Kuriose Sammler

Eine Anwältin aus Emmendingen bringt von jeder Reise eine Schneekugel mit

Joshua Kocher

Von Joshua Kocher

Fr, 11. Januar 2019 um 10:39 Uhr

Emmendingen

Dafür gab es sogar schonmal Probleme mit dem chinesischen Zoll: Eva Maria Hauke aus Emmendingen kauft sich in jedem Urlaub eine Schneekugel, seit mehr als 20 Jahren. Heute hat sie 160 Stück.

"Das ist meine heißgeliebte erste Kugel", sagt Eva Maria Hauke und kramt eine dunkelblaue Glaskugel aus der mannshohen Vitrine in ihrer Anwaltskanzlei in Emmendingen. Der Schrank ist von oben bis unten voll mit Schneekugeln. Ganz unten die, bei denen bald mal das Wasser nachgefüllt werden muss, weil es verdunstet ist. Darüber die Weihnachtskugeln. Auf den oberen Brettern stehen die Mitbringsel von verschiedenen Reisen, aus New York, Paris, London, vom Bodensee, aus den Alpen. Jedes Mal, wenn Hauke verreist, kauft sie eine Schneekugel. Auch Bekannte bringen ihr inzwischen eine von ihren Reisen mit. Heute besitzt sie 160 Stück.

Die Kugeln halten die Erinnerungen wach

"Angefangen hat es zu Beginn der neunziger Jahre", erzählt die 61-jährige Rechtsanwältin. Sie ist damals frisch mit ihrem Mann nach Emmendingen gezogen. Geboren wurde sie in Michelstadt im hessischen Odenwald, 1976 kam sie zum Jurastudium nach Freiburg.

In der Kindheit hatte sie schonmal eine Schneekugel, mit einem Weihnachtsmann drin. Die ist aber abhandengekommen. Die blaue mit der Sonne und dem Mond auf einer Scheibe war die erste, die sie sich seitdem gekauft hat. "Ich habe mir ein Stück Kindheit zurückgeholt", erinnert sie sich. "Wo ich die herhabe, weiß ich heute gar nicht mehr", sagt sie. Inzwischen schreibt sie bei jedem neuen Exemplar auf den Boden wo und wann sie es gekauft hat. "Das hält die Erinnerungen wach. Andere Menschen schauen sich vielleicht alte Postkarten an. Ich schaue in meine Vitrine und denke an unsere Reisen", sagt sie.

"Mein Mann weiß jetzt immer, was er mir mitbringen kann"

Bei einer Kreuzfahrt hat sie mal innerhalb von 14 Tagen eine in St. Petersburg, Riga, Talinn, Danzig und eine in Schweden gekauft. Auch im Louvre in Paris war das Erste, was sie im Museumsladen suchte: eine Schneekugel. "Die hatten nur ganz einfache mit einem billigen Plastikboden", sagt sie. "Das war enttäuschend." Gekauft hat sie sie trotzdem. Jetzt schaut die Mona Lisa durch das Plastikgehäuse auf den Anwaltsschreibtisch.

Bei der Ausreise aus China gab es Probleme mit einer Kugel

"Es hat sich rumgesprochen, dass ich Schneekugeln sammle. Mein Mann weiß jetzt immer, was er mir mitbringen kann", erzählt sie. Es sollten aber besondere Kugeln sein. Das sind sie in der Regel, wenn sie aus Glas sind. Das Schneegestöber mag Hauke in der Kugel, draußen muss es aber nicht sein. "Echten Schnee mag ich nur in den Bergen", sagt sie.

Nicht immer klappt der Transport aus dem Urlaub heim nach Emmendingen reibungslos. Als Hauke und ihr Mann 2012 ihren Sohn bei dessen Auslandssemester in China besuchten, hatte das Mitbringsel – eine Kugel mit der chinesischen Mauer – keinen Platz mehr im Koffer und musste ins Handgepäck. Weil aber Flüssigkeit drin war, blieb es bei der Gepäckkontrolle am Flughafen. Jetzt hat Hauke nur noch die Verpackung aus Pappe – und eine Geschichte dazu.