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07. März 2017

Zeichen gelungener Ökumene

Festgottesdienst läutet in Kirchhofen Reformationsgedenkjahr ein / Erinnerung an blutige Ereignisse im Juni 1633.

  1. Der Posaunenchor aus Ihringen unter der Leitung von Thomas Groß gestaltete den Gottesdienst musikalisch. Foto: Ruben Moratz

  2. Die Pfarrer Herbert Malzacher (links) und Fritz Breisacher wollen konfessionelle Wunden heilen. Foto: Ruben Moratz

EHRENKIRCHEN. Das Wasserschloss in Kirchhofen steht in Flammen. Aus den Fenstern der Kirche Mariä Himmelfahrt dringt Rauch. Aus Furcht vor den Flammen springen Menschen aus dem Turm. Vor den Gebäuden töten berittene Krieger mit Lanzen die Einheimischen. Viele liegen verletzt oder leblos am Boden. Diese Szene stammt vom 18. Juni 1633: Der Dreißigjährige Krieg, der sich immer stärker vom religiösen zum politischen Krieg wandelte, hatte Südbaden erreicht. Um daran zu erinnern, fand jetzt in Kirchhofen ein ökumenischer Festgottesdienst statt.

Die protestantischen Schweden brachen 1633 den Widerstand im katholischen Kirchhofen, ermordeten etwa 300 sogenannte Rebellen, Männer, Frauen, Kinder. Als der evangelische Pfarrer Fritz Breisacher das beschriebene Bild als Zugezogener vor vier Jahren zum ersten Mal sah, war er zutiefst schockiert, erinnert er sich. Es hängt zur Mahnung im Rathaus des Ortes. "Wir wollten zum Auftakt des Reformationsgedenkjahres 2017 die Erinnerung an diese schrecklichen Ereignisse thematisieren", so Breisacher. Deshalb veranstaltete er mit seinem katholischen Kollegen Herbert Malzacher am Sonntag in der ehemals zerstörten Kirche einen ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto "Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen". Etwa 150 evangelische und katholische Christen nahmen daran teil, für besondere musikalische Begleitung sorgte der Ihringer Posaunenchor unter der Leitung von Thomas Groß.

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"Die Geschichte der Kirchen ist leider auch eine Geschichte von Verletzungen", sagte Pfarrer Malzacher zu Beginn des Gottesdienstes. Gerade deswegen wollen es Malzacher und Breisacher den obersten Repräsentanten ihrer Kirchen in Deutschland gleich tun: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, bemühen sich, Gemeinsames über Trennendes zu stellen. Wie Marx und Bedford-Strohm sind auch Malzacher und Breisacher bereits gemeinsam nach Rom gereist. Beide interkonfessionelle Duos verstehen sich, mögen einander, beten miteinander.

Malzacher erklärte die Versöhnung zwischen den Kirchen mit einem Ratschlag, den er einmal von einem alten Ehepaar für ein junges Paar erfragt hatte: "Nie den Tag unversöhnt beenden." Das wünsche er sich für das Miteinander der Konfessionen und letztlich für alle Menschen. Breisacher unterstrich, dass Versöhnung mehr sei als Verbrüderung. Während Zweiteres interessengeleitet sei, ziele die Versöhnung auf eine dauerhafte heilsame Beziehung, so der evangelische Pfarrer: "Kraftvolle Menschen sind versöhnliche Menschen."

Als Zeichen der Versöhnung sollten die Gläubigen einander mit duftendem Öl ein Kreuz auf den Handrücken streichen. Daraufhin sprach die konfessionell durchmischte Gemeinde eine Selbstverpflichtung. Sie will "im Geist der ökumenischen Geschwisterlichkeit konkrete Schritte gehen", besonders in Bezug auf Friedensarbeit, soziale Gerechtigkeit und auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen. Nach diesem großen Versprechen zog die Gemeinde aus der Kirche zum Wasserschloss, wo an die Ereignisse im Dreißigjährigen Krieg erinnert wurde. Günther Kaiser las dazu einen Text des Freiburger Historikers Hugo Ott. Er betonte, dass im Vorfeld des Massakers vom 18. Juni 1633 auf beiden Seiten grausame Dinge geschehen seien. Besonders schmerzlich und unfassbar sei, dass sich sowohl Protestanten wie Katholiken auf den Namen Christi und das Evangelium berufen hätten. Kaiser erinnerte an die Schriftlesung vom 19. Juni 1633, dem Tag nach dem Gemetzel von Kirchhofen. Sie steht im ersten Petrusbrief und wurde am Sonntag wiederholt, da sie den Irrsinn des Krieges offenbart: "Seid alle eines Sinnes, voll Mitgefühl und brüderlicher Liebe, seid barmherzig und demütig."

Religion ist immer noch mit Krieg und Terror verbunden

Das gemeinsam gesungene Schlusslied "Komm, Herr, segne uns" erhielt durch das Thema des Gottesdiensts ein besonderes Gewicht. "Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden", heißt es darin. Die Kirchhofener Pfarrer zeigten sich dankbar für den Frieden und das Miteinander, das zwischen den Kirchen in Deutschland entstanden ist. Global gesehen ist Religion aber noch immer ein Thema, das mit Krieg, Terror und Entzweiung verbunden wird. Deshalb ist sich Pfarrer Breisacher sicher: "Die Welt braucht das Zeichen gelungener Ökumene."

Autor: Ruben Moratz