Das Bewirten hat Tradition

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Fr, 24. Juni 2016

Ehrenkirchen

Rundgang mit dem Ökumenischen Bildungswerk durch Ehrenkirchens Ortsteil Kirchhofen.

EHRENKIRCHEN. Auf den ersten Blick überschaubar, bei näherem Hinsehen aber voller Geheimnisse und verborgener Schönheit – so präsentiert sich mancher Ort oder Ortsteil, wie etwa Kirchhofen. Bei einem Rundgang, organisiert vom Ökumenischen Bildungswerk, gab es viel Wissenswertes wieder oder neu zu entdecken.

Veranstalter war, wie bereits bei der Ortsbegehung von Ehrenstetten, das Ökumenische Bildungswerk mit seinem Leiter Norbert Legelli. Er überließ diesmal aber das Wort einer Kennerin der Kirchhofener Geschichte, Charlotte Eckmann, Mitglied des Arbeitskreises Ortsgeschichte, der sich unter anderem intensiv um die Pflege der vorhandenen Bauten und deren Bedeutung kümmert, etwa des Kirchhofener Wasserschlosses.

Hier war auch die erste Station, an der die Gruppe Halt machte, und zwar im sogenannten "Schwenditurm". Der Name sagt es bereits: Lazarus von Schwendi hat weit über seine Lebenszeit hinaus Spuren hinterlassen und die Ortsgeschichte bis heute geprägt. Das geht aus den vielen Dokumenten hervor, die in einem der drei noch vorhandenen kreisrunden Türme ausgestellt sind. Die Sammlung ist hauptsächlich, wie Charlotte Eckmann dankbar anmerkte, Engelbert Pfefferle zu verdanken, der durch seine jahrzehntelange Forschung über Lazarus von Schwendi zum Experten wurde, wie die von ihm verfasste Biographie beweist.

Um den Raum verdient gemacht hat sich auch Klaus Beiner, einst Hausmeister der früher im Schloss untergebrachten Schule, der 1983 zusammen mit Schülern ein Modell des Kirchhofener Schlosses samt dazugehörigem Rebberg erstellte, wie es 1633 ausgesehen hat, als es von Schwendi und seiner Familie bewohnt wurde. Der 2014 neu hergerichtete Turm ist immer donnerstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet und kann außerdem auf Anfrage besucht werden.

Von dort ging es zu einem Anwesen, das zu den ältesten des einst selbstständigen Ortes und heutigen Ortsteils gehört: zum Hause Ruh, Schauinslandstraße 1. Was sich hinter der eher unauffälligen Mauer verbirgt, machte staunen, denn der wunderschön angelegte Garten neben dem Haus öffnete sich dahinter zu einer großen Rebfläche mit Blick ins ganze Tal. Charlotte Eckmann wusste zu berichten, dass es hier einst ein Frauenkloster gegeben haben muss, gewisse Spuren deuten darauf hin.

Geheimnisvoll wurde es dann im uralten Weinkeller, wo sich eine Öffnung Richtung Schloss zeigte, die einen unterirdischen Verbindungsgang vermuten lässt. Roswitha und Benno Ruh ließen ihre Besucher nicht weiterziehen, ohne sie mit den Proben köstlicher Weine aus eigener Produktion zu verwöhnen.

Das Bewirten hat, wie Gertrud Eckerle vor ihrem Elternhaus in der Salzgasse darlegte, in Kirchhofen Tradition, schon der vielen Pilger wegen, die jahrhundertelang die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt besuchten. Nicht weniger als 15 Gasthäuser gab es einst – übriggeblieben sind wenige. An vielen Häusern jedoch lässt sich, wenn man es weiß, noch gut erkennen, dass sie einst Gasthäuser waren. Auf eines – namens "Zum Schwert" – deutet ein restauriertes Schild hin, das es gleich doppelt gibt, das zweite mit der Aufschrift "Auberge à l’épée", Hinweis darauf, dass die Franzosen einmal das Sagen hatten. Aber auch die Schweden und die schlimme Zeit des Dreißigjährigen Krieges hinterließen Spuren und Legenden, die noch heute erzählt werden.