Flug der Vögel beeindruckt in der Halle

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mo, 04. September 2017

Emmendingen

100 Besucher beim Klang- und Lichtspektakel zur Finanzierung von "Tri Vole" in der Steinhalle.

EMMENDINGEN. Outdoor oder Indoor, die Entscheidung das geplante Klang- und Licht-Spektakel, statt rund um die Skulptur "Tri Vole" des Bildhauers Robert unter freiem Himmel unterm Dach der Steinhalle zu veranstalten, ist dem Kulturkreis sicher nicht leicht gefallen. Doch die Wetterprognosen verhießen nichts Gutes und so wurde das Ausweichquartier gewählt. Und der Ortswechsel ermöglichte es, das Spektakel in einer Version darzubieten, die so nur in der Steinhalle möglich war.

Wie einen zehn Meter hohen, tonnenschweren Hauptakteur kurzfristig mit in die Steinhalle nehmen? Den Stein des Weisen hatte Werner Englert im Archiv. "Ich bin beim Gedanken an ein gutes Motiv für die Plakate immer einmal wieder zum Skulpturenweg gegangen, habe zu allen Tages- und Nachtzeiten, bei jeder Witterung aus unterschiedlichsten Perspektiven Fotos gemacht", erzählt er. Die, auf eine große Leinwand projiziert, machten es möglich, das Werk auf die Bühne zu stellen und waren allein schon aufgrund der Vielfalt an Betrachtungswinkeln und farbvariierenden Stimmungen, zwischen knallbunt und schwarz-weiß, ein Spektakel für sich.

Ergänzend dazu die intensiven Klangbilder, die Englert, Matthias Stich und Jörgen Welander, inspiriert durch das Kunstwerk, vor allem aber durch den diesen motivisch zu Grunde liegenden klassischen Text, entstehen ließen. Inspiriert worden zur Schaffung der Skulptur, die den Flug von Vögeln nachzeichnen soll, war Schad durch das satirische Bühnenwerk "Die Vögel" des griechischen Dichters Aristophanes, das 414 vor der Zeitenwende uraufgeführt worden war.

Wie in der literarischen Vorlage, aus der Kulturkreisvorsitzender Fritz Kendel las, die Exilanten Peisthetairos und Euelpides aus Athen auszogen, so kamen die Klangbilder aus den Ecken der Halle und von hinter der Bühne, von bedächtigen Tonfolgen geleitet, langsam ins Licht, um fortan im spielerischen Trialog den Diskurs über eine neue Herrschaft zwischen Himmel und Erde, den Göttern und den Menschen zu führen. Herrschaftlich erklangen da fanfarenartige, majestätische Machtansprüche anmeldende Passagen, wild, chaotisch erschall das musikalische Bild des Kriegs um die Macht.

Dramatik und Freude, bis hin zur abschließenden Hochzeitsfeier, skizzieren die Musiker mal gemeinsam, mal solistisch und zitieren dabei auch Werke der Klassik (Air von Bach) und der Moderne (What a wonderful World von Louis Armstrong), sehr stimmig dabei von den Lichtkünstlern von Mammagamma (Uwe Schmitz) mehr als nur begleitet.

Die Erwartung, ein ganz besonderes Kunsterlebnis geboten zu bekommen, wurde bei den nicht einmal 100 Besuchern sicher erfüllt. Fritz Kendel, der sich davon erhoffte, bei der Restfinanzierung des Kunstwerks ein Stück weiter zu kommen und damit den dauerhaften Verbleib der Skulptur zu sichern, war die Enttäuschung über den hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Zuspruch, anzumerken. Tröstlich am Ende – es bleibt die zweite Chance, 2018 unter freiem Himmel.