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27. Januar 2011

Internet als Gemeinschaftserlebnis

Im Donaueschinger Mehrgenerationenhaus kommen Senioren zusammen, um sich mit dem weltweiten Netz vertraut zu machen.

  1. Im Donaueschinger Mehrgenerationenhaus hat sich auf Initiative des Seniorenrats eine Art Internet-Café für Ältere entwickelt. Sie können nach Herzenslust Computern und im weltweiten Netz surfen. Eckhard Dewald, Renate Keusen und Siegfried Limberger (hintere Reihe von links) helfen als Betreuer. Foto: Beathalter

DONAUESCHINGEN (bea). Auch in Donaueschingen gibt es inzwischen eine Reihe von Senioren, die sich immer mehr mit Computern und dem Internet vertraut machen. Dabei helfen die Initiative "Internet goes Ländle" des Landes und der örtliche Seniorenrat. So wurde aus dem Donaueschinger Mehrgenerationenhaus auch eine Art Internet-Café. Und die Senioren begreifen diesen Einstieg in die Welt des Internets vor allem als Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu kommen.

Senioren entdecken das weltweite Netz. Sie steigen ein ins Internet und wollen dieses Wissensgebiet nicht mehr allein ihren Enkeln überlassen. So ist im Donaueschinger Mehrgenerationenhaus in kürzester Zeit so etwas wie ein Internet-Café entstanden, in dem in Ehren ergraute Häupter regelmäßig ihre Köpfe vor Laptop-Bildschirmen zusammenstecken. Manche sind erwartungsvoll gespannt, andere bewegen die Mäuse schon ganz cool über den Tisch, wenn sie sich durch das Labyrinth der Internetseiten klicken: Sie gehen jetzt auf eine Entdeckungsreise der anderen, vor allem aber faszinierenden Art.

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Die Nachfrage ist gut. Bereits im März hat Irmgard Engel, die Vorsitzende des Seniorenrats Donaueschingen, einen Aufruf gestartet und ruckzuck waren 30 Namen auf einer Liste, jung Gebliebene, jenseits der 65 Jahre. Knapp ein Jahr später sind immerhin noch mehr als 20 dabei. Sie wollen lernen, wie man im Internet surft, wie man sich in der schönen neuen Computerwelt zurecht findet und welche Vorteile das Netz haben kann, wenn man sich darin auskennt. "Internet goes Ländle" – diesen griffigen Titel hat denn auch das baden-württembergische Ministerium für ländlichen Raum für eine Initiative gefunden, mit der Senioren vor allem auf dem flachen Land ins Netz gebracht werden können.

So machte sich auch Donaueschingens Seniorenrat mit der rührigen Irmgard Engel an der Spitze auf den Weg ins Internet. Manche von ihnen stehen noch ganz am Anfang und drücken die Tasten auf der Maus oder der Tastatur nur ganz zögerlich, ganz nach dem Motto: Man weiß ja nie, was da passieren kann. Andere wiederum suchen nach einem einfachen Programm, mit dem man an den zu Hause aufgenommenen Videos die Leerstellen herausschneiden könnte, andere wollen E-Mails verschicken und wissen noch nicht, wie das geht, wieder andere suchen einen Weg, wie die vielen digitalen Fotos in ein Album verschoben und gesichert werden können. Die Mutigsten fragen gar nach dem Programm "Fotoshop", merken dann aber, dass Computern ganz schön schwierig sein kann.

Fünf Trainer, auch sie Damen und Herren im Rentenalter, sind dabei, ehrenamtlich mit den Internet-Senioren zu arbeiten und ihnen die richtigen Kniffe an den Computern zu zeigen. Neben Siegfried Limberger sind Eckhard Dewald, Renate Keusen, Elisabeth Hummel und Elisabeth Schuler dabei. "Wir machen keine Kurse in Word oder Excel", stellen die Trainer heraus. "Wir helfen, wenn es klemmt, wir versuchen, den Teilnehmern die Scheu zu nehmen." Und weil die Bürgerstiftung Donaueschingen der munteren Truppe kürzlich zwei neue Laptops gespendet hat und zwei weitere vom Generationenhaus zur Verfügung stehen, können nun auch alle praktisch üben.

Auch Renate Keusen hat sich als Betreuerin zur Verfügung gestellt und ist begeistert von der "bereichernden Arbeit mit vielen netten und interessanten Menschen". Viele lernen sich in der Gruppe näher kennen, "für viele ist dies ein neuer Zeitvertreib, der ihnen eine Anbindung an die Welt ermöglicht." Renate Keusen ist überzeugt, dass die Seniorinnen und Senioren das Internet so nutzen, wie es sich gehört: gezielt die Dinge aussuchen, die sie brauchen. So entdecken sie Bahnfahrpläne, den Apotheken-Bestellservice, besorgen sich Infos übers Wetter wegen der nächsten Wanderung, holen sich Ferienziele oder Hotels auf den Schirm. "Meine Erfahrung ist: Das kommunikative Element steht bei allen im Vordergrund", sagt Renate Keusen.

Schüler sollen helfen

Irmgard Engel, Vorsitzende des Seniorenrats, freut sich über gut 20 Internetsurfer unter ihren Senioren. Sie haben sich der Initiative "Internet goes Ländle" vom baden-württembergischen Ministerium für ländlichem Raum zum Teil begeistert angeschlossen und lernen nun das Internet kennen. Drei Monate nach dem Start in den Räumen der Realschule, die ihnen Bürgermeister Bernhard Kaiser bereitgestellt hat, haben sie im Generationenhaus einen festen Platz gefunden: Immer mittwochs von 9 bis 11 Uhr treffen sie sich, um sich unter der Anleitung von fünf Trainern durch das weltweite Netz zu klicken.

Insgesamt ist Irmgard Engel zufrieden mit der Aktion, die den Senioren hilft, die Computerwelt Schritt für Schritt zu erobern. "Wir können die Menschen da abholen, wo sie stehen", sieht sie "den Charme des Projekts" darin, dass die Senioren in aller Ruhe den Weg ins Internet finden. Gerade im ländlichen Raum müsse "die Hemmschwelle bei vielen noch überwunden werden." Nach knapp einem Jahr organisatorischer Arbeit sei schon einiges erreicht, die Nachfrage bei den älteren Semestern scheint groß.

"Wir haben viele positive Erfahrungen gemacht und haben bereits unser erstes Ziel eines Internet-Cafés erreicht." Ein zweites Ziel stehe aber noch aus. Mit Realschulrektor Gerhard Lauffer sei verabredet, dass künftig Schüler den Senioren die Feinheiten am Computer beibringen sollen. Dann wäre ein Ziel auch des Generationenhauses erreicht: Jung und Alt sollen gegenseitig Brücken für die Generationen bauen. Und: "Wir suchen noch einen griffigen Namen für unsere Initiative, und wir könnten noch Mentoren und Betreuer brauchen, die ihre Kenntnisse in der Computerwelt weitergeben."  

Autor: bea

Autor: bz