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16. Juli 2011

Firmen treffen den Nerv der Zeit

Das Emmendinger Forum "Innovation in unserer Region" bei Inomed stößt bei Unternehmern auf starkes Interesse.

  1. Referenten des Forums vor einem neuen Produkt der Firma Inomed: Walter Haberstroh (Emmendinger Maschinenbau), Klaus Wehrle (Carré Planungsgesellschaft), Fritz Schultis (Volksbank), Moderator Heinz Siebold und Inomed-Geschäftsführer Rudi Mattmüller (von links). Foto: Gerhard Walser

EMMENDINGEN. Es war eine äußerst gelungene Premiere, die zur Dauereinrichtung werden könnte: Auf Einladung der Volksbank Breisgau-Nord, dem Gastgeber Inomed Medizintechnik und der Planungsgesellschaft Carré diskutierten gestern rund 60 Unternehmer und Behördenvertreter über "Innovation in unserer Region". Mehrere Referenten gaben nützliche Tipps zur betrieblichen Erneuerung und deren konkreten Umsetzung und Finanzierung.

"Innovationen fallen nicht vom Himmel, man muss dafür das Klima in den Unternehmen schaffen", so der Wirtschaftsjournalist Heinz Siebold, der die morgendliche Runde im Seminarraum der Firma Inomed moderierte. Nur 24 Prozent der neuen Ideen entstehen in Workshops oder Seminaren, ganze 76 Prozent außerhalb des Unternehmens, beim Wandern oder beim Feierabendbier. Das bestätigte auch Rudi Mattmüller, Geschäftsführer des Emmendinger Medizintechnikunternehmens, das vor wenigen Jahren erst im Gewerbegebiet über der Elz ein neues Produktionsgebäude errichtet hat, "das jetzt schon wieder viel zu klein ist". Nicht während der Arbeit, "sondern auf der Serviette bei einem Glas Wein" würden innovative Produkte entwickelt.

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Das Rad der Entwicklung ständig am Laufen halten

Das Emmendinger Vorzeigeunternehmen mit über 100 Mitarbeitern trifft nicht nur sprichwörtlich "den Nerv der Zeit" – es arbeitet auch auf dem Feld der Überwachung des menschlichen Nervensystems. Bei Inomed entstehen unter anderem Geräte und Instrumente, die den Schutz der Nervenbahnen bei operativen Eingriffen garantieren. 70 Prozent des Umsatzes werden inzwischen allein damit erzielt. Außerdem werden Systeme für die funktionelle Neurochirurgie, die Schmerztherapie und neurologische Diagnostik entwickelt, hergestellt und weltweit vertrieben. "Nur die USA und Japan fehlen uns noch", so Mattmüller. Sein Credo für den Erfolg: "Forschungskooperationen zum richtigen Zeitpunkt". Und: Neue Geräte gelte es schon zu entwickeln, bevor die Marktsättigung des gerade gut laufenden Produkts erreicht ist.

"Wir müssen das Rad der Entwicklung ständig am laufen halten" bestätigte auch Walter Haberstroh. Der alleinige Geschäftsführer der Emmendinger Maschinenbau GmbH, die 1957 in einer angemieteten Küferwerkstatt gegründet wurde und heute 85 Mitarbeiter aus zwölf Nationen beschäftigt, ist ein Mann der Praxis und neugierig. "Ich wollte schon immer wissen, wie es noch besser geht". Innovation habe ihn sein ganzes Leben begleitet. Heute produziert sein Unternehmen vor allem Sekt- und Weinkapselmaschinen, Folienquerschneider und Stanzanlagen – Nischenprodukte, die jedoch weltweit gefragt sind.

Auch Haberstroh setzt auf ständige Erneuerung als Wettbewerbsvorsprung: "Wir Kleinen müssen immer schauen, dass wir die Nase ganz vorne haben, um auf dem globalen Markt zu bestehen". Sein Patentrezept sind Innovationsrunden, zu denen in unregelmäßigen Abständen die Mitarbeiter, vom Entwickler bis zum ganz normalen Maschinenführer zusammengetrommelt werden. "Alle, die es betrifft sind dabei und steuern eigene Ideen bei". Mit klaren Zielvorgaben wird in lockerer Runde über die mögliche Verbesserung eines Produkts diskutiert und dann auch sofort entschieden: "Eine schlechte Entscheidung ist besser als gar keine", sagt Haberstroh. Planung, Umsetzung, Prüfung und Weiterentwicklung basieren auf einem "Informationspool", der sich aus Kundenanfragen, Monteursberichten und sogar aus Reklamationen speist. Die Vernetzung mit Partnern und Kunden und die Kooperation mit regionalen Unternehmen ist für Haberstroh, die "einzige Möglichkeit um im globalen Spiel erfolgreich mitspielen zu können."

Weitere Referenten des Forums widmeten sich der konkreten Umsetzung von Innovation. Christian Kretschmer und Simone Storz von der Vereinigung TriRhena Consulting beschrieben "Kreativität als Grundlage für neues Denken" und den Schritt von der Theorie in die Praxis. Der Bleibacher Architekt und Projektentwickler Klaus Wehrle beleuchtete die Kosten von Innovation beim Bauen und Fritz Schultis von der Volksbank Breisgau Nord stellte Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogramme vor.

Oberbürgermeister Stefan Schlatterer hatte zu Beginn des Forums die Teilnehmer begrüßt und über die Entwicklung des Dienstleistungsstandorts Emmendingen mit stabilen Zuwachsraten referiert.

Autor: Gerhard Walser