350 Jahre Goethe-Gymnasium

Ehemaliger Schüler schreibt Musical zum Jubiläum des Gymnasiums

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Sa, 07. Januar 2017

Emmendingen

BZ-INTERVIEW mit Jens Uhlenhoff, der zum 350-jährigen Bestehen des Gymnasiums ein Musical zur Stadtgeschichte geschrieben hat.

EMMENDINGEN. Wenn im Sommer das Goethe-Gymnasium sein 350-jähriges Bestehen feiert, können die Besucher eine Welturaufführung genießen: Jens Uhlenhoff hat die Geschichte von Markgraf Jakob III. und dessen Frau Elisabeth in einem Musical zum Leben erweckt, für das er sowohl den Text wie auch die Musik geschrieben hat. Ein Musical direkt aus der Emmendinger Stadtgeschichte und gleichwohl alles andere als trockener Geschichtsunterricht, verspricht der Autor. Sylvia-Karina Jahn sprach mit ihm.

BZ: Sie haben ja schon mehrfach Stücke für das Goethe-Gymnasium, Ihre ehemalige Schule, geschrieben, darunter auch das Musical Persephone. Wie kam das neue Projekt jetzt zustande?

Uhlenhoff: Ich war schon früh im Gespräch mit Musiklehrer Berthold Braitsch, dass wir wieder einmal etwas zusammen machen wollten, und ich sagte ihm, wenn, dann etwas über Markgraf Jakob. Die konkrete Anfrage der Schule kam dann vor zwei Jahren und nun passt es gut zum Schuljubiläum.

BZ: Wie sind Sie auf Markgraf Jakobs Geschichte gekommen?

Uhlenhoff: Die Geschichte eignet sich für das, was ich in einem Musical sehen woll: Da ist einmal die berührende Liebesgeschichte, die tragisch ausgeht, da ist aber auch der ewig zweifelnde und suchende Jakob. Das kann man groß erzählen, und ich kann auch den Chor sinnvoll einsetzen. Das ist für mich der Unterschied zwischen einem Singspiel für Kinder und einem Musical für Erwachsene: Bei einem Kindersingspiel kann der Chor einfach mal singen, im Musical muss er tatsächlich eine Rolle spielen, eine Funktion haben. Das Libretto und die Klavierauszüge sind fertig, die Instrumentation zu 80 Prozent auch.

BZ: Sie haben nicht nur die Musik, sondern auch den Text selbst geschrieben. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Uhlenhoff: Im ersten Jahr habe ich vor allem sehr viel recherchiert. Dabei war mir Hans-Jürgen Günther, der ja viel über Jakob III. geforscht hat, eine große Hilfe – er weiß sehr viel und sagt mir auch schon mal, wenn ich etwas unhistorisch werde, aber er sieht es sehr offen und macht die künstlerische Freiheit mit.

BZ: Und wie geht’s dann an die Musik: Hören Sie sozusagen die Melodie, wenn Sie einen Text schreiben?

Uhlenhoff: Zuerst baue ich mir eine Struktur: Wo sind Momente drin, die musikalisch ein entsprechendes Gewicht bekommen können? Musikalischer und erzählerischer Spannungsbogen müssen passen. Aber die Musik sagt auch oft Dinge, die so nicht im Text stehen. Meist schreibe ich eine erst Strophe Text und komponiere den Refrain dazu, schreibe dann den restlichen Text und weiß schon, wie es am Ende klingen soll. Nur manchmal muss ich Sätze komplett umstellen, wenn ich merke, dass ich dazu eine Musik im Ohr habe, die mir nicht aus dem Kopf geht.

BZ: Wie viel Zeit haben Sie für das Musical aufgewandt?

Uhlenhoff: Danach darf man nicht fragen – schon viel. Aber aus dem Probenprozess halte ich mich im Wesentlichen heraus, die Distanz zu den Schülern ist inzwischen größer geworden und der Aufwand wäre riesig. Bei den Probenwochen in Ochsenhausen bin ich dabei, und ich war es auch beim Vorsingen der Schüler. Aber die Entscheidung, wer was spielt, müssen die Lehrer treffen, die die Schüler besser kennen. Ich habe vollstes Vertrauen in Stefan Gnädinger, der Regie führt; mir war es wichtig, dass er das macht, ich war von seinem letzten Projekt begeistert.

BZ: Welche Schwierigkeiten gibt es, wenn man so einen historischen Stoff in ein Musical verwandelt?

Uhlenhoff: Ich versuche es so zu machen, dass die Schüler nicht das Gefühl haben, es finde eine Geschichtsstunde statt. Ich will zeigen, was ich an der Geschichte von Jakob und Elisabeth finde, warum sie mich berührt – denn genau das soll ein Musical: berühren.

"Die Musik sagt auch oft

Dinge, die so nicht im Text

stehen."

BZ: Und wie erreichen Sie das?

Uhlenhoff: Ich habe mir als Einstieg überlegt, dass Elisabeth am Ende ihrer siebenjährigen Ehe zurückblickt und sich fragt, ob sie etwas anders gemacht hätte, wenn sie gewusst hätte, wie alles kommt. Sie hat den Mann verloren, das Kind wurde ihr weggenommen, sie ist völlig am Ende und redet mit den Schatten in der Hochburg – eine schöne Rolle für den Chor. Nachdem Elisabeth die Geschichte eingeleitet hat, sehen wir diese Geschichte, Elisabeth kommentiert ab und zu das Geschehen auf der Bühne. Der zweite Schwerpunkt ist Markgraf Jakob. Die Konfessionsfrage hat ihn sehr beschäftigt, und so spielt das Emmendinger Religionsgespräch eine Rolle. Ich baue es in ein Lied ein – es wird keine lange Debattenszene. Auch die Vergiftung des Markgrafen kommt vor – aber nicht, wer es gewesen sein könnte. Der Bruder des Markgrafen kommt zwar als Bösewicht daher, aber das ist ja aus Elisabeths Sicht gesehen.

Aufführungstermine: 14., 15., 16., 21. und 22. Juli im Wehrle-Werk (Kapazität pro Aufführung: 519 Plätze). Gutscheine für Eintrittskarten à 25 Euro gibt’s schon. Damit können sich die Inhaber vor Beginn des Vorverkaufs im Frühjahr Tag und Platz aussuchen. Bestellung unter musical@gge-em.org.Ticket-Telefon: 0160 948 72 770 (Anrufbeantworter)