Gemeinderat geht seiner Schwester an die Gurgel

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 19. November 2015

Donaueschingen

Das Opfer weist deutliche Würgemale am Hals auf / Hintergrund sind offenbar Erbstreitigkeiten.

DONAUESCHINGEN /BAAR (gvo). Zeitlebens ist es die liebe Verwandtschaft, doch wenn es ums Erben und somit ums Geld geht, kennen manche sprichwörtlich keine Verwandten mehr. Ein Erbstreitfall hat sich am Wochenende in bizarrer Form im Städtedreieck zugespitzt: Ein Gemeinderat ist der eigenen Schwester nach nur kurzer verbaler Auseinandersetzung an die Gurgel gegangen. Würgemale zeugen von der Attacke. Die Polizei wurde alarmiert und ermittelt wegen schwerer Körperverletzung.

Wie die Polizeidirektion in Tuttlingen bestätigt hat sich die Attacke am Samstag, kurz nach 12 Uhr, ereignet. Über die Hintergründe dieser Familienangelegenheit hält sich die Polizei aber bedeckt. Nach Informationen der Redaktion geht es in diesem Disput aber offenbar um die Pflege der Mutter der beiden und insbesondere um die Pflegekosten. Um diese decken zu können, will die Schwester das Haus der Mutter verkaufen, der in der Kommunalpolitik seit Jahren engagierte und angesehene Bruder aber keinesfalls.

Das Ganze gipfelte bereits in einer Rechtstreitigkeit. Da der Bruder die Bankvollmacht über das Konto der Mutter hatte, die Schwester aber die rechtliche Betreuung der nicht mehr geschäftsfähigen Mutter und damit auch die Finanzen übernehmen möchte, wurde bei Gericht ein entsprechender Antrag gestellt. Daraufhin hat das Gericht dem Bruder die Bankvollmacht erst einmal entzogen.

Da die Geldreserven auf Dauer wohl nicht ausreichen, möchte die Schwester nun das Anwesen der Mutter veräußern. Um den Verkauf vorzubereiten, hatte sie mit ihrem Schwager am Samstag diverse Gebrauchsgegenstände der Mutter aus dem Haus geschafft und für eine Sperrmüllabfuhr am Straßenrand abgelagert.

Das brachte den Bruder offenbar in Rage, denn als er die Aktion entdeckt hatte, setzte er ein Schriftstück auf, ging zunächst zum Schwager, der bei der Entrümpelung geholfen hatte, und forderte diesen auf, das Geschriebene zu unterzeichnen. Da er mit seiner Unterschrift bestätigen sollte, dass er Sachen der Mutter entwendete, schickte er ihn weg. Auch bei der Schwester hatte der Bruder Pech mit seinem Anliegen. Sie las das auf dem Zettel Gedruckte kurz durch und zerriss ihn noch vor seinen Augen. Da konnte sich der Mann offensichtlich nicht mehr halten, packte die Schwester am Hals und würgte sie, ließ aber von der geschockten Schwester wieder ab und verließ das Anwesen. Anschließend erstattete das Opfer nach Rücksprache mit ihrer Schwester bei der Polizei in Donaueschingen Anzeige gegen den Bruder und ließ sich im Kreisklinikum untersuchen.

Rund 250 Milliarden Euro werden jährlich in Deutschland vererbt. In den seltensten Fällen geht das Erbe reibungslos an die Erben über, weil immer noch viele Deutsche dieses nicht oder juristisch nicht korrekt vor ihrem Ableben regeln.