Gelungenes Gemeinschaftserlebnis

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Di, 05. Juli 2016

Emmendingen

Das Per Tutti Orchester überzeugt beim Konzert in der Steinhalle mit fulminantem Klang.

EMMENDINGEN. Das Per Tutti Orchester Freiburg war am Samstagabend ein weiteres Mal zu Gast in der Steinhalle. Entsprechend dem Namen, den sich das seit 25 Jahren bestehende Laienorchester gegeben hat, bedeuten die Probenarbeit, die Einstudierungen und die Konzerte Begegnungen mit Musik "für Alle", für Ausführende ebenso wie Zuhörer.

Für die Besucher des Konzertes war ein weiteres Mal durch dieses Orchester das Hörerlebnis von symphonischer Musik gegeben. Entsprechend dem Anspruch an sich selbst hatte das Ensemble unter der Leitung von Nikolaus Reinke ein Programm zusammengestellt, welches sich durch die Auswahl und Zusammenstellung der Musikliteratur von vielen Orchesterkonzerten abhob: Die 5. Sinfonie von Jean Sibelius, eine dramatische Ouvertüre von Chadwick und Mahler-Lieder. Die Instrumentalwerke entsprachen sich in ihrer Rätselhaftigkeit, in ihrem Fantasienreichtum. War Sibelius inspiriert durch das Erleben der ihn umgebenden Natur, ließ sich Chadwick durch eine Figur der griechischen Mythologie zu seiner tragischen Ouvertüre anregen.

Das Orchester musizierte konzentriert und mit energischem Zugriff für die vielen gegeneinander gesetzten Rhythmen, die geforderte symphonische Klanggewalt. Gleichzeitig fähig zu schwermütigem, weichem Streicherklang und sensibel mit allen technischen Spielmöglichkeiten die verschiedenen Stimmungen auslotend. Dass einzelne Streichergruppen im Klang passagenweise wenig einheitlich zu hören waren, beeinträchtigte den fulminanten orchestralen Gesamtklang nur am Rande. Das Orchester fand zu einem großen, bewegenden Gesang, der den 3. Satz der Sibelius-Symphonie auszeichnete. Den Bläsern insgesamt gebührte mit Recht gesonderter Beifall und auch dem Schlagwerk, das von G. W. Chadwick äußerst plakativ eingesetzt war. Die "Lieder eines fahrenden Gesellen" von Gustav Mahler für Singstimme und Orchester waren unter dem Eindruck einer unglücklichen Liebe entstanden. Die abgründige Schwermut, für Mahler später in seinen Symphonien immer wieder maßgebend, war in diesen Liedern bereits gegenwärtig, in der Musik, wie im Text, den der junge Mahler für die Lieder 2 bis 4 selbst dichtete.

So ausführlich, wie die Beschreibungen der Werke im Programmheft waren, hätten sich die Liedtexte noch gut einfügen lassen, schade, dass nicht. Der Tenor Roberto Gionfriddo wurde mit differenzierender Gesangskultur und ausgefeilter Textverständlichkeit den unterschiedlichen Gefühlen bestens gerecht. Die in der Musik aufscheinende Vision von friedlichem Sonnenschein und Glück einerseits, von verzweifelter Todessehnsucht, schmerzender und glücklicher Erinnerung: alle diese Facetten eines Liebeskummers waren empathisch wiedergegeben. Das Orchester in der Begleitung zurückhaltend und gleichermaßen ausgezeichnet differenzierend, der Trauermarsch-Rhythmus, von Klarinetten und Flöten leise berührend gespielt, stellte die Nähe zu Schuberts "Lindenbaum" her und wies auf Mahlers späteres symphonisches Schaffen hin.

Nikolaus Reinke, Leiter und Dirigent des Orchesters, war es ein weiteres Mal gelungen, die an der Musik begeisterten Laien mit ausgefallenen Werken vertraut zu machen, deren Schönheit und Besonderheiten zu entdecken und musizierend umzusetzen. Ins Konzertieren alle geleistete Vorbereitung einfließen lassen und präsentieren zu können, inspirierte alle Beteiligten und motivierte zum gelungenen Gemeinschaftsergebnis.