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13. November 2015

Zu hörende Entwicklung der orthodoxen sakralen Musik

Der Förderverein für Orgel-und Kirchenmusik hat ein Konzert des Freiburger John Sheppard Ensembles in Eichstetten organisiert .

  1. Das John Sheppard Ensemble in der Eichstetter Kirche Foto: Herbert Binninger

EICHSTETTEN. Wieder einmal erschallte im musikverwöhnten, altehrwürdigen Gemäuer der Eichstetter Kirche vor zahlreichem Publikum Chorgesang auf höchstem Niveau: Der Förderverein für Orgel-und Kirchenmusik hat zu dessen Jubiläum das John Sheppard-Ensemble aus Freiburg geladen. Den 500. Geburtstag des Namensgebers John Sheppard, der von 1515 bis 1559 lebte, gab es zu feiern und außerdem den 20. Jahrestag der Chorgründung. Die Freude über dieses Jubiläum teilten die Choristen im Konzert mit dem Titel Jubilee durch Ensemble- und Chorvorträge mit den Zuhörern.

In der Reihenfolge des Geburtsjahres der Komponisten wurden die Werke aufgeführt. Dies ermöglichte den Zuhörern, die hochinteressanten Entwicklungsstufen der überwiegend englisch-sakralen Vokalmusik bis ins Heute zu verfolgen. Von dem ältesten Komponisten, John Taverner (1490 geboren), erklang "Christe Jesu Pastor bone" (Jesus Christus, guter Hirte), von einem Quartett gesungen und aus dem Johannesevangelium die Vertonung von "If ye love me" (Wenn ihr mich liebt, haltet meine Gebote). Ein Quintett sang vom Namensgeber John Sheppard das rhythmisch wie harmonisch höchst anspruchsvolle "The Lord Prayer" (Vater unser) und ein Septett (in Einzelbesetzung) das siebenstimmige "Ave verum corpus" von William Byrd. Mit einer veränderten Akustik durch den Gesang auf der Empore sang ein Oktett von Henry Purcell "Hear my prayer" (Höre mein Gebet).

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Nach weiteren solistischen Ensemblevorträgen sangen 23 Choristen von R.L. Pearsall "Great God of Love (Großer Gott der Liebe) und erstmals der ganze Chor von Charles Villiers Stanford "Justorum animae (Die gerechten Seelen). Großartig war der Sound des Gesamtchores mit 30 Sängern, hervorragend die Balance der Stimmen ohne eine Überdominanz im Sopran, die saubere Intonation im satten Forte wie im feinsten verklingenden Piano am Schluss. Bei Vaughn-Williams "The souls oft he righteous" (Die Seelen der Gerechten) beeindruckte besonders der Schluss mit der vollen Lautstärke des Chores. Zu dem einleitenden Sologesang von Chorleiter Bernhard Schmidt begann ein Werk der Neuzeit von William Walton, "Set mea as a seal" und von Gabriel Jackson "I gaze upon you" (Ich schaue auf euch), einer Komposition, die der Chor trotz schwierigster dissonierender Harmonien meisterhaft intonierte.

Schlusstitel und gefühlter Höhepunkt des Konzertes war die Auftragskomposition von dem zeitgenössischen Komponisten, Musikwissenschaftler und orthodoxen Priester Ivan Moody zum 20-jährigen Bestehen des Chores. "...grace upon her heart..." (Gnade auf ihr Herz), mit unverkennbaren Stilelementen der orthodoxen sakralen Musik und betont meditativem Charakter.

Großartig war auch die Leitung des Chores durch Bernhard Schmidt und dessen exaktem Dirigat, einer Mischung aus klassischem Dirigieren und gestischer Klangrede. Für den großen Beifall bedankte sich der Chor mit einer gemeinsamen Verbeugung und einer Zugabe.

Autor: Herbert Binninger