen könnten.

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Cristina Gangotena zum Beispiel, bei der deutsche Bestimmtheit auf südamerikanisches Temperament trifft. "Wenn ich was mache, dann hundertprozentig", sagt sie und meint auch: leidenschaftlich. Arbeiten (als Lehrerin für Politik, Geschichte und Englisch am Wentzinger-Gymnasium mit halbem Deputat), leben (mit der Großfamilie inklusive den Kindern David und Rebekka im Mehrgenerationenhaus im Stadtteil Mooswald), und kämpfen für die Politik ihres Mannes. "Da sind wir reingewachsen", sagt die 44-Jährige zur Kandidatur und koordiniert jetzt neben allem anderen Wählerinitiative, Wahlkampfteam und Termine, macht Fotos, entwirft Flyer. "Er hat die guten politischen Ideen, denen ich mich anschließe", sagt sie auf dem Podium im Jazzhaus, und bereits vorher hatte sie ihren Platz im Wahlkampfteam klar definiert: "Das ist unser Sieg, gegen alle Unkenrufe und Anfeindungen."

Amüsement über die Rolle der "First Lady"

"Ich sehe mich als eine von vielen, die Zeit und Engagement investieren", sagt Stefanie Rausch. Ihr politisches Denkmodell ist die "Bewegung von unten", und das lebt die 35-Jährige aus Hochdorf engagiert: als Gemeindediakonin in Haslach und Weingarten, als Religionslehrerin in der Vigelius-Hauptschule und jetzt auch als Wahlkämpferin. Sie war Gründungsmitglied der Initiative "Wechsel im Rathaus", und "ich hoffe, dass das Umdenken über die Wahl hinaus anhält". Wegen der Podiumsdiskussion haben die Rauschs für den fünfjährigen Sohn Noah die Oma aktiviert, "wenn mein Mann dann Oberbürgermeister wäre, müssten wir uns eine gute Lösung einfallen lassen". Geändert, sagt sie, habe sich ihr Leben nicht wirklich, auch vorher hätten beide schon viel gearbeitet. Ihre Chancen? Stefanie Rausch: "Ich habe noch nie erlebt, dass mein Mann gescheitert wäre, wenn er von etwas überzeugt ist."

Wie sich das Leben ändert, wenn der eigene Mann Oberbürgermeister wird, weiß Helen Hall-Salomon bereits. "Fast im Schockzustand" sei sie gewesen, als dieser vor acht Jahren gewählt worden war, sagt die 49-Jährige im Gespräch vor der Veranstaltung: "Inzwischen haben wir einen Weg gefunden, wie wir beide damit zurechtkommen." Die Abmachung im Hause Salomon ist: Privat bleibt privat, zu manchen gesellschaftlichen Terminen begleitet sie ihn, aber ihr Job geht vor. Als Finanzwirtin arbeitet Helen Hall-Salomon auf einer Dreiviertelstelle beim Finanzamt. Derzeit geht sie pünktlich um 6.45 Uhr zum Job, damit sie um 13 Uhr rauskommt – dann ist Wahlkampf. "Das ist ja auch gemeinsame Zeit für uns", sagt sie, zumal ihr Mann nie vor 22.30 Uhr heimkomme. Sie ist die Finanzministerin des Wahlkampfteams. Gleichberechtigt und unabhängig, sagt sie, sei sie schon erzogen worden: "Meine Mutter war mit 32 Witwe und ich habe drei Brüder."

Cristina Gangotena und Stefanie Rausch haben sich am Mittwoch Abend übrigens über die Frage von Moderatorin Mechthild Blum nach der Rolle der "First Lady" milde amüsiert. "Jede Frau ist ihre eigene First Lady", findet Gangotena. Aber lieber als darüber sprach sie davon, dass man mehr Sozialarbeiter an Schulen brauche, das erfahre sie schon in ihrem täglichen Arbeitsalltag. Und Stefanie Rausch sprach sich dafür aus, dass Freiburg bei den Öffnungszeiten für Kinderbetreuungseinrichtungen "echt nachlegen" müsse. Ihre Männer saßen auf dem Podium und nickten.

Autor: Simone Lutz