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24. September 2012

Auerhuhn oder Windkraft oder beides?

Veranstaltung über potenzielle Windkraftstandorte zeigt auch Prioritätenprobleme / Pläne liegen bis 24. Oktober öffentlich aus.

  1. Eifrig diskutiert wurden die Pläne zur Windkraftnutzung im oberen Elztal. Naturschutzbelange und Förderung der Windenergie lassen sich nicht immer harmonisch vereinen. Foto: Thomas Steimer

ELZACH. Mit einer Bürgerinformationsveranstaltung im Elzacher Haus des Gastes hat der Gemeindeverwaltungsverband Elzach einen weiteren Schritt in Richtung Windkraft im oberen Elztal getan. Auch wenn grundsätzlich Einigkeit bestand, den Ausbau der Windenergie zu fördern, wurden auch Konfliktlinien deutlich, vor allem hinsichtlich des Naturschutzes.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Roland Tibi führte der derzeitige Vorsitzende des Gemeindeverwaltungsverbandes Elzach, Clemens Bieniger (Bürgermeister in Winden), durch den Abend. Mit etwa 60 Besuchern aus den drei betroffenen Gemeinden Biederbach, Elzach und Winden war die Veranstaltung zwar geringer besucht als von den Veranstaltern erwartet, doch die Beiträge der Besucher zeigten die unterschiedlichen Positionen.

19 Standorte in der engeren Wahl:
Johannes Dreier, Abteilungsdirektor des Referats Raumordnung im Regierungspräsidium Freiburg, Susanne Miethaner von Faktorgrün und Christian Sammel von Fsp-Stadtplanung erläuterten zunächst den derzeitigen Stand der Planung: Die Gemeindeverwaltungsverbände sind angehalten, ihre Flächennutzungspläne dahingehend fortzuschreiben, dass Flächen für Windenergieanlagen ausgewiesen werden. 19 Standorte, davon 12 in Elzach, 4 in Winden und 3 in Biederbach sind nach gegenwärtigem Stand vorgesehen (die BZ berichtete). Kriterien sind gute Windhöffigkeit und ausreichender Abstand zu Siedlungen und Wohngebäuden. Außerdem sind Naturschutzgebiete tabu.

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Vogelschutzprüfung steht aus:
In der derzeitigen Planung sei allerdings der Vogelschutz noch nicht berücksichtigt worden, so Susanne Miethaner. Dies werde in den nächsten Planungsschritten geschehen, wodurch sich die möglichen Standortflächen noch einmal erheblich verkleinern könnten. Denn gerade die für Windkraftanlagen guten Standorte, wie der Gschasikopf sind auch Heimat von bedrohten Vogelarten, die sensibel gegenüber Windkraftanlagen reagieren. Dazu zählt nicht nur das Auerhuhn, sondern zum Beispiel auch der Rotmilan, das Haselhuhn, der Wespenbussard und der Wanderfalke. Dass es hierzu unterschiedliche Meinungen gibt, wurde im Laufe der Diskussion deutlich.

Prioritätensetzungen:
Der Elzacher Gemeinderat Peter Haiß beispielsweise stellte die Klimaschutzbelange in den Vordergrund. Das Auerhuhn gäbe es auch in Skandinavien, und wenn man den Klimawandel nicht in den Griff bekomme, sterbe es im Schwarzwald ohnehin aus, so Haiß. Peter Willmann, Forstdirektor a.D. stellte dagegen die Bedeutung des Naturschutzes heraus. Er sei nicht grundsätzlich gegen Windkraftanlagen, doch solle man gerade auf das Auerwild Rücksicht nehmen, hier sei das Prinzip Vorsorge wichtig.

Karl Schrimpf, Gemeinderat aus Elzach-Yach rief außerdem ein weiteres Problem in Erinnerung: Die Yacher Landwirte hätten der Errichtung des Naturschutzgebietes Rohrhardsberg nur zugestimmt, weil ihnen vonseiten der Behörden "hoch und heilig" versichert worden sei, dass ihnen dadurch keine wirtschaftlichen Nachteile entstünden. Nun aber, so Schrimpf, entstehe ihnen ein gewaltiger Nachteil: Denn auf dem Naturschutzgebiet können keine Windenergieanlagen errichtet werden, den davon betroffenen Grundstückseigentümern gehe somit die Pacht verloren.

Beteiligung möglich:
Bis zum 24. Oktober können Bürger und Behörden zum derzeitigen Stand der Planung noch Eingaben machen. Diese werden dann überprüft, die Standorte gegebenenfalls beschnitten oder ergänzt, worauf eine zweite Offenlage mit Bürgerbeteiligung erfolgt. Nach einer abschließenden Erwägung der einzelnen Stellungnahmen wird die Verbandsversammlung des Gemeindeverwaltungsverbandes die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes dann beschließen. Das gesamte Verfahren soll im Lauf des Jahres 2013 abgeschlossen sein.

Autor: Thomas Steimer