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08. Juli 2017

Belehrende Dichtung

Referat von Dr. Gottlieb Brunner über die alemannische Lyrik von Johann Peter Hebel.

  1. Gottlieb Brunner, ein Kenner des Lebens und Wirkens von Johann Peter Hebel Foto: Roland Gutjahr

ELZACH (gt). "Un nüt stoht still", außer des Publikums von Dr. Gottlieb Brunner im Pfarrzentrum Elzach. Waren es doch allesamt Zuhörer, die sich einmal in der Schule oder gar mit der Großmutter mit dem "Ma’ im Mond" oder gar mit dessen Schöpfer, Johann Peter Hebel (1760-1826) auseinandergesetzt hatten. Zu der damaligen Zeit war es einem aber doch noch nicht bewusst, dass Hebel mit seinen Werken den hiesigen Dialekt beziehungsweise das Hochalemannisch (wir würden heute dazu das Markgräflerische sagen) in die Weltliteratur eingebracht hatte.

Man hatte sie schnell ins Herz geschlossen, die Gedichte und Geschichten, die sich einfach heimisch anhörten und neben der Schule auch zu Hause mit Eltern und Großeltern immer mal im Gespräch waren. War man auch in manches Hebel-Erlebnis oder -Ergebnis regelrecht verliebt, so bekam man hier von dem Referenten Dr. Gottlieb Brunner, einem gebürtigen Rheinfeldener, zunächst einmal die nie leichten Lebensumstände des Dichters offeriert. In zwei sehr unterschiedlichen Welten aufgewachsen, zum einen in seinem Geburtsort Basel, in dem seine Eltern in einem wohlhabenden Patrizier-Haus lebten und arbeiteten, zum anderen im Heimatdorf seiner Mutter in Hausen im Wiesental, wo die Familie von den ärmlichen Verhältnissen der damaligen Zeit betroffen war. Mit einem Jahr verlor der kleine Johann Peter seinen Vater, der an Typhus starb, ebenso wie seine jüngere Schwester Susanne. Ganz schlimm kam es für ihn, als er als 13-Jähriger miterleben musste, wie seine schwer erkrankte Mutter auf der Reise von Basel ins heimatliche Wiesental starb. Diese Erlebnisse sollten ihn sein Leben lang prägen. Erst mit seinem Gedicht über die Vergänglichkeit, einem Dialog zwischen ihm und seinem Aetti (Vater), setzte er sich mit dem Erlebnis auseinander. Seine daraus gezogene Folgerung: "Alles chunnt un goth".

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Zwischen 1799 und 1802 hat Hebel die meisten seiner alemannischen Gedichte geschrieben. Hiervon eines, das jeder Badener kennen sollte: "Der Schwarzwälder im Breisgau." Wem ist es abhanden gekommen, dass man ja "tausigsappermost, e guete Wi trinkt z’Müllen an der Post". Wem es noch nicht wieder einfällt, es geht weiter "z’ Friburg in de Stadt sufer isch’s un glatt".

Bekannt wurde Hebel neben seiner Lyrik auch durch die "Kalendergeschichten". Die Kalender, wie Lahrer hinkende Bote oder der Badische Landkalender, von den Landesfürsten eingeführt und unterstützt, zum Teil sogar unter Zwang zum Lesen gezwungen, in ihnen waren Hebels interessante Geschichten bei Verlegern wie Lesern gerne gesehen und gelesen. Eine von vielen könne fast schon als Vorläufer eines Krimis gelten, "Der Babierjunge von Sekringen". In einer Zeit, in der elektrische Beleuchtung noch kein Thema war, waren Hebels (Gespenster-) Geschichten, die der Aufklärung dienen sollten, sicherlich heilsame Unterstützung.

Nicht so sehr bekannt im Volke waren Hebels biblische Geschichten, obwohl eine Bibelübersetzung von ihm über 30 Jahre als Schulbuch diente. Vorgestellt hatte Gottlieb Brunner den Mann des Dialekts mit einer von ihm geschriebenen Predigt, die sich Hebel sein ganzes Leben reserviert hatte, falls er doch einmal eine Pfarrerstelle im Markgräfler Land bekommen sollte, was ihm aber sein Leben lang verwehrt wurde. Obwohl Hebel seine "Karriere" als Prälat in der Evangelischen Landeskirche Baden beendete, wo er keine unwichtige Rolle spielte, beklagte er sich über seinen Lebens- und Arbeitsweg: Eine unsichtbare Hand habe ihn immer weiter von dem Ziel seiner bescheidenen Wünsche hinweg geführt.

Ein genialer Hebel sei herübergekommen, betonte Ulrich Ruh bei seinem Dank an den Referenten, der seinen Vortrag immer wieder mit mehr oder weniger bekannten Gedichten und Geschichten des Dichters interessant bespickt hatte und dies als Mann, der das "Hebelalemannisch" sprechen kann und bei seinen Zuhörern viele Gedanken an Kinder- und Jugendzeit geweckt hatte.

Nicht zu vergessen, begonnen und beendet wurde der Abend mit Liedern der alemannischen Liedermacherin Roswitha Dold, die in ihren Liedern ihre Eindrücke über unsere Umgebung verarbeitet.

Autor: gt