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27. Mai 2011

"Der Zuschuss der Stadt sichert die Existenz"

Bilanz des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur: mehr Besucher im Museum / 2016 wird die Gemeinde 300 Jahre alt.

EMMENDINGEN. Der 27. Oktober 2010 wird in der Geschichte des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen ein Markstein sein. "Die Entscheidung des Gemeinderats, dem Verein unbefristet einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro zu gewähren, sichert nachhaltig unsere Existenz", erklärte Kassenführerin Andrea Dietrich im Rahmen der Mitgliederversammlung am vergangenen Mittwoch.

Wie lebensnotwendig die regelmäßige Unterstützung ist, belegte die Rechnerin anhand der Zahlen des Jahresberichts für 2010. Im vergangenen Jahr wies die Kasse ohne diese Finanzspritze ein Minus von knapp 950 Euro aus, die Zahlungsfähigkeit war nur aufgrund eines Überbrückungskredits, den Mitglieder bereitstellten, gewährleistet. "Es ist seit Jahren so, dass wir immer wieder nur aufgrund außergewöhnlicher Zuwendungen die Kosten decken konnten", erläuterte Dietrich. Die Mitgliedsbeiträge, die sich aufgrund von neuen Mitgliedern auf 2130 Euro beliefen, seien noch nicht einmal ausreichend, um die Ausgaben für den Betrieb des Museums (2807 Euro) zu decken. "Die wunderbare Entscheidung des Gemeinderats ist nicht vom Himmel gefallen, es steckt intensive Lobbyarbeit dahinter", sagte die Vorsitzende Carola Grasse.

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Steigende Besucherzahlen belegen zugleich das rege Interesse an dem Museum. 2054 Besucher und etwa nochmals rund 350 Gäste bei Kulturveranstaltungen waren gezählt worden. 21 Führungen für Erwachsene und 38 Führungen für Kinder und Jugendliche, vielfach in enger Kooperation mit der jüdischen Gemeinde, die mit Führungen durch Synagoge und/oder auf dem Friedhof ergänzt, fanden statt. "Entscheidend ist insbesondere beim Zustandekommen der Führungen für Schüler der persönliche Kontakt zu Lehrern oder Schulen", berichtete Grasse. Ein Ziel sei es, diese Kontakte zu intensivieren.

"Weil die Freiburger Gemeinde offensichtlich aktuell nicht dazu in der Lage ist, kommen Besucher vermehrt zu uns", erklärte Klaus Teschemacher zu Führungen in der Synagoge. Vielfach gebe es zudem private Anfragen, insbesondere von internationalen Gästen, die auch das Museum sehen wollen. Die Möglichkeit zum Blick auf jüdisches Leben der Vergangenheit und Gegenwart habe positive Wirkung auf das Stadtmarketing, weshalb der Verein auch bei der Plattform Stadtmarketing mitarbeitet und sich mit anderen auf der Badenmesse in Freiburg präsentieren möchte.

Intensiviert wurde das Angebot an Vorträgen, Seminaren, Lesungen und Konzerten. Immer in Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde, dem jüdischen Lehrhaus und dem Fachbereich Kultur der Stadt. Angeregt wurde, möglichst einmal im Jahr eine größere Veranstaltung, wie die früheren jüdischen Feste oder die israelische Nacht zu organisieren. "Allein können wir das nicht", sagte Grasse. Der Vorstand, der in allen Ämtern bestätigt wurde, sei am Rande der Belastbarkeit.

2016 jährt sich die Gründung der jüdischen Gemeinde zum 300. Mal, brachte Teschemacher frühzeitig ein Jubiläum ins Gespräch, das entsprechend gefeiert werden sollte.

Autor: Markus Zimmermann