Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

15. April 2016 17:13 Uhr

Eichstetten

"Wir hoffen, dass diese Idee Verbreitung findet"

Der Freiburger Hydrologieprofessor Jens Lange hat das Forschungsprojekt zur Nutzung der beiden Eichstetter Hochwasserückkhaltebecken maßgeblich mitgestaltet. Manfred Frietsch sprach mit ihm über die weitere Zukunft des Projekts.

  1. Jens Lange von der Professur für Hydrologie der Universität Freiburg Foto: Manfred Frietsch

BZ: Sind die Arbeiten in Eichstetten nun fertig oder gehen sie noch weiter?
Lange: Die die baulichen Umstrukturierungen der Feuchtflächen und der Beckenanlage sind jetzt abgeschlossen. Das hat die Gemeinde nach unseren Vorgaben und Planungen umgesetzt. Nun stehen die verschiedenen Forschungen und weiteren Messungen zum Pestizidabbau im Mittelpunkt, von den Umweltchemikern wie von uns Hydrologen. Wir messen die Vorgänge und Veränderungen in den neu strukturierten Flächen. Analysen zu Pestiziden werden an der Uni Lüneburg durchgeführt. Das läuft nun bis Frühjahr 2018.

BZ: Wenn sich regelmäßig Löss ablagert, wird der dann ausgebaggert?
Lange: Es ist ein natürliches System, bei dem Sediment eingetragen wird, die Feuchtflächen werden sich also ändern über die Jahre, da wollen wir auch nicht eingreifen. Das Ganze ist schon auf gut 15 bis 20 Jahre angelegt, bis mit einer kompletten Verlandung zu rechnen ist. Dann könnten neue Feuchtflächen an anderer Stelle im Becken angelegt werden, dazu hat der Bürgermeister auch schon prinzipiell Bereitschaft bekundet. Natürlich ist es so, dass wegen des Hochwasserschutzes Becken ausgeräumt werden müssen. Im Becken Breitenweg, das 2006 angelegt wurde, ist dies nun im vergangenen Winter erst geschehen.

Werbung

BZ: Welche Bedingungen müssen gegeben sein, damit sich auch andernorts Rückhaltebecken für den Abbau von Pestiziden eignen?
Lange: Wir brauchen einen Wasserlauf, der durch das Becken führt und ganzjährig Wasser führt. Wenn dem so ist, kann man ökologisch gestalterische Arbeiten ausführen, Retentionsraum schaffen wie in Eichstetten, um die Verweilzeit des Wassers zu verlängern. Läuft da aber ein Betonkanal durch, wie das oft noch in Becken zu finden ist, geht das nicht, dann fließt das Wasser rasch durch und Umgestaltungsmaßnahmen lohnen sich besonders.
BZ: Gibt es schon andere Becken, wo das angewendet werden könnte, und wie sähe die Finanzierung aus?
Lange: In Eichstetten zeigt sich, wie ohnehin fällige Unterhaltungsarbeiten mit ökologischer Umstrukturierung verbunden werden können. Das ist für später auch noch in einem kleinen Becken im Glückental angedacht. Es ließe sich auch auf andere Orte übertragen, denn wenn ein Becken saniert werden muss und Sedimente abzutragen sind, steht ja ohnehin ein Bagger im Becken, mit dem man die Modellierung für geeignete Feuchtflächen für den Pestizidabbau vornehmen könnte. Da fallen keinen Zusatzkosten an. Wir hoffen sehr, dass diese Idee Verbreitung findet. Es kommt dabei viel auf die Bereitschaft von Einzelpersonen an, insbesondere von Bürgermeistern.

Jens Lange ist außerplanmäßiger Professor an der Hydrologie, Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen der Uni Freiburg
.

Autor: fri