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03. Februar 2012
Gemeinde verdankt dem Wald viel
Die Forstwissenschaftlerin Martina Attinger befasste sich in ihrer Diplomarbeit mit vorindustrieller Waldnutzung am Schönberg.
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Martina Attinger aus Freiburg hat Spuren einer früheren landwirtschaftlichen Nutzung des Schönbergs im Gelände gefunden. Hier zeigt sie auf einen über hundert Meter langen Lesesteinriegel am Waldrand an der Ostseite des Schönbergs. Foto: Silvia Faller
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Die Stechpalme in der Region verbreitet. Sie konnte sich in Weidegebieten vermehren, weil das Vieh das stachlige Gewächs gemieden hat. Foto: Silvia Faller
EBRINGEN. Ebringen ist eine wahre Fundgrube historischer Zeugnisse. Mönche haben in der einstigen Probstei des Benediktinerklosters St. Gallen eine Fülle historischer Quellen hinterlassen. Diese Quellen haben der Freiburger Forstwissenschaftlerin Martina Attinger geholfen, die Nutzung des Schönbergs im 18. Jahrhundert zu erforschen.
Das tat sie im Rahmen ihrer im Juni 2010 fertiggestellten Diplomarbeit mit dem Titel: "Vorindustrielle Waldnutzung am Schönberg bei Freiburg am Beispiel der Gemarkung Ebringen." Eine Karte der Gemarkung aus dem Jahr 1735 belegt: Die damaligen Bewohner Ebringens haben auf dem oberen und dem unteren Gipfelplateau Ackerbau betrieben – auch teilweise in Hanglagen, die heute bewaldet sind. "Nach dieser Karte gab es damals in den oberen Lagen überhaupt keinen Wald mehr", erklärt Martina Attinger. Auslöser war die Rodung von Eichenbeständen im Besitz des Klosters St. Gallen in den 1670er Jahren. Denn das Kloster musste 20 000 Eichenstämme für den Bau der Festung auf dem Freiburger Schlossberg beisteuern. Nach dem Friedensvertrag von Nijmegen fiel das 1677 von den Truppen König Ludwigs XIV. eroberte Freiburg an Frankreich, woraufhin die neuen Herrscher eine Festung errichten ließen.Werbung
Eine Karte von 1774 zeigt, dass die oberen Lagen vier Jahrzehnte später wieder bewaldet waren. Wiederum gerodet wurden die Flächen in den 1790er Jahren, weil der damalige Statthalter und spätere Klosterabt Pankratius Forster nach Schweizer Vorbild eine Almwirtschaft mit Sennerei einrichten wollte. Überliefert ist ein Bericht, wie mühsam die Landwirtschaft in den Steillagen war, und zwar im so genannten "Blauen Buch", das der Mönch Ambrosius Epp verfasst hat als Darstellung der damaligen Rechts- und Wirtschaftsverhältnisse in Ebringen.
Untrügliche Anzeichen für die Weidennutzung sind rund 200 Jahre alte Buchen mit ausladenden Kronen mitten im Wald, wie sie sich normalerweise nur im freien Gelände ausbilden. Im dicht bestockten Wald hingegen entwickeln Bäume schlanke Stämme ohne Seitenäste. Eindrucksvolle Belege dafür, wie mühevoll die Bewirtschaftung der Flächen war, finden sich an der Ostseite des Schönbergs: Haufen von Lesesteinen und sogar ein über hundert Meter langer Steinwall – Historiker sprechen von einem Lesesteinriegel – von Kalksteinen, die die Menschen einst von den Feldern abgelesen hatten.
Martina Attinger veranschaulicht in ihrer Arbeit auch, wie vielseitig die Menschen den Wald im 18. Jahrhundert genutzt hatten und dabei zeigt sich, dass die Gemeinde Ebringen mit einer Waldfläche von heute 440 Hektar damals eine starke lokale Ökonomie entwickeln konnte. Der Wald diente als Weide für junge Rinder, Ziegen und auch für die Schweinemast, wobei die Wiederkäuer dem Grün nachgingen und die grunzenden Allesfresser auf Eicheln, Bucheckern, Würmer und Schnecken aus waren. Hinweise auf die Weidennutzung des Waldes geben relativ große Vorkommen der Stechpalme, der Schlehe und des Kreuzdorns. "Die Tiere hatten diese stachligen Gewächse gemieden, weshalb sie sich gut vermehren konnten", erklärt Martina Attinger. Weiter lieferte der Wald Holz als Bau- und Brennmaterial, als Werkstoff für die Handwerkszweige Küferei und Wagnerei, als Leuchtstoff (Kienspäne aus Buchenholz, 1840 kam das Petroleumlicht nach Ebringen) sowie als Rohstoff für Rebstecken. Auf der Grundlage der Flurkarten aus dem 18. Jahrhundert schätzt Martina Attinger, dass die Ebringer damals über eine Million Stecken benötigten. Die wurden aus Tannen gespalten, was erklärt, warum die Tanne neben der Buche im 18. Jahrhundert die wichtigste Baumart im Ebringer Wald war. "Nach der Karte von 1774, die eine Legende aufweist, dominierten Buchen und Tannen. Von Natur aus wäre die Tanne untergeordnet, sie muss demnach gefördert worden sein", erklärt die Wissenschaftlerin. Diese Karte weist auch einen Köhlerplatz oberhalb vom Schönberger Hof auf, womit eine weitere Nutzung des Waldes belegt ist. Denn noch waren Steinkohle und Braunkohle nicht als Energieträger entdeckt. Diese Funde sollten die industrielle Revolution auslösen. Wie dieser Wandel die von Wald- und Weinbau getragene lokale Ökonomie Ebringens im 19. Jahrhundert verändert hat, erforscht sie nun auch im Rahmen einer Doktorarbeit.
Autor: Silvia Faller


