Klangfarben vollends gerecht geworden

Ulrich Ruh

Von Ulrich Ruh

Sa, 24. November 2018

Elzach

Konzert mit Cuthbertson.

ELZACH. Am Abend des Volkstrauertags gab der seit langer Zeit in Waldkirch lebende englische Pianist William Cuthbertson im Pfarrzentrum ein Konzert, dessen Programm auf den Charakter des Gedenktags bestens abgestimmt war. Veranstaltet wurde es vom Katholischen Bildungswerk Elzach, das sich mit seinen Angeboten beharrlich bemüht, in einem für Bildungsarbeit eher schwierigen Umfeld interessante und anregende Akzente zu setzen. Diesmal konnte es sich über ein Publikum von etwa 50 Personen freuen.

Cuthbertson spielte zunächst einfühlsam zwei Bearbeitungen bekannter Choräle von Johann Sebastian Bach, den Ohrwurm "Jesus bleibet meine Freude" (aus der Kantate Nr. 147: "Herz und Mund und Tat und Leben") und von "Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ" aus dem "Orgelbüchlein", dessen Original in der düsteren Tonart f-Moll steht. Im ersten Konzertteil präsentierte er auch das eindrucksvolle Impromptu in Ges-Dur von Franz Schubert und die zweite Sonate von Alexander Skrjabin in gis-Moll, in der sich der russische Komponist von Aufenthalten am Meer in Italien wie in seinem Heimatland anregen ließ. Bei beiden Stücken wurde Cuthbertson den Klangfarben und Schattierungen voll gerecht und ließ sie für seine Zuhörer zum Hörerlebnis werden. Hauptwerk des Abends war die Sonate Nr. 2 in b-Moll von Frédéric Chopin, eine schon durch ihre Form außergewöhnliche Komposition. Der polnisch-französische Klaviervirtuose Chopin lässt auf zwei technisch sehr anspruchsvolle Sätze als dritten Satz den berühmten "Trauermarsch" mit seiner einprägsamen Melodik folgen und dann den in seiner Kürze und Machart verstörenden vierten Satz, der aus 74 Takten von mit beiden Händen unisono gespielten Achteltriolen besteht. Cuthbertson bewältigte souverän die ersten Sätze mit ihren wilden Ausbrüchen und harmonischen Kühnheiten und spielte den Trauermarsch so zurückgenommen und gleichzeitig ausdrucksvoll, dass es einem Schauder über den Rücken laufen ließ. Natürlich durfte nach diesem bemerkenswerten, zu Recht heftig beklatschten Konzert eine Zugabe nicht fehlen; selbstverständlich auch von Chopin!