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02. September 2012 18:44 Uhr

Ärger am Waldrand

Durchlöcherter Rasen: Dachse nerven Gartenbesitzer

Dem Dachs gefällt es in Emmendingen – den Schaden haben Gartenbesitzer. Sie fordern mehr Hilfe von den Behörden. Das Kreisforstamt hält dagegen viel von Koexistenz und nichts von der Dachsjagd.

  1. Dachse sind in Baden-Württemberg auf dem Vormarsch und vermehren sich rasant. Das sagt der Landesjagdverband – und die Emmendinger können es bestätigen. Foto: dpa

  2. Roswitha Honerkamp bei der Schadensbegrenzung: Sie versucht das Buddelloch des Dachses mit Erde abzudecken. Foto: Sylvia-Karina Jahn

"Da wächst kein Gras mehr" – von diesem Spruch für die Folgen von Zerstörungswut kann Edeltraud Bosch ein Lied singen und zahlreiche Anwohner der Rothalde und des Burgwegs mit ihr. Denn in ihren Gärten breiten sich statt frischem Grün hässliche kleine Löcher aus; nicht groß, aber groß genug, um nach einer Weile jeglichem gepflegten Rasen den Garaus zu machen. Die Übeltäter kennen sie auch: Sie haben vier Beine und eine kräftige Schnauze. Es sind Dachse, die sich in den Gärten am Waldrand ausgesprochen wohl fühlen. Was sie ärgert: "Die Ämter tun nichts."

Eigentlich, findet Bosch, seien Dachse ja schöne Tiere. Aber im eigenen Garten will sie die Vierbeiner denn doch nicht haben. Denn dort buddeln die Wildlinge mit der Nase etwa faustgroße Löcher in den Rasen und werfen die Erde nach oben – ganz besonders in dieser Jahreszeit, wenn die Felder abgeerntet sind. Man kann die Löcher mit einer kleinen Schaufel wieder zumachen, doch das Gras ist hinüber.

Was haben sie nicht alles schon probiert: Zäune, Schallwellen – ohne Erfolg. Geheimtipps wie alte Socken, die man mit Zwiebeln füllen soll, werden ausgetauscht und ausprobiert – der Dachs, Pardon, sch... drauf. Und auch der Fuchs wird ein häufiger Gast. "Dabei wollten die Kinder im Garten zelten." Fallen scheiden aus, weil sich Katzen darin verfangen könnten – ganz abgesehen von der erforderlichen Genehmigung. Vor vier Jahren fand Edeltraud Bosch eine Blutlache auf der Terrasse, ein Jäger bestätigte ihr, dass dort zwei Dachse miteinander gekämpft hätten. "Seither habe ich Angst", sagt sie.

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Roswitha Honerkamp, die nachts schon einem Dachs begegnete, scheut zwar nicht vor dem Tier zurück, das Buddelproblem hat sie genauso. Und Nachbarn berichteten von weiteren Dachskämpfen; vor zwei Jahren musste ein schwer verletzter Dachs deswegen geborgen werden.

Dass die Dachse gerade in jener Gegend so "fleißig" sind, wundert Bosch nicht: "An dem Stichweg zum Burgweg gibt es einen Dachsbau am anderen." Sie hat sich an die Stadtverwaltung gewandt, an die Naturschutzbehörde, an das Kreisjagdamt. Die Population habe zugenommen, sagte ihr ein Jäger; tun könne er da freilich nichts. "Rufen Sie den Kammerjäger", so zitiert sie den Tipp der Naturschutzbehörde.

"Die beste Lösung ist die, sich mit dem Tier zu arrangieren", sagt dagegen Jürgen Schmidt, Leiter des Kreisforstamtes. Ganz abgesehen von den erforderlichen Genehmigungen, hält er nichts davon, die Tiere abzuschießen oder wegzufangen: "Ein schöner Garten, ein gut bestückter Komposthaufen, vielleicht noch Vogelfutter, Laub und Regentonne – wo das Grundstück so attraktiv ist, wo man gut graben kann, würde sich sofort ein Nachfolger einfinden, wenn man ein Tier fortschaffte." Fallen seien allenfalls bei Mardern in Gebäuden nützlich, falls man danach wirklich jede Lücke verstopfe. Der Forst wird oft mit diesem Konflikt konfrontiert, berichtet Schmidt: "Die Leute wollen an den Waldrand, in die Nähe der Natur, aber dann müssen sie sie eben mit den Mitgeschöpfen teilen – die waren vor ihnen da." Nicht vor 35 Jahren, sagen die Anwohner, die schon so lange dort oben leben.

Gefahren gingen von den Tieren jedenfalls nicht aus, beruhigt Schmidt, obwohl der Dachs wehrhafter sei als der Fuchs, eher dem Wildschwein ähnlich, mit dem er die Eigenschaft des Allesfressers teilt. Ob Wurzeln, Vogeleier, Mäuse, ihm ist alles recht. Potenziell könnten daher auch Dachse – wie alle Mäusefresser, also auch Katzen – den Fuchsbandwurm übertragen, das sei jedoch ausgesprochen selten. Trotzdem rät er dringend davon ab, das Tier, etwa weil es angefahren worden sei, anzufassen: Es könnte sich wehren.

Schmidt sagt allerdings, dass es bei den Dachsen keinen Überbestand gebe. Der Bestand leide noch unter den Vergasungsaktionen, die in den 1960er-Jahren Füchsen galten, um die Tollwut einzudämmen. Später machten Impfungen solche Aktionen, deren Leidtragende besonders Dachse gewesen seien, überflüssig; die Tollwut gilt seit 2008 in Deutschland als ausgerottet und der Fuchs vermehrte sich schnell. Doch Dachse hätten weniger Junge.

Und der berühmte Marderbiss am Auto? Der geht, so Schmidt, meist auf den Spieltrieb zurück, gepaart mit Revierverhalten. Kritisch werde es, wenn ein "ansässiger" Marder einen Artgenossen wittere, dann werde er aggressiv und beiße um sich. Auch dagegen gibt es leider kein Patentrezept.

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Autor: Sylvia-Karina Jahn