Eichstetten

Abgeschobener Bauarbeiter wieder aus Italien zurück

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Von Manfred Frietsch & Horst David

Fr, 04. November 2016 um 17:33 Uhr

Eichstetten

Der Flüchtling Badinding Jaiteh aus Gambia arbeitete für eine Eichstetter Firma, dann wurde er abgeschoben. Inzwischen ist er wieder zurück im Breisgau. Wie kam er zurück und wie geht es weiter?

Nur gut fünf Tage dauerte die Italienreise, die Badinding Jaiteh Ende Oktober unfreiwillig angetreten hatte. Den 41-jährigen Gambier hatte die Bundespolizei in seinem Zimmer in Hugstetten abgeholt und in Handschellen nach Frankfurt gebracht und dort in ein Flugzeug nach Mailand gesetzt. Der Grund: Er hatte keine Aufenthaltserlaubnis mehr und wurde nach Italien abgeschoben, dem EU-Land, wo er zuerst als Flüchtling registriert worden war, im Jahr 2008. Doch inzwischen ist Jaiteh wieder in den Breisgau zurückgereist, mit dem Zug.

"Was soll er in Italien? Dort hat er nichts und niemanden, der sich um ihn kümmert – hier aber hätte er eine Arbeit", das sagte schon vor einer Woche Beate Meier. Sie ist Geschäftsführerin der Erwin Meier GmbH. Die Eichstetter Baufirma ist derzeit gut beschäftigt und daher froh um jeden verfügbaren Mitarbeiter. Am Mittwoch, 19. Oktober, hatte aber einer von ihnen gefehlt: Jaiteh. Nachforschungen nach dem Bauhelfer blieben erfolglos – bis er später anrief, vom Frankfurter Flughafen aus, wo schon das Flugzeug nach Italien wartete. Die Abschiebung ließ sich da nicht mehr verhindern.

Drei Tage bei der Mailänder Bahnhofsmission

Keine nennenswerten Hindernisse gab es aber offenbar auch für die Rückkehr des Gambiers. Jaiteh harrte zunächst drei Tage bei der Mailänder Bahnhofsmission aus – dorthin ging er, nachdem ihn die italienische Polizei in Empfang genommen und passieren ließ – eine andere Anlaufstelle gab es für ihn in Italien nicht. Er löste schließlich eine Zugfahrkarte nach Deutschland, für die letzten Kilometer hatte er sogar noch die Regiokarte dabei. Auch ohne gültige Papiere stieß er so bei der sonntäglichen Durchreise ohne Kontrollen durch die Schweiz und damit über zwei Grenzen auf keine Probleme – eine Erfahrung, die Flüchtlinge zuletzt offenbar öfters machen, wie mehr als nur ein Insider gegenüber der BZ bestätigt.

Nur, wie es jetzt in Deutschland für den Afrikaner weitergehen kann, das ist alles andere als problemlos. "Arbeiten kann er erst einmal nicht" bedauert Beate Meier, denn ohne gültigen Aufenthaltsstatus ist das alte Arbeitsverhältnis nicht ohne weiteres fortsetzbar, auch wenn der Arbeitsvertrag bis ins Jahr 2017 hinein genehmigt war. Schon ein Dreivierteljahr hatte Jaiteh bei der Baufirma Meier gearbeitet, anfangs als Praktikant, dann, seit Februar als fest angestellter Arbeiter, immer mit Tariflohn und sozialversicherungspflichtig, wie jeder andere "normale" Kollege auch.

Jaiteh ist Paradefall eines Flüchtlings

In dieser Zeit hat der Gambier, wie vorher schon, in der Flüchtlingsunterkunft der Gemeinde March im früheren Hugstetter Feuerwehrhaus gewohnt.

Dort logiert er auch jetzt wieder. "Wir legen ihm da keine Steine in den Weg", sagt Marchs Hauptamtsleiter Joachim Heinrich. Da Jaiteh Geld verdient, hatte er die Mietkosten der Unterkunft zuletzt selbst bestritten. Für Heinrich ist Jaiteh ein Paradefall eines Flüchtlings, der sich mit eigenem Zutun gut integriere. Es sei auch für den in March rührigen Helferkreis ziemlich frustrierend, wenn gerade so jemand abgeschoben werde, auch im Vergleich zu manch anderen Flüchtlingen, "die nichts tun", so Heinrich.

So war es auch die für Marcher Flüchtlinge eingesetzte Caritas-Mitarbeiterin Christine Gfrörer gewesen, die zu Jahresbeginn den Kontakt zwischen der Firma Meier und dem Gambier vermittelt hatte und begleitende Hilfestellung der Caritas zugesichert hatte. Auch wenn da noch viel Bürokratie auf die Firma zukam – was Beate Meier heute noch den Kopf schütteln lässt – bereut sie den Schritt nicht. Im Gegenteil: Schnell zeigte sich, dass Jaiteh, der Maurererfahrung aus Afrika mitbrachte, bei den Arbeiten sich zurecht fand und auch mit den Kollegen klarkam.

Jaiteh hatte in Italien Asylantrag gestellt

Doch im Sommer hatte der 41-Jährige eine Vorladung zur Ausländerbehörde bekommen. Seine Aufenthaltsgestattung wurde Mitte September abgelöst durch eine nur noch zweiwöchige Duldung, verbunden mit der Verpflichtung zur Ausreise. "Da wussten wir, dass die Gefahr der Abschiebung bestand", erklärt Gfrörer. Der Grund dafür: Jaiteh war schon 2008 nach Italien gekommen, hatte dort einen Asylantrag gestellt. Damit kam er aus einem sicheren Drittland, als er Anfang 2014 in Deutschland einreiste.

"Vlelleicht geht alles gut – das ist mein Denken"

Badinding Jaiteh
Für das Bundesamt für Flüchtlinge (BAMF) war dies ausschlaggebend, um ihm kein Bleiberecht zuzuerkennen. Und anders als bei seit August 2015 gekommenen Flüchtlingen wird für die "Altfälle" noch die "Dublin-Regel" angewandt, wonach der EU Staat zuständig ist, in dem ein Flüchtling zuerst registriert wurde – und in Jaitehs Fall war dies eben seit 2008 Italien. Er ist kein Einzelfall, denn es gibt viele Altfälle.

"Wir haben Flüchtlinge, die sind seit zwei Jahren hier, bis sie endlich ihren Anhörungstermin bekommen haben", weiß Caritas-Mitarbeiterin Gfrörer. Und das gilt besonders für Flüchtlinge aus Ländern mit geringer Bleibeperspektive wie Gambia. Statt diese Fälle schnell zu entscheiden, werden sie aufgeschoben, da Flüchtlinge aus Syrien oder Irak Vorrang haben. Das aber führt dazu, dass gerade die Flüchtlinge, die eigentlich wenig Aussicht aus Asyl haben, besonders lange in der Warteschleife bleiben.

War jüngste Abschiebung rechtsgültig?

Doch nun könnte neue Bewegung in den Fall kommen. Jaiteh hat einen Asylfolgeantrag gestellt, für den er am 11. November bereits einen Anhörungstermin in der Karlsruher Außenstelle des BAMF bekommen hat. Beate Meier will ihn dorthin begleiten. Und ein Freiburger Anwalt prüft, ob die jüngste Abschiebung auch in formeller Hinsicht wirklich rechtsgültig war.

Auch Politiker wurden von dem Fall verständigt und Beate Meier hat ihren Bauverband eingeschaltet. Sie will rasch eine Perspektive, zumal Jaiteh, der nun zur Untätigkeit verdammt sei, "die Decke auf den Kopf fällt". Der Afrikaner selbst drückt es so aus: "Vielleicht geht alles gut, das ist mein Denken". Auch Meier und Gfrörer hoffen auf ein gutes Ende. Und beide hielten es für absurd, wenn jemand, in dessen erfolgreiche Integration öffentliches Geld investiert wurde, abgeschoben würde.

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