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15. November 2017

Die Quelle lebendigen Wassers

Mit einem Festakt wurde die neue Dauerausstellung im ehemaligen jüdischen Ritualbad "Mikwe" eingeweiht.

  1. Carola Grasse, Yael und Klaus Teschemacher und Hanneke Schmitz (von links) bei der Enthüllung einer Gedenktafel für verstorbene Emmendinger Juden in der Emmendinger Mikwe. Foto: Dorothea Scherle

  2. Die Geschichte des ehemaligen Emmendinger Ritualbads wird auf einer der fünf neuen LED-Leuchttafeln erklärt. Foto: Dorothea Scherle

EMMENDINGEN. Mit einem Festakt im Simon Veit-Haus und einem Empfang im Jüdischen Museum hat der Verein für jüdische Geschichte und Kultur die neue Dauerausstellung in der Mikwe, dem ehemaligen Emmendinger Ritualbad, eingeweiht. Die sehr zahlreichen Besucher waren von den LED-beleuchteten Schrift- und Bildtafeln begeistert. Die neue Dauerausstellung ist unter das Motto "Quelle lebendigen Wassers" – mekor majim chajim – aus dem Buch Jeremia gestellt.

Auf drei großformatigen Leuchttafeln wird Wissenswertes zum Thema Mikwe vermittel (siehe BZ vom Samstag): Die erste Tafel erläutert die Bedeutung einer Mikwe, auf einer zweiten wird die Geschichte der Ritualbäder von der Antike bis heute erläutert, die dritte Tafel führt in die Geschichte der Emmendinger Mikwe ein. Zwei weitere Leuchttafeln ergänzen diese Informationen: Die Segenssprüche die bei den verschiedenen rituellen Handlungen gesprochen werden, sind auf Deutsch, Hebräisch und in einer Transkription dargestellt, ergänzt durch eine Audiostation mit einem Hörbeispiel. Ein Werk der amerikanischen Fotografin Janice Rubin aus der Wanderausstellung "The Mikwah Project" zeigt eine in einer Mikwe untertauchende Frau.

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Die Emmendinger Mikwe befindet sich im Untergeschoss des Jüdischen Museums am Schlossplatz, im einstigen Wohnhaus des Synagogendieners. Sie wurde zwischen 1837 und 1843 gebaut und ungefähr bis 1900 benutzt. Dann verschmutzten Gewerbeabfälle den Mühlbach zu sehr. In einer Mikwe wird durch vollständiges Untertauchen der Übergang vom rituell Unreinen zum rituell Reinen vollzogen. Die Emmendinger Mikwe ist nicht mehr benutzbar; Emmendinger Juden nutzen heute die Mikwe in der Freiburger Synagoge.

Im Rahmen des Festaktes sprachen Oberbürgermeister Stefan Schlatterer, Sibylle Thelen von der Landeszentrale für politische Bildung und Olga Maryanovska, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Emmendingen, Grußworte. Die hochbetagte Myrthe Dreyfuss-Kahn, eine Nachfahrin Emmendinger Juden aus Zürich und Mitsponsorin der Ausstellung, erzählte in bewegenden Worten aus ihrer Lebensgeschichte. Mit sehnsuchtsvollen Klezmerklängen umrahmte Igor Murye auf der Klarinette den Festakt. Carola Grasse, die Vorsitzende des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur, machte einige grundlegende Ausführungen, ehe sie all denjenigen dankte, die zur neuen Dauerausstellung beigetragen haben: "Mit der restaurierten, denkmalgeschützten Mikwe aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts besitzen wir in Emmendingen ein bedeutendes kultur- und bauhistorisches Denkmal." Der Besucher erfahre, welche Bedeutung diesem Ort der rituellen Reinigung zukomme: "Die Mikwe ist Grundlage religiösen Lebens im Judentum." Grasses Dank galt den anderen Mithelfern im Team, die die Ausstellung in etwa anderthalbjähriger Arbeit konzipiert und realisiert haben: Monika Rahel Raija Miklis vom Verein für jüdische Geschichte und Kultur hat die Ausstellung kuratiert. Sehr dankbar zeigte sich Carola Grasse für die finanzielle Unterstützung der Stadt Emmendingen, der Landeszentrale für politische Bildung und der Jüdischen Gemeinde. Auch Nachfahren jüdischer Familien aus Emmendingen hatten das Projekt großzügig unterstützt.

Schließlich führte Monika Miklis im Rahmen des Festakts in die neue Ausstellung ein. Sie fokussierte ihre Überlegungen auf das Thema Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: "Die Ausstellung ist gegenwärtig an einem lebendigen Erinnerungsort, in einer Gedenk- und Begegnungsstätte. Das ist das Selbstverständnis des Jüdischen Museums Emmendingen. Die Dauerausstellung ist nicht zeitlich begrenzt, sie dauert an, reicht in die Zukunft hinein und soll noch zukünftigen Generationen als Lernort dienen. Sie soll ihnen zeigen, woher sie kommen und was sie sind."

Zahlreiche Besucher nutzten den Tag der offenen Tür im Museum, um die neue Dauerausstellung anzusehen und bei Sekt und Snacks ins Gespräch zu kommen. Rabbiner Yudkowsky befestigte eine Mesusa am Türpfosten der Mikwe. Hanneke Schmitz, Nachfahrin Emmendinger Juden aus Herne, und Klaus Teschemacher, Mitbegründer der Jüdischen Gemeinde Emmendingen, enthüllten eine Tafel, in der verstorbenen Emmendinger Juden gedacht wird.

Info: Die Mikwe kann im Rahmen der üblichen Öffnungszeiten des Jüdischen Museums besichtigt werden: mittwochs und sonntags zwischen 14 und 17 Uhr. Gruppen- und Sonderführungen nach Vereinbarung (info@juedisches-museum-emmendingen.de; 07641 57 44 44).

Autor: Dorothea Scherle