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08. Oktober 2009

Anschlag gegen Gen-Rebstöcke

Umweltschützer in Colmar vor Gericht / Versuchspflanzung wird nachträglich als illegal eingestuft

  1. Auch im Elsass sind genveränderte Reben ungeliebt. Foto: dpa

COLMAR (bnü/dpa). Vor einem Monat hatte ein 46 Jahre alter Umweltschützer auf dem Gelände des landwirtschaftlichen Forschungsinstituts in Colmar 100 Weinreben abgeschnitten, die Teil eines gentechnischen Experiments waren. Das Institut sprach danach von einem Millionenschaden und der Zerstörung einer vierjährigen Forschungsarbeit. Am Mittwoch saß der Mann als Angeklagter in Colmar vor dem Richter. Er habe eine öffentliche Diskussion über die Risiken der Gentechnik anregen wollen, begründete der promovierte Biologe seine Tat.

Am Morgen des 7. September hatte der Mann die Rebstöcke knapp über dem Erdboden abgeschnitten, auch 70 genetisch veränderte Rebstöcke. Das Forschungsprojekt galt jenem Virus, der die für Weinreben gefährliche Reisigkrankheit überträgt. Bis Jahresende sollte das Projekt abgeschlossen werden. Die im Gericht anwesenden Naturschützer wandten sich gegen das Forschungsprojekt. "Man finanziert Forschung, die wir nicht brauchen. Die Reisigkrankheit betrifft uns kaum", sagte der Bio-Winzer Jean-Pierre Frick aus Pfaffenheim. Wegen der Überproduktion bei Wein zahle die EU seit zwei Jahren die Beseitigung von 400 000 Hektar Weinreben in Europa: "Da dient die Reisigkrankheit als Regulator."

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Dem Täter ist allerdings die Justiz selbst zu Hilfe gekommen. Vergangenen Montag überraschte das Straßburger Verwaltungsgericht alle Beteiligten mit einem Urteil, das den Freilandversuch wegen eines Formfehlers nachträglich als illegal einstuft. Vor diesem Hintergrund könnte der Richterspruch gegen den Rebenzerstörer vergleichsweise milde ausfallen: Er machte ein Experiment zunichte, das laut Gericht widerrechtlich angelegt worden ist. Allerdings drohen dem Angeklagten auch bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe von 45 000 Euro.

Vor vier Jahren hatte der Umweltschutzverband Alsace Nature Klage gegen den Versuch eingereicht. Ironie der Geschichte: Inzwischen hatte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Forschungsinstitut, der Bauernvereinigung und den Umweltschützern von Alsace Nature entwickelt. Alsace Nature beabsichtigte deshalb, die jetzt erfolgreiche Klage zurückzuziehen.

Autor: bnü