Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. Juni 2012

Blitzkraft und Ausdauer

Deutsche Tauziehmeisterschaften in der 600-Kilogramm-Klasse in Elzach / Frauenpower am Wiesenrand.

  1. Hier die Lokalmatadore, die Tauziehgemeinschaft Winden-Kollmarsreute. Foto: Kurt Meier

  2. Aufwärmtraining auf „tauzieherisch“. Foto: Fotos: Kurt Meier

ELZACH. Starke Männer – ja! Tumbe Muskelprotze – eher nein! Der Tauziehsport ist eine echt faszinierende Angelegenheit. Den Beweis dafür lieferten die Deutschen Meisterschaften in der 600-Kilogramm-Klasse, die vergangenen Sonntag vom Tauziehclub Winden im Domänestadion in Elzach ausgetragen wurden.

Dafür hatten sich insgesamt zwölf Teams gemeldet. Die weiteste Anreise hatte die Mannschaft "Allgäupower" aus Zell in Bayern. Den sympathischsten Fanclub hatte die Landjugend Neckar-Bergstraße dabei: Mit "Frauenpower" wurden die starken Jungs ordentlich gepusht. Vor allem aus Baden-Württemberg kamen die meisten Teilnehmer. Ganz klar, dass die Lokalmatadore da nicht fehlen durften, wie der Tauziehclub Simonswald, das "Dream Team Siegelau" und die Gastgeber des Tauziehclubs Winden, die in einer gemischten Mannschaft gemeinsam mit dem Tauziehclub Kollmarsreute antraten.

In zwei Gruppen eingeteilt, wurde die Vorrunde ausgetragen. Den Kampf um Platz drei trugen der Tauziehclub Eschbachtal gegen die Landjugend Neckar-Bergstraße aus. Spannend war’s und die recht zahlreichen Zuschauer gingen begeistert mit. Am Ende schafften die Eschbachtäler den Sieg und damit Platz drei der Deutschen Meisterschaften. Das Finale bestritten die Sportfreunde Goldscheuer gegen die Tauziehfreunde Böllen (Landkreis Lörrach). Zwei Routiniers waren da am Seil, was – wie die Experten fachkundig feststellten – auch deutlich wurde. Straff gespannt blieb das Seil, doch beide Teams warteten ab. Jeder kleine taktische Vorteil wurde jedoch sofort ausgenutzt und so ging Goldscheuer blitzschnell in den Angriff über, den Böllen jedoch routiniert konterte. Hin und her ging’s, und das ganze drei Minuten lang – doch dann folgte ein unwiderstehlicher Blitzangriff von Böllen: Geschafft! Die erste Runde ging an die Hotzenwälder. Runde zwei wurde nicht weniger spannend, wenngleich wesentlich kürzer. Böllen schlug alle taktischen Finessen in den jetzt stürmisch wehenden Wind, verlegte sich von Anfang an auf Angriff und ließ Goldscheuer keine Chance mehr, zu kontern. Sieg für die Tauziehfreunde Böllen, den Sportler und ihr Fanclub mit einem Riesenjubel feierte.

Werbung


Weitere Ergebnisse:
1. Tauziehfreunde Böllen, 2. Sportfreunde Goldscheuer, 3. Tauziehclub Eschbachtal, 4. Landjugend Neckar-Bergstraße, 5. Allgäu Power Zell, 6. Dream Team Siegelau, 7. Tauziehgemeinschaft Winden-Kollmarsreute, 8. Tauziehfreunde Dietenbach, 9. Tauziehclub Wieden, 10. Tauziehclub Simonswald, 11. Tauzieh gemeinschaft Philippinenburg und Tal, 12. Tauziehclub Neuried.

Die Tauziehfreunde Winden:
Die Deutschen Tauziehmeisterschaften in der 600 Kilogramm-Klasse wurden von den Tauziehfreunden Winden organisiert. Diese feiern 2012 ihr zehnjähriges Bestehen. Hervorgegangen ist der Verein aus einer "Stammtischgruppe" von Freunden, die am Tauziehen Spaß hatten und immer wieder an Gerümpelturnieren teilnahm. 2002 gründeten sie offiziell einen Verein, um an Wettkämpfen teilnehmen zu können. Seither ziehen sie in der Landesliga. Der Verein umfasst derzeit 33 Mitglieder, von denen 10 aktive Tauzieher sind. Seit 2010 ist Berthold Nopper Vorsitzender und Ansprechpartner (Tel. 0178/ 7524411). Der Verein sucht noch Nachwuchs – sowohl im Aktivenbereich als auch in der Jugend. Mindestalter für alle Interessierten ist zwölf Jahre, ein Höchstalter für Erwachsene gibt es nicht.

Tauziehen im Fernsehen:
Ausschnitte der Tauziehmeisterschaften in Elzach sendet das Zweite Deutsche Fernsehen voraussichtlich am Freitag in der ZDF-Sportreportage.

Tauziehen

Acht "Zieher" gehören zu einer Tauziehmannschaft. Dazu kommt ein Auswechsler und ein Trainer. Das Tau ist mindestens 32 Meter lang. In der Mitte befindet sich eine rote Markierung. Sie liegt zwischen zwei weißen Markierungen, die acht Meter auseinander liegen. Ein Wettkampf geht über maximal drei Runden. Gewonnen hat das Team, das zuerst zweimal die weiße Markierung des gegnerischen Teams über die Mittellinie gezogen hat. Ein entscheidender "Mann" in einem Tauziehteam ist der "Ankermann". Er ist der Stabilisator des ganzen Teams und steht ganz hinten. Er ist auch der einzige, der das Seil zwischen Körper und Oberarm einklemmen darf. Alle anderen dürfen nur frei am Seil ziehen. Verbote gibt es einige: So zum Beispiel das Aufsitzen auf dem Boden, das "Vorstampfen" von Fußlöchern im Boden, das "Rütteln" am Seil usw. Über die Einhaltung der Regeln wacht ein Schiedsrichter, der bei Regelverletzungen Verwarnungen oder auch Disqualifizierungen ausspricht. Verletzt sich ein "Zieher", darf er ausgetauscht werden.  

Autor: mkt

Autor: Kurt Meier