Emmendingen

350 Jahre Goethe-Gymnasium werden mit einer Theater-Uraufführung gefeiert

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Do, 08. Dezember 2016

Emmendingen

350 Jahre Gymnasium werden mit einer Welturaufführung gefeiert: Jens Uhlenhoff erzählt die Geschichte von Jakob und Elisabeth.

EMMENDINGEN. Eine alte Frau blickt zurück auf ihr Leben. Ihren Mann hat sie in Kriegszeiten kennengelernt, sie flieht mit ihm, in Männerkleidung. Sie heiraten, kehren zurück in seine Heimat, wo er eine Machtposition hat. Doch der Religionsstreit lässt ihn nicht los. Er sucht die Wahrheit und findet den Tod, sie wird inhaftiert, verliert ihre vier Kinder und fragt sich, was sie hätte anders machen können.

Es ist eine starke Geschichte – und sie ist auch noch wahr. Und nein, es ist keine Flüchtlingsgeschichte des 21. Jahrhunderts – es ist die Geschichte von Elisabeth, der Ehefrau von Markgraf Jakob III., dem Gründer Emmendingens. "Kern und Same der Stadtgeschichte" nennt Stefan Gnädinger, Leiter der Theater-AG des Goethe-Gymnasiums, den Stoff. Jens Uhlenhoff, ehemaliger GGE-Schüler und Kulturpreisträger der Stadt, hat sie in ein Musical verwandelt, das am 14. Juli uraufgeführt wird. Der Anlass ist selten genug: Das Goethe-Gymnasium wird 350 Jahre. Gutscheine für die Karten kann man jetzt erwerben, der eigentliche Vorverkauf beginnt im Frühjahr.

Goethe-Gymnasium hieß die Schule freilich nicht immer. Als Lateinschule hat es 1667 angefangen, kurz nach dem 30-jährigen Krieg. Immer spielte die Religion eine Rolle. Und weil das Jubiläum in ein Reformationsjahr fällt, bildet eine Reformationsgeschichte den Verknüpfungspunkt, erklärt Schulleiter Christoph Grießhaber: Die Geschichte von Jakob und Elisabeth ist nämlich auch das. Bekanntlich konvertierte Jakob nach dem Emmendinger Religionsgespräch zum Katholizismus – unter anderem, weil ihm die Luthervertreter nicht erklären konnten, wieso es 1400 Jahre lang, von den Aposteln bis zu Martin Luther, keine Kirche gegeben haben soll, erzählt Gnädinger die Geschichte weiter. Kurz nach dem Glaubenswechsel starb Jakob III., Spuren von Arsen wurden in seinem Körper gefunden. Sein Bruder Ernst Friedrich inhaftierte seine Schwägerin, übernahm die Markgrafschaft und die wurde, cuius regio, eius religio, wieder protestantisch.

"Das wird keine typische Schulaufführung", verspricht Grießhaber – wer die Musical-Projekte von Jens Uhlenhoff kennt, kann ihm getrost zustimmen. Stefan Gnädinger erst recht – der Deutsch- und Religionslehrer, der die Theater-AG der Schule leitet, durfte schon einmal hineinhören und ist völlig begeistert von Jakobs Geschichte, erzählt aus der Perspektive von dessen Frau, aber in heutiger Sprache, mit zeitgemäßer Musik.

Das Musical ist ein Riesenprojekt, Tribüne, Beleuchtung und Tontechnik verschlingen erhebliche Summen, wie Grießhaber sagt. Denn Ort der Handlung ist eine Halle des Wehrle-Werks – die Technik muss die Schule also mitbringen. Deswegen ist sie auf der Suche nach Spendern und Sponsoren. Zwar soll bei den Projekttagen 2017 unter dem Motto "350 plus" ein Rahmen für Festakt und Musical entstehen. Doch allein für das Musical sind 65 000 Euro veranschlagt, die nur zum Teil über Eintrittspreise gedeckt werden. Für Festakt, Jubiläumsjahrbuch und Ähnliches kommen weitere 17 000 Euro drauf. Das Festbuch soll im Januar in der Reihe der Jahrbücher erscheinen und sich nicht nur mit der Geschichte befassen, sondern auch die Gegenwart der Schule vorstellen – beispielsweise die Arbeit an einem achtjährigen Gymnasium.

Aufführungstermine: 14., 15., 16., 21. und 22. Juli im Wehrle-Werk (Kapazität pro Aufführung: 519 Plätze). Gutscheine für Eintrittskarten à 25 Euro gibt’s schon, sozusagen als "Weihnachtsgeschenk mit Langzeitwirkung (Grießhaber). Damit können sich die Beschenkten vor Beginn des Vorverkaufs im Frühjahr Tag und Platz aussuchen. Bestellung ab heute, Donnerstag, 8. Dezember, unter: musical@gge-em.org.Ticket-Telefon: 0160 948 72 770 (Anrufbeantworter)