Ein Auto, zwei Menschen, drei Kontinente

Mit "Schnorchel" und Spinnenschutz durch die halbe Welt

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Di, 12. Februar 2019 um 17:39 Uhr

Emmendingen

Annette und Stefan Hauser aus Schopfheim berichten am 14. März bei "Kultur unterm Stern" über ihre Reise um die halbe Welt. Der Teilerlös ist für eine Organisation gegen Genitalverstümmelung gedacht.

EMMENDINGEN. Ein Auto, zwei Menschen, drei Kontinente, 27 Monate und 90 000 Kilometer – das ist die Reise von Annette und Stefan Hauser in Zahlen. Dahinter stecken ein großes Abenteuer und viele Geschichten. Am 14. März wollen die beiden in der Reihe "Kultur unterm Stern" im Autohaus Schmolck die Besucher daran teilhaben lassen.

Die Vorbereitungen
Unterwegs waren sie mit einem G-Modell der Marke mit dem Stern, das sie 2009 als Vorführwagen gekauft und fünf Jahre später für ihre Reise um die halbe Welt umbauen ließen, erzählt Stefan Hauser. Der Wagen bekam einen "Schnorchel" (zum Luftansaugen – damit ihm Wasser von unten nichts anhaben kann), einen Staubabscheider (wichtig gegen Wüstensand – und, wie sich zeigte, auch gegen Spinnen: Im ägyptischen Hurghada fand sich eine Riesenspinne im Staubbehälter). Weiterhin an Bord: Ein zusätzlicher Dieseltank, so dass 200 Liter Kraftstoffgetankt werden konnten; das ohnehin schwere Fahrzeug bekam so 500 Kilo Übergewicht und benötigt rund 15 Liter auf 100 Kilometern, im Sand aber locker das Doppelte. Bodenbleche als Anfahrschutz, eine zweite Batterie und ein Solarpaneel, eine stärkere Federung sowie doppelte Stoßdämpfer hinten (vorn war kein Platz und die Stoßdämpfer erwiesen sich als das Verschleißteil, das dreimal ersetzt wurde) baute eine Spezialfirma ein. Der Wagen hielt durch, erst auf dem letzten Stück von Österreich ins heimatliche Schopfheim machte er Startschwierigkeiten.

Die Reiseroute
Eine fest geplante Reiseroute hatten die beiden nicht, wie sie erzählen: Sie wollten über Indien nach Singapur, einen Freund besuchen; die genaue Strecke ergab sich unterwegs. "Wir haben morgens unsere Sachen und das Dachzeltzusammengepackt und dann geschaut, ’wo fahren wir hin’", sagt Annette Hauser. Orientiert haben sie sich mit Landkarten und lokalen Navigationssystemen – das Bordsystem verweigerte außerhalb Europas seinen Dienst und meldete ab 4000 Meter Höhe, dass es zu heiß sei. Nur der Kompass arbeitete stets zuverlässig.

Die Türkei und Turkistan, Georgien und Armenien, der Iran und Usbekistan und Tadschikistan – die Reiseroute klingt wie ein Atlas. Einreiseproblem hatten sie nirgends, erzählen die Hausers, obwohl es ein Geduldspiel sein konnte, vor Ort die Papiere zu bekommen – sie hatten keine Visa vorab gebucht, um nicht in Zeitdruck zu geraten. Dafür gab’s ein Ausreiseproblem in Armenien, wo ihnen die Scheinwerfer gestohlen worden waren und sie daher die ihnen zugestandene Durchfahrtszeit um sechs Stunden überschritten. 2000 Dollar sollten sie dafür zahlen, sagt Stefan Hauser. Sie verhandelten. Schließlich half ihnen eine Deutsch sprechende Frau weiter – sie mussten einen Antrag ausfüllen und durften weiterfahren, ohne zu zahlen. Die Einreise in den Iran, vor der sie etwas Angst gehabt hatten, war dagegen kein Problem: "Die waren total korrekt und sehr freundlich."

Die Menschen
Offene und freundliche Menschen haben sie auf ihrer Reise (fast) überall angetroffen. Die positiven Erfahrungen im Iran beeinflussten die weitere Reiseroute. Annette Hauser hatte keinesfalls durch Pakistan fahren wollen. Dann entschieden sie sich um, reisten über China in Pakistans Norden – und wurden, wie sie erzählen, mit einer atemberaubender Landschaft belohnt. Und erneut mit Begegnungen mit netten Menschen. Auch wenn gerade in Zentralasien die Verständigung mit Händen und Füßen funktionierte – oder per Handy: Ihr Gesprächspartner rief jemanden an, der Englisch konnte.

Oft, sagt Stefan Hauser schmunzelnd, fungierte das Auto als Eintrittskarte. Ein Mechaniker in Malaysia sei riesig stolz darauf gewesen, dass er einen "Benz" warten durfte, ergänzt seine Frau. Und ein Bekannter bestellte ihnen die nötigen Ersatzteile aus Delhi nach Kalkutta.

Indien – mit allen touristischen Höhepunkten – war für die beiden aber vor allem eines: voll und laut. Das ewige Gehupe nerve, sagt Hauser – und ein komplettes Missachten jeder Privatsphäre. Um Bangladesch herum erreichten sie Miramar und später Thailand, wo sie eine Woche am Meer pausierten: "Reisen ist anstrengend", sagt Annette Hauser. Bis die Papiere beisammen sind, das Geld gewechselt und sie wussten, wo sie was kaufen konnten, war der Tag schnell herum. Allein für die Einreise nach Singapur benötigten sie drei Tage, bis die Papiere zusammen waren.

Der neue Weg zurück
Von dort verschifften sie ihr Auto nach Durban und fuhren über Kapstadt gen Norden: Namibia, Botswana, das Okawango-Delta und Sambia waren die nächste Stationen, Tansania und Kenia. In Uganda brach jemand das Schloss ihres Wagens auf, eines der drei unangenehmen Erlebnisse auf diesen 90 000 Kilometern. Sie fuhren durch Äthiopien und staunten über das schöne, grüne Land, die Felskirchen und die Kultur, sie reisten durch Ägypten, die Halbinsel Sinai und Israel, blieben in Jordanien im Sand stecken und mussten mal wieder schaufeln – trotz der Seilwinde – und kamen schließlich per Frachtschiff nach Italien wieder nach Europa. Im Gepäck: Erinnerungen, Bilder und mehr. Sie starteten mit einer Spiegelreflexkamera, Annette Hauser belegte eigens einen Kurs für "mehr als Knipsen". Unterwegs kauften sie Teleobjektiv, Actioncam und schließlich, in Südafrika, eine Drohne hinzu. Das Ergebnis zeigen sie in ihrem Vortrag – mit vielen Geschichten.

Wie kommt man dazu, für mehr als zwei Jahre alles hinter sich zu lassen? Den Entschluss zu der Reise hatte das Paar – beide sind jetzt 50 Jahre – gefasst, nachdem Stefan Hauser ein Tumor am Hörnerv auf einem Ohr ertauben ließ und ein Hörsturz vier Jahre später das verbliebene Hörvermögen gefährdete. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" hatten sie sich 2013 gefragt und ihr Entsorgungsunternehmen für gefährliche Abfälle 2014 verkauft; Stefan Hauser ist Speditionskaufmann und hatte zuvor für BASF gearbeitet.

Und was kommt als Nächstes? "Es gibt noch so viele Länder," sagt Annette Hauser.

Den Vortrag haben sie bisher nur in ihrer Heimat Schopfheim gezeigt, er war zweimal ausverkauft. Und jetzt in Emmendingen: "Sie haben es nach zweieinhalb Jahren geschafft, zu uns zu kommen," freuen sich Bernhard Schmolck und Jürgen Henninger, etwas nicht Alltägliches anbieten zu können.

Momente einer Weltreise – über 800 Tage im Geländewagen durch Asien und Afrika mit Annette und Stefan Hauser; Bilder, Videos und Live-Geschichten am 14. März bei Mercedes Schmolck in Emmendingen. Fünf Euro pro Eintrittskarte (17 Euro) sind für Nafgem bestimmt, eine Einrichtung, die sich gegen die Genitalverstümmelung bei Frauen einsetzt und die die Hausers in Tansania kennen gelernt haben. Karten gibt’s im Vorverkauf in den BZ-Geschäftsstellen.