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10. Mai 2013 19:44 Uhr

Rattengift oder Hundefalle?

Meldungen über vergiftete Köder verunsichern Tierfreunde

Berichte über vergiftete Köder mit eingearbeiteten Rasierklingen verunsichern momentan die Hundehalter in der Region – und verbreiten sich übers Internet mit rasender Geschwindigkeit. Beweise gibt es nicht – trotzdem behandeln Tierärzte zur Zeit immer wieder Hunde mit Vergiftungserscheinungen.

  1. Dieser Hund sollte, wie alle Tiere, gut aufpassen, was er frisst. Foto: Huber Carlotta

Die Meldung im Internet ließ Tierfreunde aufschrecken. "Hallo!", schrieb jemand, "in Emmendingen am Elzdamm wurden Giftköder gefunden. Eine ganze Tüte voll an der Wiesenstraße entlang. Bitte achtet darauf, dass eure Hunde angeleint bleiben und seid vorsichtig!!! Waren mit Rasierklingen bestückt."

Der Text tauchte am vierten Mai im sozialen Netzwerk Facebook auf. Hunderte von Nutzern teilten die Schreckensmeldung innerhalb von wenigen Tagen mit ihren Freunden, mehrere Tausend Menschen lasen die Warnung. Und schrieben Kommentare wie: "Dreckschweine verfluchte!" Oder: "Solche Menschen gehören nicht auf diesen Planeten."

Die Polizei weiß nichts von Giftködern mit Rasierklingen. Niemand im Landkreis hat deshalb Anzeige erstattet, niemand hat den Beamten die Köder gezeigt. Trotzdem, so Polizeisprecher Walter Roth, seien diese immer wieder ein Thema: Am 6. März fand ein Spaziergänger in Sexau Fleischkäse-Stückchen – und verständigte die Gemeinde. "Eine Überprüfung ergab, dass es sich nicht um einen Giftköder handelte", sagt Roth.

Am 4. Mai fand ein Spaziergänger Speckwürfel an der Elz, in der Nähe der Emmendinger Six-Fours-Brücke. Die Polizei, erzählt Roth, fand keine Anzeichen für Gift, schickte das Fleisch aber sicherheitshalber ins Labor – das Ergebnis steht aus. "Es gibt tatsächlich vereinzelte Fälle", sagt Roth, "aber in gefühlten 95 Prozent handelt es sich um Gerüchte oder Falschmeldungen."

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Auch das Emmendinger Tierheim hat eine Warnung veröffentlicht. Die liest sich jedoch zurückhaltender als die Facebook-Alarmierung – und erwähnt nur, dass es Meldungen gab über ausgelegte Köder mit eingearbeiteten Rasierklingen oder Rattengift.

"Das sind teilweise Sachen, die gar nicht bewiesen sind", sagt Natascha Rieger, die Vorsitzende des Vereines. "Wir wollen keine Panik auslösen, wir wollen die Leute sensibilisieren. Im Moment gibt es viele Ratten – und viele Leute legen Rattengift."

Anfang Mai erfuhren sie und ihre Kollegen von einem Hund, der Rattengift gefressen hatte und in die Tierklinik gebracht wurde. "Ein Beagle", sagt Rieger, "der ist aber wieder gesund und daheim." Einige Tage darauf behandelte der Emmendinger Tierarzt Bernd Klein einen Hund mit Untertemperatur und blutigem Stuhl. "Begründeter Verdacht auf Rattengift", sagt er, "er hat auf diese Behandlung auch gut angesprochen."

Klein praktiziert seit mehr als 30 Jahren – und kennt die Geschichten über Giftköder, die immer wieder mal in Hundehalterkreisen kursieren. "Gerüchte gibt es immer", sagt er. "Ich war einige Jahre am Institut in Freiburg. Wir haben viele Tiere untersucht, die als vergiftet angeliefert wurden, es war aber nur bei einem Bruchteil nachzuweisen." Ein Hund, der auf Rasierklingen gebissen hätte, sei ihm nie untergekommen. "Und ich habe Einiges erlebt", sagt er. "Ein Hund hatte ein Vorhängeschloss verschluckt."

Hundehalter, rät Klein, sollen ihre Tiere beim Gassigehen grundsätzlich im Blick behalten – und aufpassen, dass die Tiere nichts vom Boden fressen.

Autor: Patrik Müller