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22. Juli 2010 15:18 Uhr

Interview

A-ha: "Der Abschied ist der Lauf der Dinge"

Die norwegische Band A-ha löst sich auf. Warum? Und: ist der Entschluss unumstößlich? Darüber gab Keyboarder Paul Waaktaar-Savoy Auskunft, der mit seinen beiden Mitmusikern beim Open Air in Emmendingen auftritt.

  1. Kommen am Freitag zum Openair „I EM Music“ auf den Emmendinger Schlossplatz: A-ha. Foto: Promo



BZ:
Wann und warum haben Sie sich dazu entschlossen, A-ha zu beenden?
Waaktaar-Savoy: Das ist noch gar nicht lange her, vielleicht vier oder fünf Monate. Wie bei allem, was mit A-ha zu tun hat, konnten wir uns auch dabei nicht wirklich einigen. Manche von uns wollten das Ende mehr als andere. Bei einer Band gibt es jedoch nur alles oder nichts. Für mich standen immer die Lieder an erster Stelle: Wenn ich Songs komponierte, wollte ich damit ein Album erstellen, egal mit wem. Da ich schon beim Abmischen einer CD auf Ideen für die folgende komme, hatte ich mich bereits auf die nächste A-ha-Platte konzentriert. Aber 25 Jahre sind für eine Band eine lange Zeit und es ist schöner, an einem Punkt aufzuhören, an dem die Leute einen mögen.
Harket: Das war keine Entscheidung, die wir getroffen haben, sondern es ist der Lauf der Dinge. Offensichtlich muss A-ha zu einem Ende kommen, die Frage war eher wann und wie der beste Weg dafür ist. Denn so etwas ist nicht einfach, kann aber sehr kreativ gelöst werden. Ein Ende ist niemals leicht und da macht die Idee, sich mit einer großen Party weltweit zu verabschieden, es eventuell einfacher.

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BZ: In einer Pressemeldung Ihrer Plattenfirma war zu lesen, dass Sie nun in die Politik gehen möchten.
Waaktaar-Savoy: Vielleicht sollten wir besser ins Mediengeschäft einsteigen und Pressemeldungen schreiben? Möglicherweise hat einer von uns solche Pläne, ich ganz sicher nicht.
Harket: Jeder ist irgendwie ein Teil der Politik, weil er ein Mitglied der Gesellschaft sowie der Welt ist und deshalb Verantwortung trägt. Ich habe jedoch keine Pläne, in die aktive Parteien-Politik einzusteigen. Ich nutze meine Stimme lieber von einer anderen Plattform aus.
BZ: Besteht die Möglichkeit, dass A-ha wie bereits im Jahr 2000 irgendwann ein Comeback startet?
Waaktaar-Savoy: Momentan konzentrieren wir uns ganz auf das Jahr 2010, in dem wir weltweit touren. Zum Thema Comeback kann ich nur sagen: In Situationen springt man rein und raus. Keiner weiß, was passiert. Bei unserer letzten Trennung, dachten wir, es sei das tatsächliche Ende.
Harket: Alles, was nach 2010 passiert, ist reine Spekulation. Ich weiß das genauso wenig wie Pål oder Magne. Was wir wissen, ist: Dies ist der Punkt, an dem wir aufhören und anschließend liegt ein komplett offenes Feld vor uns. Das wird sich schnell mit anderen Dingen füllen, aber nicht mit A-ha-Aktivitäten.
BZ: Was sind Ihre konkreten Pläne nach dem Ende von A-ha?
Waaktaar-Savoy: Ich werde ständig gefragt, ob ich nicht Songs für andere Bands schreiben möchte, hatte aber bisher nie die Zeit dazu. Momentan komponiere ich an einigen interessanten Stücken und überlege, zu welchen Künstlern sie passen könnten. Ich finde es sehr spannend auszuprobieren, ob meine Lieder auch bei anderen Musikern oder Bands funktionieren werden.
BZ: Viele Musiker wie Chris Martin von Coldplay sagen, dass sie von A-ha beeinflusst wurden. Wie fühlt sich solch ein Kompliment an?
Waaktaar-Savoy: Gerade für uns ist das etwas sehr Schönes, denn als wir mit unserer Musik anfingen, sahen uns alle als Typen auf Teenager-Postern. Wir hatten das Gefühl, dass niemand uns zuhörte, wenn wir uns nicht dementsprechend verhielten. Das hat uns ziemlich verrückt gemacht. Deswegen war es schön, als wir 2000 zurückkamen und so viele Künstler uns so etwas sagten. Das fühlte sich an wie "Oh, klasse, unsere Musik hatte einen Effekt und ist in die Menschen hinein gesickert."
BZ: War es wirklich so schlimm, in den 80er Jahren ein Teenie-Idol zu sein?
Waaktaar-Savoy: Wir sagten zu vielen Dingen einfach "Ja", weil wir aus Norwegen kommen und damals waren Norweger sehr höfliche Menschen. Keiner von uns kam auf die Idee, nicht nur Interviews mit Teenie-Magazinen zu machen, sondern vielleicht besser alle Leute zu erreichen. Heute sind wir klüger, was das Marketing angeht und geben nicht jedem das, was er von uns verlangt.
BZ: Sie arbeiten seit mehr als 25 Jahren in der Musikindustrie, wird das nicht irgendwann langweilig?
Waaktaar-Savoy: Das Gute an diesem Geschäft ist, dass es sich sehr schnell verändert und jedes Jahr anders ist. Deshalb und aufgrund der ständigen Herausforderungen kann es gar nicht langweilig werden. Wir haben so viel Glück, verkaufen heute weiterhin Alben und können auf große Tourneen gehen. Früher war es zwar auch nicht einfach, aber heute muss es für neue Musiker viel schwerer sein, damit Geld zu verdienen.
BZ: Herr Harket, wie haben Sie es geschafft, den außergewöhnlichen Klang Ihrer Stimme zu konservieren?
Harket: Ich muss ständig wachsam sein! Nicht in meinem tägliche Leben, sondern bei der Arbeit. Das ist eine große Sache, die der Rest der Band niemals verstanden hat. Die anderen haben die Tragweite der Situation, wie ernst es ist und wie leicht ich meine Stimme verletzten kann, nie begriffen. Ich unterscheide mich von den meisten Sängern, da ich von Natur aus ein Bariton bin, mein Gesang aber häufig Tenor ist. Somit singe ich außerhalb meiner Stimmlage und das mit einer Stimme, die weder aus der Bruststimme kommt noch Falsetto ist, sondern zwischen den beiden liegt.
BZ: Was war und ist die Besonderheit von A-ha?
Waaktaar-Savoy: Wir machen unser eigenes Ding. Und wenn wir einen unserer Songs richtig hinkriegen, bekommt man dieses gewisse Gefühl. An guten Tagen kann ich an unserem Publikum sehen, warum unsere Musik funktioniert.

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Autor: Anne Kirchberg