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28. Juli 2014

Ein Abend Anerkennung für Alltagshelden

Die Initiative "Für mich, für uns, für Freiburg-Nördlicher Breisgau" hat den Bürgerpreis 2014 an acht ehrenamtlich engagierte Gruppen und Einzelne vergeben.

FREIBURG/DENZLINGEN/WALDKIRCH. Sie stehen stellvertretend für viele: Der "Bürgerpreis Freiburg-Nördlicher Breisgau 2014" ging am Donnerstagabend in der Meckelhalle der Sparkasse an acht Gruppen und Einzelne, die sich ehrenamtlich engagieren. Die Initiative "Für mich, für uns, für Freiburg-Nördlicher Breisgau" gründete sich 2004. Sie besteht aus Bundestagsabgeordneten, Vertretern der Verwaltungen von Freiburg, Emmendingen und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, dem BZ-Herausgeber Christian Hodeige und der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, die 8000 Euro stiftete.

In ihren Ansprachen betonen alle: Noch viel mehr Engagierte hätten Preise verdient – beworben hatten sich 59. Und eigentlich ist bei allen klar: Sie bleiben daran, über viele Jahre. Besonders dauerhaft aber engagieren sich diejenigen, die Bürgerpreise in der Kategorie "Lebenswerk" bekommen haben – Voraussetzung dafür ist, dass sie seit mindestens 25 Jahren aktiv sind. So wie die Freiburgerin Hildegard Büchner und Renate Baumgartner aus Denzlingen.

Hildegard Büchner hat seit 1986 im "Helferkreis für Mutter und Kind" für überforderte junge Mütter unter anderem die Kita "Kindernest" mitgegründet. Sie hat Frauen Schutz vor gewalttätigen Männern geboten und 20 Wohnungen für unverheiratete Mütter in einer Zeit aufgetan, als deren gesellschaftliche Lage noch von wenig Akzeptanz geprägt war.

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Auch Renate Baumgartner hat einen ihrer Schwerpunkte vor 30 Jahren auf Frauen gelegt – die Anlaufstelle "Frauen in Not" ist eines von ihren drei Themen. Außerdem engagiert sie sich für ein Kinderhospital in Bethlehem und die Tafelläden. Um diese Projekte mitzufinanzieren, organisiert Renate Baumgartner Adventsbazare und Flohmärkte in ihrer Kirchengemeinde.

Engagement fängt oft früh an: In der Kategorie "U 21" werden junge Aktive gewürdigt – diesmal die Jugendgruppe des Theaters Waldkirch, die mit Jugendlichen von der Sehbehindertenschule Waldkirch einen Film über eine alleinerziehende Mutter und ihre drei Kinder gedreht hat, eines der Kinder lebt mit Down-Syndrom. Völlig überrascht worden sei laut Felicitas Adobatti, Regisseurin des Kinder- und Jugendtheaters Waldkirch, die Gruppe damit, dass ihr Filmprojekt "Nachtschwärmer" gewonnen hat. "Wir haben uns sehr, sehr gefreut!" Die Auszeichnung sei für die Jugendlichen eine Bestätigung ihrer ehrenamtlichen Arbeit, die nicht nur Spaß gemacht habe, sondern auch ehrenvoll gewesen sei. "Wir wurden ausgewählt, weil Jugendliche aus der Sehbehindertenschule und die Jugendlichen vom Theater zusammen diesen Film über Inklusion gemacht haben", betonte Adobatti und gab bekannt, dass der Film ab kommendem Freitag in der Buchhandlung Augustiniok in Waldkirch käuflich erworben werden kann.

Wer selbst nicht mehr jung, sondern etabliert ist, hat besonders gute Möglichkeiten, anderen Chancen zu bieten: Der Softwareentwickler Achim Hornecker macht das und wurde in der Kategorie "Engagierte Unternehmer" ausgezeichnet. Er spendet für Projekte für benachteiligte Jugendliche und begleitet sie auch persönlich – von Mathematiknachhilfestunden in seinem Büro bis zur Suche nach einem Ausbildungsplatz, die manchmal in sein Unternehmen führt.

Dann gibt’s noch die vierte Bürgerpreis-Kategorie: Als "Alltagshelden" wurden die Sprachhilfe Kollnau, der Lehrer Gerhard Joeckle, der Sehbehindertenbetreuer Jürgen Kreienkamp und die Initiative "S’Einlädele" ausgewählt.

In der "Sprachhilfe Kollnau" geben Sprachförderinnen Migrantenkindern der Grund- und Werkrealschule Deutschunterricht.

Auch Gerhard Joeckle kümmert sich um Schüler, die es schwerer haben als andere: An der Freiburger Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule gibt er denen eine Chance, die sonst keine mehr bekommen – zum Beispiel als Schulabbrecher, Förderschüler, Flüchtlinge. Er hilft ihnen bei der Suche nach einer Nische – nicht nur als Lehrer, sondern auch in der Freizeit.

Für Jürgen Kreienkamp hatte einst alles mit der Freundschaft zu einem Mann mit Sehbehinderung angefangen. Inzwischen geht er seit rund 30 Jahren regelmäßig im Blindenheim vorbei, begleitet Bewohner zu Ärzten, organisiert mit ihnen Feste, Fahrdienste, Einkäufe und wirkt als beständiger "stiller Helfer" im Hintergrund.

Nicht nur vor Ort, sondern in die Ferne gerichtet engagieren sich die Initiativen rund ums "S’Einlädle": Vom Stühlinger aus unterstützen der Laden und das Café mit Hilfslieferungen und Spenden Projekte in der Ukraine. So entstanden unter anderem drei Kinderhäuser und Zentren für Senioren und Menschen mit Behinderung. Derzeit ist angesichts der Krise in der Ukraine besonderer Einsatz nötig: Die "Ukraine-Nothilfe" organisiert Lebensmittelpakte für Kinder und Ältere.

Autor: Anja Bochtler