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12. Juli 2008

Das Wetter, "ein bleibendes Hobby"

Seit 25 Jahren dokumentiert Wilhelm Nobis in Ebringen das Wetter / Als Wetterwilli ist er im Internet bekannt.

EBRINGEN. Morgens führt der erste Gang von Wilhelm Nobis immer in seinen Garten. Und abends der letzte. Der 76-Jährige blickt dann auf seine Wetterstation, notiert sich die Daten, blickt zum Himmel. Seit nunmehr 25 Jahren dokumentiert der Rentner das Ebringer Wetter – und stellt diese Daten der Allgemeinheit als Wetterwilli im Internet zur Verfügung.

Wilhelm Nobis ist kein Meterologe, aber das Wetter ist seine Leidenschaft. Angefangen hat das während der ersten Ölkrise 1973. Schon damals begannen manche Hausbesitzer ihre Gebäude mit Styropor zu dämmen. "Auch ich hatte das vor, wollte aber zuerst den Ölverbrauch in Relation zur Jahres- und Wintermitteltemperatur setzen", erzählt Nobis. So hat er damit begonnen, sich die Temperaturen in Ebringen aufzuschreiben. Als sich sein Sohn für ein Schulprojekt mit den Niederschlägen befasste, nahm sich Wilhelm Nobis auch noch deren Messung an: "Und so wurde aus den zunächst für ganz andere Zwecke gedachten Aufzeichnungen ein bleibendes Hobby."

Das war 1983. Um Werte zu erhalten, die denen der Wetterdienste vergleichbar sind, misst er seither mit geeichten Zehntelgrad-Thermometern. Sie sind in einer Thermometerhütte in seinem Garten untergebracht.

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"Doch dann kam der Schreck"

Vor fünf Jahren dann bekam der begeisterte Hobby-Wetterfrosch aus der Ebringer Kapellenstraße von seinen Kindern eine Internetseite geschenkt – so wurde aus Wilhelm Nobis im weltweiten Netz der Wetterwilli. "Erst habe ich mich sehr über die Seite und die Adresse gefreut, doch dann kam der Schreck", erzählt der Wetterbeobachter mit einem Lächeln, "die Daten mussten ja irgendwie in den Computer rein."

Das war jede Menge Arbeit, schließlich hatte Wilhelm Nobis über all die Jahre unzählig viele Wetterdaten notiert. Doch mit viel Eifer, Geduld und akribischer Arbeitsweise ist es ihm gelungen, eine umfassende Ebringer Wetterseite mit Tabellen und Diagrammen zu kreieren. Nicht nur die Temperaturen der vergangenen Jahre sind darauf zu erfahren, sondern auch die Niederschläge (gemessen mit einem Gerät nach Professor Hellmann) und die tägliche Sonnenscheindauer (gemessen in der international üblichen Achterskala des Bedeckungsgrades). Aber auch auf Wetterkapriolen geht Wetterwilli auf seiner Seite ein: Sturm Lothar, das verheerende Unwetter mit Starkhagel im Juli 2004 und das Schneechaos im März 2006 sind nur drei Beispiele. Ebenfalls geht Wilhelm Nobis auf Extremtemperaturen ein. "So habe ich am 13. August 2003 – dem Jahrhundertsommer – in Ebringen 40,2 Grad gemessen", sagt Nobis. Er war der erste Häuslebesitzer in Ebringen, der sein Dach mit einer Photovoltaikanlage bestücken ließ. Und so wundert es nicht, dass auf seiner Homepage auch Daten und Fakten von mittlerweile sieben Ebringer Anlagen – die Nobis überwacht – zu finden sind. Kurz und gut: Mit den Jahren hat er auf seiner Homepage 9400 Datensätze und 56 000 Einzeldaten zusammengetragen.

Und die interessieren nicht nur die Ebringer, sondern auch Studenten von Universitäten und Fachhochschulen, Schüler und sogar einen Mineralwasserabfüller. Der wollte Nobis Daten, um damit den Zusammenhang zwischen hohen Temperaturen und einem erhöhten Verbrauch von antialkoholischen Getränken festzustellen. Auch erhält Nobis immer wieder Anfragen von anderen Hobby-Wetterbeobachtern, die das Wetter in ihrer Heimat ebenfalls dokumentieren wollen. "Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Leute meine Seite besuchen und sich bei mir melden", freut sich Nobis.

Vor einigen Jahren dann war Wetterwilli plötzlich von Frauen, aber auch einigen Männern aus der ganzen Republik begehrt. "Auf ein Mal wurde ich mit E-Mails überschüttet – alle wollten den Wetterwilli kaufen", erinnert sich der 76-Jährige. Wie das kam? In einer Sendung des WDR wurde auf eine handelsübliche Wetterstation namens Wetter-Willi hingewiesen.

Beim Angeben der Internetadresse, über die dieses Gerät bestellt werden konnte, vergaß der Moderator den kleinen, aber entscheidenden Bindestrich zu erwähnen. Ohne den kamen aber alle an der Station Interessierten beim Ebringer Wetterwilli, dem Hobby-Meterologen raus. "Das war kurz vor Weihnachten und die meisten Anfrage kamen eben von Frauen – die wollten das Ding wohl ihren Männern schenken", erzählt Wilhelm Nobis lachend. Ernst wird er, wenn es um den Klimawandel geht. "Ja, der ist eindeutig erkennbar", sagt Wilhelm Nobis. Das zeigen seine Aufzeichnung der vergangenen 25 Jahre. In dieser Zeit stieg die Jahresmitteltemperatur in Ebringen um 1,6 Grad an, die Anzahl der Sommertage (über 25 Grad) erhöhte sich laut Nobis von 58 auf 70 und auch die Hitzetage (über 30 Grad) sind von elf auf 23 gestiegen. Im Gegensatz dazu haben sich die Frosttage mit Temperaturen unter 0 Grad von 66 auf 53, die der Eistage, das sind Tage mit Dauerfrost, sogar von 18 auf 8 entwickelt.

Wilhelm Nobis weiß und legt großen Wert darauf, dass seine Daten exakt gemessen und dokumentiert sind: "Die Diagramme lügen nicht, der Klimawandel ist da."

http://www.wetterwilli.de

Autor: Tanja Bury