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29. Mai 2017

Lobeshymnen auf Musik(er)

Der größte Blasmusikverband Deutschlands feierte sein 125-jähriges Bestehen in Elzach.

  1. Nicht so sehr das Wort, sondern viel mehr die Musik stand im Mittelpunkt des Festprogramms. Die Stadtmusik Elzach unter ihren Dirigenten Siegfried Rappenecker bot ein ansprechendes Konzert. Foto: Fotos: Kurt Meier

  2. Ehre, wem Ehre gebührt: Patrick Rapp, Präsident des Bundes Deutscher Blasmusikverbände, überreichte Harald Bobeth die goldene Verdienstmedaille des Internationalen Musikverbandes. Foto: Kurt Meier

ELZACH. Das "Who is who" der Blasmusik aus Südbaden und darüber hinaus versammelte sich am Freitagabend im ansprechend dekorierten Haus des Gastes in Elzach. Es galt zu feiern: 125 Jahre Oberbadischer Blasmusikverband Breisgau (OBV).

Wie es sich für einen Musikverband gehört, stand dabei nicht so sehr das Wort, sondern vor allem die Musik im Mittelpunkt: Die Stadtmusik Elzach präsentierte einen vergnüglichen "Lehrabend" in Sachen Volksmusik in vielerlei Variationen von einst und jetzt, moderiert von Ronald Holzmann, dem langjährigen ehemaligen Verbandsdirigenten.

Mit einem Stehempfang in sommerlicher Abendsonne, den der Förderverein der Jugendkapelle der Stadtmusik Elzach ausrichtete, empfing der Jubilar rund 200 geladene Gäste aus Nah und Fern. "Mit ihrem Besuch bekunden Sie, dass Sie die Arbeit der Musikvereine und des Verbandes schätzen", begrüßte Verbandspräsident Harald Bobeth zahlreiche Musikvereinsvertreter, Politiker und Vertreter des öffentlichen Lebens. Er betonte die Verbundenheit mit zahlreichen Verbänden über die Blasmusik hinaus, etwa dem Bund Heimat und Volksleben oder dem Chorverband Breisgau.

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Musik vertreibt den Teufel und macht Menschen fröhlich

Elzachs Bürgermeister Roland Tibi erinnerte an die zweijährige gemeinsame Planungs- und Vorbereitungszeit. Dabei habe er eine sehr engagierte Verbandsspitze kennengelernt, die sich mit viel Herzblut der Sache der Musik verschrieben habe. Die Blasmusik sei "das kulturelle Rückgrat unserer Gemeinden". Die Vereine leisteten darüber hinaus sehr wertvolle gesellschaftliche Arbeit. "Allerhöchsten Respekt für diese Arbeit!".

125 Jahre Volksmusik im Blasorchester – wie stellt man das dar? Mit einem repräsentativen Querschnitt aus der Blasmusikliteratur aus aller Welt über die Jahrhunderte hinweg, hatte sich Siegfried Rappenecker überlegt. Der Verbandsdiritent, zugleich auch Dirigent der Stadtmusik Elzach, hatte sich dazu ein ansprechendes und für die Musikerinnen und Musiker sehr anspruchsvolles Programm einfallen lassen, für das er mit seinem Vorgänger Ronald Holzmann keinen profunderen Moderator hätte finden können. Geistreich und humorvoll führte dieser in die einzelnen Stücke ein, die mit der "Second Suite" von Gustav Holst begonnen hatten.

Volksmusik bestehe aus drei Komponenten, so Holzmann: der traditionellen orchestralen Musik, dem Volkslied und Volkstänzen. Volksmusik gebe es überall auf der Welt. Wo, das intonierte die Stadtmusik unter anderem mit den "Armenischen Tänzen" von Alfred Reed, mit Musik aus England, Puszta-Melodien, aber auch zeitgenössischen Werken wie dem "Bridgewater Breeze" von Adam Gorb. Der Ausflug in die Historie war dem Südtiroler Aufstand um den Freiheitskämpfer Andreas Hofer mit Sepp Tanzers Werk "Tirol 1809" gewidmet und auch ein heimischer Komponist kam zu Ehren: Emil Dörle mit dem Marsch "Maienfest".

"Wo Sprache aufhört, fängt Musik an", betonte der Landtagsabgeordnete Dr. Patrick Rapp. Der Präsident des Bundes Deutscher Blasmusikverbände überbrachte die Glückwünsche seines Verbandes und betonte den hohen Stellenwert, den die Blasmusik gerade auch bei der Jugend in unserer Region habe. Die Glückwünsche der beiden Landräte Hanno Hurth und Dorothea Störr-Ritter überbrachte der erste Landesbeamte des Landkreises Emmendingen, Hinrich Ohlenroth: "In unserer Raumschaft ist die Blasmusik prägend als Ausdruck unserer Kultur", stellte er fest. Sie verbinde Tradition und Zukunft. Sie beweise, dass dies nichts Gegensätzliches ist, sondern zusammengehört.

"Ein herzliches Dankeschön" nicht nur an alle Aktiven, sondern vor allem auch an all diejenigen, die das Musizieren in ihren Organisationen erst möglich machen, stattete der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß im Namen aller anwesenden Bundes- und Landespolitiker ab. Die Kulturförderung sei seiner Ansicht nach "eine Pflichtaufgabe für die Politik", und zwar auf allen Ebenen. Im Lutherjahr zitierte er Martin Luther, der einst schrieb: "Die Musik vertreibt den Teufel und macht den Menschen fröhlich". Mit Blick auf das Weltgeschehen stellte er fest: "Wir haben die Musik dringend notwendig, um den Teufel zu vertreiben".

Was wäre so ein Jubiläumsabend ohne die eine oder andere Überraschung? Die gab’s in Form eines Geburtstagsständchens, das die Versammlung dem Jubilar spontan brachte: Der Kinderkanon "Viel Glück und viel Segen" kam gar stimmgewaltig daher. Und für den Verbandsdirigenten Harald Bobeth gab’s noch eine persönliche Ehrung, mit der dieser zuallerletzt gerechnet hatte: Patrick Rapp überreichte ihm die goldene Verdienstmedaille des Internationalen Musikverbandes (CISM). Damit ehre man einen Mann, der mit großer Leidenschaft, aber auch viel Umsicht und Einfühlungsvermögen seit 2001 an der Spitze des größten Blasmusikverbandes in Deutschland stehe, so Rapp. Zuvor war der in Schallstadt lebende Bobeth stellvertretender Verbandspräsident, Jugendwart, Musikvereinsvorsitzender und Dirigent. Zur Blasmusik gekommen war er im Jahr 1973 als Posaunist in der Stadtkapelle Offenburg.

Besonderen Dank stattete der OBV den fünf Blasmusikvereinen der Stadt Elzach, den Musikvereinen Katzenmoos, Prechtal, Yach, der Trachtenkapelle Oberprechtal und der Stadtmusik Elzach ab. Bürgermeister Roland Tibi überreichte Harald Bobeth die goldene Verdienstmedaille des Oberbadischen Blamusikverbandes.

Autor: Kurt Meier