Maria und Josef sind zurück

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Do, 02. August 2018

Ebringen

Heiligenfiguren stehen seit kurzem im Ebringer Schloss – nach Jahren im Augustinermuseum.

EBRINGEN. Nach fast 40 Jahren sind zwei uralte Ebringer heimgekehrt: die Heilige Maria Immaculata und der Heilige Josef. Zwar stehen sie nicht ganz an ihrem ursprünglichen Standort am Treppenaufgang der Kirche, doch ganz in der Nähe – im Ebringer Schloss, das sich damit ein Stück weit mehr in Richtung Dorfmuseum entwickelt.

Als im März im Gemeindeblättle zu lesen war, dass die Heilige Maria Immaculata und der Heilige Josef zurück in Ebringen seien, hat dies einige Ebringer sicher gewundert, sagt Wolfgang Werner, der die beiden Figuren beim Sekt- und Weinfestival öffentlich vorstellte. Schließlich ist die Kirchentreppe keineswegs frei von Figuren. Maria und Josef stehen "schon immer" dort, wie das Dorfgedächtnis zu wissen vermeint. Doch was längst nicht alle wissen, insbesondere die Jüngeren nicht: 1982 wurden die Originalfiguren durch Repliken ersetzt, da die Originale nach fast 200 Jahren im Freien einen dringenden Restaurierungsbedarf hatten.

Die beiden Heiligenfiguren werden dem Wentzinger-Schüler Fidelis Sporer aus Weingarten zugeschrieben und auf das Jahr 1768, also vor genau 250 Jahren, datiert. Sporer hat sie aus Kalksandstein aus Pfaffenweiler gestaltet, der damals als das beste und teuerste Steinmaterial in Südbaden galt. Auch die Figuren am Historischen Kaufhaus und im Freiburger Münster bestehen aus diesem Sandstein.

Im Sommer 2015 richtete sich das Augenmerk der Ebringer wieder auf die Originale – bei den Vorbereitungen zu einem Dorfspaziergang "Steine im Dorf" wurde der – schon vor länger Zeit – zugezogene Wolfgang Werner von "einem Einheimischen" darauf aufmerksam gemacht, dass die nahezu perfekten Duplikate an der Kirchentreppe nicht die Originale seien.

Die Recherchen zum Verbleib der Originale begannen. Bald stand fest: Nach der Restaurierung waren sie 1982 als Leihgabe an das Freiburger Augustinermuseum gegangen, wo sie bis zum Umbau des Hauses 2004 publikumswirksam im Kreuzgang ausgestellt waren. Fortan wurden sie im Keller und ab 2012 im Zentraldepot in Hochdorf gelagert. Sie sind jedoch im Besitz der Ebringer Kirche. Werner erklärt, daran habe man die Hoffnung geknüpft, die beiden Figuren zeitnah wieder nach Ebringen zurückholen zu können. Dass es doch deutlich länger gedauert hat, liege an den vielen Gesprächen, Abstimmungen, Gutachten, der Restaurierung und nicht zuletzt an den Verträgen, die vor der Rückführung aufgehoben werden mussten.

Werner empfahl Luzius Kürten als Restaurator, da er sich als solcher im Freiburger Münster und in Ulm verdient gemacht habe. Die Übernahme der angesetzten Kosten von 4679 Euro beschloss der Ebringer Gemeinderat im Oktober 2016 einstimmig. Beim Dorfschmied Ralf Schüler wurden zwei Eisensockel in Auftrag gegeben, die die Figuren auf ihre ursprüngliche Standhöhe heben. Nach Fertigstellung wurden die Figuren in mehrtägiger Arbeit am neuen Standort im Ebringer Rathaus auf die Sockel montiert, wo sie seitdem bewundert werden können.

Der Geologe Werner erzählt, dass er mit interessierten Ebringern die ehemaligen Steinbrüche in Pfaffenweiler besucht habe, um zu sehen, ob es dort noch Material gebe. Es gibt dort tatsächlich noch Kalksandsteinbänke, doch allein der Aufwand, die Abbaufläche zu erschließen, wäre unverhältnismäßig hoch. Dennoch könnte man, bräuchte man irgendwann einmal Material für eine weitere Restauratierung, dort theoretisch Kalksandstein gewinnen. Die Figuren sind sockelaufwärts aus je einem großen Block gefertigt, sagt Werner. Der Kalksandstein sei, wenn er frisch aus dem Berg komme, leicht zu bearbeiten. Ein Bildhauer könne dann sogar mit einem Spatel Strukturen schaffen. Erst später, wenn der Stein durchgetrocknet sei, erlange er seine Härte, die ein Aufstellen im Freien ohne zu große Verwitterung über Jahre ermögliche.