Das Rätsel der Wächter

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Sa, 29. September 2018

Emmendingen

Am 4. Oktober ist Premierenlesung mit Thomas Erle, der eine Abenteuer-Trilogie geschrieben hat.

EMMENDINGEN. "Könnte es sein, dass der Mensch irgendwann eine Grenze überschreitet, dass er seine Allgewalt missbraucht und ein Ereignis auslöst, das die Wächter wieder zurückruft?" fragt Thomas Erle. Diese Frage war ein Auslöser für ihn, die neue Serie "Das Lied der Wächter" zu schreiben – keinen Krimi, sondern einen mystischen Roman, der Abenteuer und rätselhafte, geheimnisvolle Urkräfte miteinander verknüpft.

Wer oder was die Wächter sind, wird zumindest im ersten Band (zwei weitere werden folgen) nicht verraten. Denn Geschichten erzählen kann Thomas Erle. Das Buch beginnt fast idyllisch: Nadja und Martin, ein junges, sportliches Paar, genießen ihre Wanderung im Feldberggebiet; die erste nach der Geburt ihres kleinen Sohnes, den sie bei Nadjas Schwester zurückgelassen haben. Doch dann hat Nadja einen Unfall, die beiden beobachten merkwürdige Dinge und ein Wetterumschwung bringt ihre Pläne durcheinander. Aber war es nur ein Wetterumschwung? Der sonst stets lebhafte Feldberggipfel wirkt verlassen...

16 Jahre später erfährt ihr Sohn Felix, dass die Frau, die er Mutter genannt hat, seine Tante ist; seine Eltern sind im Schwarzwald verschollen, sein Onkel hat Gesundheit und Leben beim Versuch eingebüßt, sie zu finden. Denn der Schwarzwald ist seit jenem Tag, an dem seine Eltern dort wanderten, Sperrgebiet – die Menschen wurden nach einem Atomunfall in Fessenheim evakuiert, das ganze Gebiet mit einem Zaun abgesperrt.

Doch es ist nicht die Radioaktivität, die dies auslöst. Die werde, zumindest sagt das ein etwas zwielichtiger Weggenosse von Felix, von den Behörden künstlich hochgehalten, weil sie Angst haben – Angst vor einer geheimnisvollen Macht, die alles und alle zu bedrohen scheint. Unerklärliche Geschehnisse verunsichern. In diesem Sperrgebiet geht nichts. Es gibt keinen Strom, also auch kein Handy – selbst Batterien versagen den Dienst. Die Regierung setzt auf Abriegeln mit Zäunen und Soldaten.

Die wenigen Menschen, die sich der Evakuierung entzogen haben, haben sich mit diesen Gegebenheiten arrangiert, nutzen beispielsweise Kraft und Kühle des Wassers, um sich zu versorgen, und greifen auf das Wissen ihrer Vorfahren zurück. Wie das geht, ist ein Thema, das Erle fasziniert. Doch auch für sie gibt es "Sperrgebiete" – wer die sicheren Wege nicht kennt, wird gelähmt oder Schlimmeres. Es ist ein ganz eigenartiges Wunderland, mit ganz realen Gefahren wie Wölfen. Lena, eine junge Bewohnerin, kennt viele Regeln und wird Felix’ Rettung. Angehörige haben eine Kette gesehen, die seine Mutter bei ihrem Verschwinden trug – doch am Ende des Buches ist er wieder auf sich allein gestellt. Fortsetzung folgt: Band 2 soll im März, Band drei im Oktober 2019 erscheinen.

Wer sich auf diese Geschichte einlässt, wird die nächsten Folgen sehnlichst erwarten. Was reizvoll ist: die exakte Beschreibung von Orten, die alle voller Leben kennen und die nun einfach verlassen sind – Waldkirch und das Simonswälder Tal etwa und der Kandel, der im Spiel der Mächte eine eigene Rolle spielt.

Thomas Erle, Das Lied der Wächter/ Das Erwachen, 2018 im Gmeiner Verlag, Messkirch; erscheint am 4. Oktober, Preis 15 Euro.

Premierenlesung am Donnerstag, 4. Oktober, 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek; dort gibt es kostenlose Einlasskarten.