Städte gehen Innenentwicklung an

skk

Von skk

Di, 26. September 2017

Donaueschingen

Das Projekt "Flächenmanager" startet in Hausen vor Wald / Ortskerne sollen wieder stärker belebt werden .

HAUSEN VOR WALD (bea). Donaueschingen, Hüfingen und Bräunlingen arbeiten im Projekt "Flächenmanager" zusammen. Ziel ist es, mehr Wohnraum innerorts zu gewinnen und den Flächenverbrauch durch Neubaugebiete einzudämmen. In Hausen vor Wald, dem 500 Einwohner großen Hüfinger Stadtteil, fiel am Dienstagabend der Startschuss zu einer Reihe von Infoveranstaltungen. Immerhin gut 40 Zuhörer kamen ins Bürgerhaus in Hausen vor Wald, um sich zu informieren. Mit dabei Hüfingens Bürgermeister Michael Kollmeier und Ortsvorsteher Hans-Peter Münzer.

In vielen Dörfern, nicht nur auf der Südbaar, stehen Häuser leer, oder sie werden nur noch von ein oder zwei, meist älteren Personen bewohnt. Der kontinuierliche Wandel der Bevölkerungsentwicklung, der Rückgang junger Leute und die zunehmende Zahl alter Menschen führen zur Überalterung und verändern das Bild in den Dörfern. Junge Leute verlassen aus beruflichen oder familiären Gründen ihre Heimat. Die Ortskerne drohen deshalb auszubluten.

Das Land Baden-Württemberg und die Gemeinden möchten mit dem Projekt "Innenentwicklung" gegensteuern. Die Städte Donaueschingen, Hüfingen und Bräunlingen wollen davon profitieren. Für Bauwillige gibt es bei "Flächenmanager" Zuschüsse und Rat durch Fachbüros.

Der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) und Umweltberater Gerhard Bronner suchen nach Lösungen, um die Entwicklung aufzuhalten. Es sei an der Zeit, ein Umdenken zu erreichen und Ortskerne wieder zu beleben. Daran ließ Stefan Flaig vom Stuttgarter Büro Ökonsult keinen Zweifel. Auch das Bräunlinger Ingenieurbüro Arcus und Otto Körner sowie Michael Weber vom Institut für Stadt- und Regionalentwicklung der Hochschule Nürtingen sind mit im Boot.

Wenige Leerstände in Hausen vor Wald, aber immerhin 25 Baulücken innerorts – so bezifferte Hans-Peter Münzer die Situation in seiner Gemeinde. Die Experten haben für Hüfingen 267 Flächen gezählt und im Bereich des GVV sogar 947. Otto Körner sieht das Projekt durchaus auf einem Erfolgsweg, bisher 18 Eigentümerberatungen zeigten, dass der Wunsch nach Veränderung bestehe.

Bürgermeister Kollmeier macht deutlich, dass die Stadt hinter der Entwicklung stehe und mithelfen wolle, die Flächen in den Dorfkernen besser zu nutzen. Es koste die Stadt mehr Geld, wenn sich die Neubaugebiete ausdehnen und damit immer längere Leitungen für die Versorgung oder Entwässerung bräuchten.

"Es geht darum, eine qualitätsvolle Entwicklung auszulösen, die auch zum Ort passt", sagte Michael Weber, "das ist nicht einfach, aber lohnend." Erbengemeinschaften oder ältere Hauseigentümer verhindern unter Umständen eine zeitgemäße Bebauung, weil sie nicht verkaufen wollen und ihr Grundstück nach wie vor als Kapitalanlage ansehen. Stefan Flaig befürchtet sinkende Immobilienpreise durch die tief greifende Veränderung der Altersstruktur.

Seit 1972 werden in den 1100 Gemeinden des Landes immer weniger Geburten gezählt, Deutschland ist nach Japan das Land mit der ältesten Bevölkerung. Die Folge: Bis zu fünf Prozent der Wohngebäude stehen leer und gut zehn Prozent der Gebäude werden von Menschen bewohnt, deren jüngste Bewohner über 70 Jahre alt sind. "Diese Gebäude werden bald auf den Markt kommen, aber der Preis wird sinken", sagt Flaig.

Weitere Infoveranstaltungen zur innerörtlichen Entwicklung sind am 28. September in Pfohren, am 5. Oktober in Hubertshofen und am 23. Oktober in Döggingen geplant.