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01. April 2011

Wir erleben immer wieder einen großen Kulturschock"

Im Paul-Gerhardt-Haus in Ehrenkirchen berichteten Schüler des Faust-Gymnasiums in Staufen über ihre Israelreise, die Teil eines Kurses zum Nahost-Konflikt war.

  1. Berichteten über ihre Eindrücke in Israel: Teilnehmerinnen eines Kurses zum Nahost-Konflikt am Faust-Gymnasium. Foto: Axel Dröber

EHRENKIRCHEN. Reisen bildet, heißt es im Volksmund. Das gilt besonders für die Schülerinnen und Schüler der elften Klasse des Faust-Gymnasiums in Staufen, die an einem fächerübergreifenden Seminarkurs zu Religion und Geschichte teilnahmen. Thema des Kurses waren die Hintergründe des Nahost-Konflikts. Anfang März gingen die 20 Mädchen und Jungen auf eine zehntägige Reise nach Israel und Palästina. Jetzt berichteten sie im Paul-Gerhardt-Haus in Ehrenkirchen von ihren Erfahrungen.

Viele Erlebnisse, Gespräche und Bilder haben sich in den Köpfen der Schüler eingeprägt während der Reise. Den Schilderungen der Jugendlichen, die mit Fotos veranschaulicht wurden, merkte man an, wie intensiv die Eindrücke waren und wie lebendig sie noch immer sind. Da war die Besichtigung der Klagemauer mitten in Jerusalem gleich am ersten Tag, dann die Fahrt nach Ophra, eine Siedlung in der Westbank, wo die deutschen Schüler mit israelischen Schülerinnen sprachen. Und ganz besonders der Aufenthalt bei den Drusen auf dem Carmel. Zwei Nächte verbrachten die Staufener in Gastfamilien der Drusen, die als eigenständige Religionsgemeinschaft in Israel anerkannt sind. Der Kontakt und der Austausch zwischen den Gleichaltrigen war eine wichtige Erfahrung für die Schüler, von der sie im Paul-Gerhardt-Haus viel erzählten. Besonders die Lebensform der Drusen erlebten sie als zunächst fremd, da die kulturellen Unterschiede zwischen Drusen und Europäern sehr groß sind.

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Drusische Jugendliche haben nicht die gleichen Freiheiten wie deutsche Jugendliche. Erst bei näherem Kennenlernen verschwand manche Berührungsangst. Pfarrer Ulrich Greder, der gemeinsam mit dem Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer Michael Kirchgässner und der katholischen Religionslehrerin Marlies Berg die Reise begleitet hat, erzählte von der Absicht der drusischen Jugendlichen, den Staufenern einen Gegenbesuch abzustatten. Darauf sei er schon sehr gespannt, meinte Greder.

Weitere Ausflüge führten die Schüler auf die Golan-Höhen, nach Bethlehem, wo sie mit Palästinensern sprachen, nach Nazareth, Hebron und in die judäische Wüste. An der Klagemauer in Jerusalem trafen sie mit einem orthodoxen Juden zusammen, der ihnen seine Meinung zu den Besitzrechten im heiligen Land erklärte.

Ulrich Greder weiß, dass es nicht immer leicht ist für seine Schüler, diese Reise zu machen. "Wir erleben immer wieder einen großen Kulturschock", erklärte der Pfarrer, der die Exkursion zum zweiten Mal gemacht hat. Die Schüler werden mit Dingen konfrontiert, die sie von zu Hause nicht kennen "Da ist das sehr friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, aber auch der verbitterte Hass zwischen den Religionen und Kulturen", schilderte Greder gegenüber der BZ die Stimmung während der Reise. Die Schüler fühlten sich davon emotional sehr betroffen. "Da ist es wichtig, dass es ihnen gelingt, die Eindrücke rational zu verarbeiten und darüber zu sprechen."

Um ein Gespür für den komplexen Konflikt im Nahen Osten zu bekommen, ist eine Reise in die betroffene Region die beste Möglichkeit. Die Zuhörer im gut besuchten Paul-Gerhardt-Haus merkten den Jugendlichen das Verständnis für die Situation in Israel an. Gerade in Gesprächen mit Jugendlichen sei ihnen klar geworden, dass viele Menschen dort Freiheit und Frieden wünschten, erklärten die Schüler. Menschen auf beiden Seiten könnten sich ein Leben mit den anderen vorstellen und viele seien bereit, die Geschichte zu vergessen.

Autor: Axel Dröber